Kirche in Rogäsen restauriert

Nach 40 Jahren wieder mit Dach

Fast 40 Jahre galt die Kirche in Rogäsen als Ruine. Weil sich der Schwamm über das Dach hergemacht hatte, musste es abgenommen werden. Seit Himmelfahrt ist das Gotteshaus wieder nutzbar. Eine Familie kam aus ganz Deutschland angereist, um bei diesem denkwürdigen Tag dabei zu sein. Dafür gab es einen Grund.

So sieht die neue Dachkonstruktion über dem Rogäsener Kirchenschiff nach der Restaurierung aus.
Quelle: Silvia Zimmermann
 
Freunde und Förderer der Rogäsener Kirche vor dem neu bedachten Bauwerk.
Quelle: Silvia Zimmermann
 
Superintendentin Ute Mertens und Pfarrer Holger Zschömitzsch beim Gottesdienst.
Quelle: Silvia Zimmermann
 
Nach dem Festgottesdienst sahen sich Besucher im benachbarten Schloss um.
Quelle: Silvia Zimmermann

Rogäsen. „Ich freue mich, dass Rogäsen wieder eine nutzbare Kirche hat“, sagte Pfarrer Holger Zschömitzsch vom Pfarramt Wusterwitz zur Begrüßung vor zahlreichen Gästen beim Festgottesdienst am Himmelfahrtstag. Nach umfangreicher Restaurierung verfügt das Gotteshaus wieder über ein Dach. Der Fußboden wurde erneuert. Es sind wieder Fenster drin. Das Gestühl kam 2003 als Geschenk vom einstigen Paulikloster aus Brandenburg. „Viele Kirchengemeinden begehen diesen Tag unter freiem Himmel. Wir feiern in dieser Kirche, die ein besonderer und heiliger Ort ist“, ließ Zschömitzsch wissen.



Die Mauern hielten stand

Weil man ihr das Dach abnehmen musste, galt die Rogäsener Kirche seit 1978 als Ruine. Ihre Außenmauern und der Westturm sind jedoch erhalten geblieben und wurden 1993 gesichert. An der Struktur und dem Feldsteinquader-Mauerwerk ist erkennbar, dass es sich um einen im Kern spätromanischen Bau handelt.
Die Kirche besteht aus einem querrechteckigen Westturm, einem Schiff von gleicher Breite und einem eingezogenen, gerade geschlossenen Chor. Auf der Südseite blieben zwei ursprüngliche rundbogige Feldsteinportale erhalten.
Im 18. Jahrhundert wurde der eingezogene Chor verlängert und 1898 nochmals durch den Anbau einer Apsis verändert. Der quadratische Turmaufbau mit einem Zeltdach stammt aus der Zeit um 1920.


Viele Menschen haben geholfen, dass diese Kirche wieder nutzbar gemacht wurde. Zu verdanken war das alles durch die Arbeit und das Engagement der Architektin Heidrun Fleege. „Ich bin in dieser Kirche getauft und konfirmiert worden. Außerdem habe ich an einigen Krippenspielen mitgewirkt. Es hat mich lange gestört, dass dieses Gotteshaus ohne Dach da stand. Im Jahr 2000 reifte die Idee unserer Kirche wieder ein Dach zu verschaffen“, sagte die ehemalige Rogäsenerin.

Die aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert stammende Kirche kann eine wechselvolle Baugeschichte aufweisen. So stürzte im 17. Jahrhundert der Turm ein. 1897 bekam die Kirche eine Apsis. 1978 verlor das Schiff und der Chor sein Dach. Obwohl die Kirche 40 Jahre als solche nicht mehr genutzt wurde, hat man sie nie entwidmet. „Ich war am Anfang überhaupt nicht begeistert von der Idee die Rogäsener Kirche wieder herzurichten. Haben wir doch im Kirchenkreis 130 Kirchen, die wir erhalten wollen“, sagte Superintendentin Ute Mertens vor dem Publikum.

Heidrun Fleege konnte den Evangelischen Kirchenkreis Elbe-Fläming mit einen Nutzungskonzept überzeugen. „Heute bin ich dankbar darüber, dass sie sich nicht abwimmeln ließ, und dieses Bauwerk zu neuem Leben erweckte wurde“, sagte Ute Mertens. Es kostete viel Zeit, Kraft, Geld und einen langen Atem von der Idee bis zur Fertigstellung. „2014 war es soweit. Wir bekamen 96 000 Euro Fördermittel für das Dach. Es konnte losgehen“, erinnerte sich Fleege. Es flossen Gelder aus verschiedenen Fördertöpfen in die Sanierung ein. Auch der Förderkreis Alte Kirchen unterstützte mit Zuschüssen.

Dazu kamen viele private Spenden, wie die der Familie von Jürgen Krebs. Er erfüllte den letzten Wunsch seiner verstorbenen Mutter Eva Gobel und überwies 2300 Euro für die Restaurierung. Die ganze Familie reiste extra aus ganz Deutschland an, um an diesem denkwürdigen Tag dabei zu sein. „Ich bin beeindruckt von dem bürgerlichen Engagement in Rogäsen. Möge diese Kirche den sozialen Zusammenhalt im Ort fördern“, sagte Thomas Drachenberg, Stellvertretender Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums.

Dass die Kirche ihren Besuchern ein besonderes Raumerlebnis bietet, zeigte sich schon während des Festaktes. Der Gesang des Chores, die Musik von Kantor Thorsten Fabrizi und Jürgen Krebs klangen mehr als lieblich. Der Innenraum versprühte trotz der unverputzten Wände aus Feld- und Backsteinen einen gewissen Charme. Das moderne Dach schließt den Raum ab, und stellt die Verbindung zwischen dem Mittelalter und dem 21. Jahrhundert her. Alle Redner und Verantwortlichen waren sich einig, dass die Kirche neben den Gottesdiensten auch als kultureller Begegnungsort entwickelt werden sollte.

Den Feierlichkeiten schlossen sich die Besitzer des benachbarten Herrenhauses, Karl und Marion Geyer, an. Sie lassen den schlossähnlichen Wohnsitz gerade sanieren. Besucher konnten das Erdgeschoss besichtigen, wo sich einst Schulräume für die Kinder befanden. Daran konnte sich Ilse Seelen aus Zitz noch gut erinnern, die ab 1960 in Rogäsen zur Schule ging: „Ich bin beeindruckt, was heute aus dem Herrenhaus geworden ist.“.

Von Silvia Zimmermann

Märkische Allgemeine vom 26. Mai 2017

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