Rathenow

Förderer der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow hat seit seiner Gründung im Jahr 1996 rund 1 136 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen und Spenden eingenommen. Das Geld wird verwendet als Eigenanteil, um Fördermittel für Baumaßnahmen zu erhalten. Das größte Projekt war der Wiederaufbau des Turmes von 1999 bis 2001.

Wolfgang Krüger, Schatzmeister des Förderkreises zum Wiederaufbau der St.-Marien-Andreas-Kirche.
Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Egal, aus welcher Richtung man nach Rathenow kommt, aus der Ferne ist zuerst der Turm der Sankt-Marien-Andreas-Kirche zu sehen. 77 Meter hoch über den Boden des Kirchbergs reicht die Spitze mit dem vergoldeten Kreuz. Lange Jahre musste das Rathenower Gotteshaus ohne Turm und Spitze auskommen. Bei den Kampfhandlungen zum Schluss des Zweiten Weltkriegs hatte Ende April 1945 eine Brandgranate den Turm getroffen, und in den Tagen danach war die gesamte Kirche völlig ausgebrannt. Das Mittelstück des Turmes, wegen seines achteckigen Querschnitts auch Oktogon genannt, verfiel in den Jahren danach immer mehr, so dass es aus Gründen der Bausicherheit 1972 abgetragen wurde.

Dass die Sankt-Marien-Andreas-Kirche heute schon zu weiten Teilen wieder hergestellt ist, verdankt die Stadt dem Förderkreis zum Wiederaufbau, der 1996 gegründet worden ist. Dessen Vorsitzender ist von Anfang an Heinz-Walter Knackmuß, Amtsarzt im Unruhestand. Der Verein bringt die Eigenmittel auf, die gebraucht werden, um Fördergelder für den Wiederaufbau der Kirche beantragen zu können. Wie dessen Schatzmeister Wolfgang Krüger berichtet, hat der Förderkreis seit seiner Gründung bislang 1 135 931,53 Euro durch Mitgliedsbeiträge und Spenden eingenommen. Es gibt keinen Verein im Westhavelland, der eine vergleichbare Bilanz vorweisen kann. „Die Spendenfreudigkeit der Leute lässt nicht nach“, stellt er fest.

Jahresabschluss des Förderkreises für 2016 ist gerade fertig gestellt

Gerade hat er den Jahresabschluss für 2016 fertig gestellt. An Beiträgen hat der Verein 15 780 Euro eingenommen, der zum Jahreswechsel 248 Mitglieder hatte. Diese Zahl schwankt immer ein wenig. 2016 waren fünf neue Mitglieder hinzugekommen, aber auch fünf gestorben. Eine ganze Reihe von Förderkreismitgliedern ist schon in höherem Alter. An Spenden nahm der Verein 2016 insgesamt 37 183 Euro ein. Positiv hatte sich hier ausgewirkt, dass im Dezember letzten Jahres noch eine große Einzelspende von 10 000 Euro kam. Aber natürlich lassen sich die Spendeneingänge nicht so genau wie die Mitgliedsbeiträge planen.

Zwei Spitzenzeiten verzeichnet der Schatzmeister im Jahr, in denen er besonders viel zu erledigen hat. Bis Anfang März zieht er von rund 220 Mitgliedern den Beitrag vom Konto ab. Nur wenige veranlassen selbst die Überweisung. Anschließend sind für die eingegangenen Beiträge die Spendenquittungen auszustellen. Bislang hat Wolfgang Krüger dieses Jahr 285 Spendenbelege ausgefüllt. Er geht davon aus, dass es bis Jahresende an die 400 werden können.

Die größte Ausgabe des Fördervereins ist im vergangenen Jahr die Finanzierung der Innenraumkonzeption für die Kirche gewesen, die stattliche 24 490 Euro gekostet hat. Dieses Dokument ist die Grundlage dafür, dass auch in Zukunft weitere Arbeiten in und an der Kirche ausgeführt werden können. Ohne die Konzeption hätte der Denkmalschutz keiner Baugenehmigung mehr zugestimmt. Weil das Land 5000 Euro für die Innenraumkonzeption dazu gegeben hat, hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) für Juli seinen Besuch in Rathenow ankündigen lassen. Dann will er sich die Sankt-Marien-Andreas-Kirche zeigen lassen. Er macht das auch, um die Arbeit des Förderkreises zu würdigen.



Säulensteine, Orgelpfeifen und Stifterbriefe

Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche lässt mehre Spendenaktionen parallel laufen.
Durch den symbolischen Verkauf von Säulensteinen für den Chorraum sind bislang 53 810 Euro eingenommen worden, durch Orgelpfeifen 24 400 Euro und Bausteine 9 700 Euro.
Stifterbriefe für den Wiederaufbau gibt es in Platin, Gold, Silber und Bronze. Sie brachten bislang zusammen 140 500 Euro ein.
Der Mitgliedsbeitrag beträgt 60 Euro im Jahr.
Geöffnet ist die Kirche zu folgenden Zeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 16 Uhr.
Kontonummer des Förderkreises: IBAN DE07 1609 1994 0001 0701 00.


Viele von seinen Einnahmen hat der Förderkreis schon wieder ausgegeben. Die großen Schwerpunkte waren der Wiederaufbau der Turmes von 1999 bis 2001 und das neue Dach sowie die neuen Kreuzgewölbe für das Hauptschiff der Kirche 2009 und 2010. Gegenwärtig verfügt der Förderkreis über 291 281 Euro. Dabei wurmt es den Schatzmeister besonders, dass die Zinsen bei 0,01 Prozent liegen. Drum sind die Zinseinnahmen für das Anlagekonto 2016 bei bescheidenen 24,57 Euro hängen geblieben.

„Viele Besucher sind überrascht“, teilt Wolfgang Krüger mit, „was wir beim Wiederaufbau der Kirche schon erreicht haben.“ Die nächsten großen Projekte sind neue Gewölbe im Chorraum für rund 1,4 Millionen Euro und neue Emporen für rund 1,5 Millionen Euro. Weitere Wünsche sind eine neue Orgel und eine neue Kanzel im barocken Stil. So wie es gelingen wird, weitere Fördermittel zu erlangen, sollen die nächsten Arbeiten ausgeführt werden. Der Förderkreisvorsitzende Heinz-Walter Knackmuß und Schatzmeister Wolfgang Krüger werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass jeder einzelne Euro wertvoll ist, der für den Wiederaufbau der Kirche eingenommen wird. So sind über den Büchertisch in der Kirche letztes Jahr 370 Euro herein gekommen. Wie die Innenraumkonzeption besagt, werden noch 4,5 Millionen Euro gebraucht, um den Wiederaufbau der Kirche zu Ende zu führen. Der Förderkreis ist angetreten, um seinen Beitrag dazu zu leisten.

Von Bernd Geske

Märkische Allgemeine vom 15. Mai 2017

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