Katrin Hartmann

Tafeln erzählen aus der Geschichte

Wriezen (MOZ) Einen Bescheid zur Freilegung des Fundaments der alten Fachwerkkirche haben die Mitglieder des Fördervereins zum Aufbau des Gotteshauses noch nicht erhalten. Um weiter an die einstige Kirche zu erinnern, wollen sie nun die Rahmen von zwei alten Totentafeln restaurieren lassen.

Ein neuer Rahmen soll her: Für die hölzerne Tafel wollen Beate Taube (l.) und Rosemarie Urban, Vorsitzende des Fördervereins, die Umrandung restaurieren lassen. Ortsvorsteher Peter Sperr unterstützt die Mitglieder bei ihrem Vorhaben.
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Gusseisern: Auf dieser Tafel sind gefallene Militärangehörige von 1813 bis 1815 aufgeführt.
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Die Mitglieder des Fördervereins warten auf grünes Licht. Grünes Licht, um das Fundament der alten Fachwerkkirche in Altwriezen/Beauregard wieder freilegen zu lassen. "Leider haben wir noch keinen Bescheid bekommen", sagte Beate Taube, zweite Vorsitzende des Fördervereins zum Aufbau der alten Fachwerkkirche in Altwriezen/Beauregard, am Mittwoch. "Aber wir hätten ihn natürlich gern", setzte sie nach. Doch die langersehnte Bewilligung ist Rosemarie Urban, erste Vorsitzende des Vereins, noch nicht ins Haus geflattert.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Förderverein Vertreter des Denkmalschutzes vom Landkreis und vom Land Brandenburg zu Gast in der 278-Seelen-Gemeinde. Diese sollten die Möglichkeiten zur Freilegung des alten Fundaments begutachten. Die alte Fachwerkkirche war 1973, weil sie baufällig war, abgerissen worden.

Mit der Bewilligung, so hoffen die Vereinsmitglieder, kann ein weiterer Schritt in Richtung Wiederaufbau des Fachwerkbaus begangen werden. Teile des Fundaments seien im Boden noch zu erkennen, sagte Rosemarie Urban. Um den genauen Verlauf zu sehen, müssten die alten Feldsteine, die von dem Gemäuer noch übrig sind, freigelegt werden, so Rosemarie Urban.

Der Untergrund machte den Gutachtern bei der Besichtigung allerdings Sorgen. "Wenn der Boden trocken oder bereits ausgetrocknet ist, dann können Sie einen solchen Bau schlecht kontrollieren", hatte Martin Petzel, Gebietsbodendenkmalpfleger vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Wünsdorf, nach einem Blick auf die Risse in den gegenüberliegenden Gebäuden sowie in der Mauer, die das Grundstück von der Straße trennt, damals gesagt. Eine Ausgangslage, die für einen Turm beziehungsweise den kompletten Wiederaufbau einer Kirche nicht besonders günstig sei.

Doch das entmutigt den Verein nicht. "Wir haben drei besondere Tafeln, die wieder in dem alten Fachwerkbau oder auch nur in dem Turm Platz finden sollen", sagte Rosemarie Urban und verwies auf die alte Baracke, die den Gemeindemitgliedern in Altwriezen/Beauregard derzeit als Kirche dient und in der die Tafeln stehen. Zwei davon aus Holz, eine aus Gusseisen.

Die drei Tafeln erzählen aus der Geschichte des Dorfes und brauchen nach Meinung der Vereinsmitglieder eine entsprechendes Umfeld, in dem sie besonders zur Geltung kommen. Die hölzernen Tafeln stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1715 steht in alter Schrift darauf geschrieben. Darüber: "D. v. Barfuss - Derer von Barfuss". "Das waren Erbherren aus Möglin, Altwriezen und Bliesdorf", erklärte Beate Taube.

Der Name von Barfuss taucht urkundlich erstmals 1251 in der Altmark auf. Danach setzt sich eine Stammreihe mit dem Ritter Hildebrand Barut fort, der 1252 Vogt zu Lebus war. In Brandenburg war auf dem Barnim Malchow bis ins 17. Jahrhundert im Besitz derer von Barfuss, ebenso Batzlow bis ins 18. Jahrhundert.

Die gusseiserne Tafel benennt Kriegsgefangene von 1813 und 1815, die in der Region um Altwriezen gefallen sein müssen, vermuten Beate Taube und Rosemarie Urban.

Bis 1998 wurden die Tafeln in der Bad Freienwalder Nikolaikirche aufbewahrt. Danach gab man sie zur Restaurierung. Anschließend wurden sie einige Jahre im Oderlandmuseum verwahrt bis sie ihren Weg nach Altwriezen/Beauregard fanden.

"Die Tafeln sind Eigentum der Kirchengemeinde", erklärte Rosemarie Urban. Aus diesem Grund steht die Gemeinde auch für die geplante Restaurierung der Holzrahmen ein, so die Vereinsvorsitzende.

Bislang verwiesen die drei aus dem Gebäude geretteten Kirchenglocken sowie der Treppenpodest zum alten Kirchturm auf die ehemalige Fachwerkkirche. Die Tafeln sind nun ein weiteres Relikt aus vergangenen Zeiten und der ganze Stolz der Kirchengemeinde. "Es geht uns um die Außendarstellung des Ortes. Wir hatten hier eine der größten Fachwerkkirchen des Oderbruchs und wollen an die Kirchengemeinde erinnern", sagte Rosemarie Urban.

Bislang beteiligen sich 20 Mitglieder im Förderverein, mehr können es gerne werden, so Rosemarie Urban und Beate Taube. Im Dorf gebe es sicherlich viele Leute, die sich an den Bau gut erinnern können, so die Vereinsvorsitzenden. Von jedem Wissen, alten Fotos oder anderen Dokumenten könne der Verein nur profitieren.

Und es würde dem Dorf einen Teil seiner Geschichte zurückgeben, die mit dem Abriss verloren gegangen sei.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Juni 2017

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