Ruhlsdorf

Orgelpfeifen von Staub und Farbe befreit

In der Ruhlsdorfer Kirche werden in dieser Woche die Orgelpfeifen eingebaut, die in der Eberswalder Orgelbauwerkstatt auf Vordermann gebracht wurden. Kurz vor Pfingsten gibt es in Ruhlsdorf ein Orgelkonzert mit dem Musikdirektor des Kirchenkreises Zossen-Fläming Peter-Michael Seifried.

Pfarrer Matthias Wolf (r.) schaut zu Harry Sander ins Orgelinnere.
Quelle: Margrit Hahn
 
Andreas Müller beseitigt den Staub mit einem Hochdruckreiniger.
Quelle: Margrit Hahn
 
Die Orgelpfeifen liegen ordentlich sortiert.
Quelle: Margrit Hahn
 
Harry Sander im Innern der Orgel.
Quelle: Margrit Hahn

Ruhlsdorf. Vor vier Wochen wurden die Orgelpfeifen in der Ruhlsdorfer Kirche ausgebaut. Jetzt sind Harry Sander und Andreas Müller dabei, sie wieder einzubauen.

Die Orgelbauer haben es in Ruhlsdorf mit für ihre Verhältnisse übersichtlichen 432 Pfeifen zu tun. In manchen Kirchen sind es 5000 bis 6000. Und trotzdem ist jede Orgel etwas Besonderes. „Diese Orgel wurde 1904 speziell für Ruhlsdorf geplant und gebaut“, berichtet Harry Sander. Während die meisten Pfeifen in der Kriegszeit gespendet und eingeschmolzen wurden, befinden sich die Ruhlsdorfer noch im Originalzustand.

Es ist immer wieder spannend für die Orgelbauer, wenn die Pfeifen ausgebaut werden. Dann haben sie Gelegenheit, im Inneren zu schauen, ob es irgendwelche Inschriften gibt. „In so manchem Blasebalg haben wir Zettel gefunden, die von den Gesellen geschrieben und im Inneren versteckt wurden“, sagt Harry Sander. Da der Blasebalg in Ruhlsdorf keinerlei Beschädigungen aufweist, muss dieser auch nicht geöffnet werden.

Dafür haben die Orgelbauer aber etwas anders gefunden. Zum einen ein Firmenschild von „A.D. Eifert“, dem Hoforgelbaumeister aus Stadtilm in Thüringen, der dieses Musikinstrument gebaut hat und zum anderen einen Hinweis, dass 1937 ein Blitz die Orgel getroffen hat. An einer Pfeife war eine Seite angeschmolzen und auf dieser war vermerkt, dass es ein schweres Gewitter gegeben hatte. Nach dem Blitzeinschlag wurde die Orgel gereinigt. Ob danach weitere Arbeiten vorgenommen wurden, lässt sich nicht sagen. Zumindest eine Pfeife wurde seit 1904 ausgetauscht – das sehen die Fachmänner auf Anhieb.

Das meiste wurde in den vergangenen Wochen in der Eberswalder Orgelwerkstatt vorbereitet. Jetzt wollen die Fachmänner sehen, dass sie bis Donnerstag alles einbauen, um in der kommenden Woche das Instrument zu stimmen. Die größte Pfeife misst 2,40 Meter, die kleinste 15 Millimeter. „Am Schwierigsten war es, die Kalkfarbe zu entfernen“, sagt Harry Sander. Als Übeltäter hat er den Maler, der vor Jahren die Decke der Kirche gestrichen hat, in Verdacht. „Der muss doch sämtliche Farbreste auf die Orgel verteilt haben“, mutmaßt er. Daher musste die Orgel komplett überholt werden.

Wobei die Fachleute generell empfehlen, jede Orgel alle 25 bis 30 Jahre von Grund auf zu reinigen. Staub kann hartnäckig sein und für falsche Töne sorgen. Harry Sander berichtet von einer Spinne, die einmal die Öffnung der Orgelpfeife zugesponnen hatte. Der Staub der sich daraufgesetzt hatte, tat sein übrigen, sodass nicht ein Laut mehr herauskam. „Wenn eine Orgel gereinigt wurde, klingen die Töne viel frischer“, weiß der Fachmann aus Erfahrung. Um auch das letzte Staubkorn zu entfernen, bläst Andreas Müller im Freien vor der Kirche Pfeifen und Pfeifenstöcke mit Hochdruck aus, bevor sie eingesetzt werden. „Für Orgeln ist es nicht gut, wenn die Kirche oft geputzt und Staub aufgewirbelt wird. Ein Frühjahrs- und ein Herbstputz sind völlig ausreichend“, schätzt Sander ein.

Zur Generalüberholung der Ruhlsdorfer Orgel gehört es auch, die Filze der Klaviaturen zu erneuern. Im Normalfall lassen sich die Tasten elf Millimeter herunterdrücken. In Ruhlsdorf sind es bis zu 17 Millimeter, was den Organisten die Arbeit erschwert.

Für Pfarrer Matthias Wolf ist es die dritte Orgelsanierung, die er begleitet. Die erste war in Stülpe, die zweite in Woltersdorf und jetzt die dritte in Ruhlsdorf. Am Freitag vor Pfingsten um 16 Uhr wird die Orgel wieder eingeweiht. Peter-Michael Seifried, Musikdirektor des Kirchenkreises Zossen-Fläming, wird dann die Klangbreite der Ruhlsdorfer Orgel unter Beweis stellen.

Zum Kreiserntefest am 26. August wird die Kirche auch ihre Pforten öffnen. Dann soll zu jeder vollen Stunden ein kleines Konzert erklingen. Dazu wird Peter-Michael Seifried seine Schüler mitbringen, die an den Registern ihr Können unter Beweis stellen werden. Pfarrerstochter Judith Wolf, die in Leipzig Kirchenmusik studiert, wird den Gottesdienst zum Kreiserntefest begleiten.

Bisher haben die Ruhlsdorfer für die Orgel 4000 Euro gespendet. „Wir hatten gehofft, dass auch der Kirchenkreis noch etwas dazugibt, doch das klappt nicht. Deshalb müssen wir sehen, wo wir das restliche Geld hernehmen“, so der Pfarrer.

Harry Sander und Andreas Müller haben in Ruhlsdorf gute Bedingungen. Familie Ziehe stellt den Orgelbauern bis Donnerstag eine Unterkunft zur Verfügung, sodass sie nicht täglich von Eberswalde anreisen müssen.

Von Margrit Hahn

Märkische Allgemeine vom 17. Mai 2017

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