Janet Neiser

Kirche in der Champions League

Neuzelle (MOZ) Politprominenz aus Land und Bund sowie evangelische und katholische Würdenträger waren am Donnerstag zur Evangelischen Pfarrkirche nach Neuzelle gepilgert. Die wurde nach vielen Jahren Sanierung nämlich wieder offiziell an die Gemeinde übergeben.

In der ersten Reihe: Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle (2.v.r.), sowie Martina Münch, Landes-Kulturministerin und Stiftungsratsvorsitzende (r.), gehörten zu den Gästen beim Gottesdienst.
© MOZ/Gerrit Freitag
 
Barockes Schmuckstück: Die Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz gehört zur Klosteranlage in Neuzelle und wurde im 18. Jahrhundert erbaut.
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Die Kirchenglocken läuteten schon zur vollen Stunde und der Gemeindekirchenrat konnte es kaum noch erwarten, endlich in seinem Schmuckstück, der Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz, Platz zu nehmen. Doch ausgerechnet der Pfarrer bat um Geduld. "Die Ministerin fehlt noch", rief er hinüber - mit einem Lächeln. Und schon kurz darauf kamen Martina Münch und ihre Begleiter auf ihn zu. Möglicherweise hatte schlicht die Parkplatzsuche etwas gedauert, denn der Andrang war groß und das nach acht Jahren Sanierung fertiggestellte Gotteshaus Minuten später bis nahezu auf den letzten Platz gefüllt.

Wie wichtig dieser Tag für viele war, zeigt die Tatsache, dass selbst Markus Dröge, der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, nach dem Gottesdienst bei der Feierstunde sein Handy zückte und Erinnerungsfotos machte, unter anderem von seinem Sitznachbarn und der Kuppel, von der er zuvor in seiner Predigt so geschwärmt hatte: "Die Kirche verfügt über eine reiche barocke Ausgestaltung und Freskierung. In der Kuppel zum Beispiel schaut der Betrachter in den Himmel, eine allegorische Darstellung des böhmischen Malers Georg Wilhelm Neunhertz, die zu den bedeutendsten Fresken der Niederlausitz gehört." Die aufwendige Grundinstandsetzung der Kirche, die Dächer, Türme, Fassaden und auch Innenarbeiten umfasste, habe dafür gesorgt, dass Menschen diese Schätze auch weiterhin betrachten können, erklärte Bischof Dröge.

Und als er von der Kanzel stieg, huschte bei vielen in der Kirche ein Lächeln übers Gesicht. Der Grund? Der Ort, von dem aus das Wort Gottes verkündet wird, wackelte und knarrte verdächtig. "Sie können sich bestimmt vorstellen, wie das ist, wenn ich dort heruntersteige", rief Pfarrer Martin Groß dem im Vergleich zu ihm recht kleinen Bischof mit einem Grinsen hinüber. Aber noch in diesem Jahr soll die Kanzel stabilisiert werden, versprach Jan Battmer, Baukoordinator der Stiftung Stift Neuzelle.

Pflege und stete Reparaturarbeiten sollen in Zukunft viel Geld sparen, betonte Landeskonservator Thomas Drachenberg während der Feierstunde. Er sprach von einem 100-jährigen Sanierungs- und Reparaturstau, der in der evangelischen Kircheaufgelaufen war und nun im Rahmen einer Großaktion zu großen Teilen aufgearbeitet wurde. Im Jahr 2009 hatte die Sanierung des Gotteshauses begonnen, das ebenso wie die katholische Kirche zum Eigentum der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle gehört und per Nutzungsvertrag an die Gemeinden abgegeben wurde.

Die Gesamtkosten für die Instandsetzung betrugen etwa 2,9 Millionen Euro. Neben dem Land und der Stiftung beteiligte sich auch der Bund daran, und zwar aus dem Programm "National wertvolle Kulturdenkmäler". Die Kirche spiele damit sozusagen in der Champions League der Denkmäler, sagte Katrin Hahne, die Ministerialdirigentin bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Championsleague. Das dürfte den Neuzellern, die zuvor in ihrer Kirche gebetet und gesungen hatten, gefallen. Damit ist die kleine Schwester der katholischen Klosterkirche endgültig aus deren Schatten herausgetreten. Letztlich aber gehört die Pfarrkirche zur Klosteranlage und genau diese Vielfalt macht sie zu etwas Besonderem: "Die Anziehung dieses Ortes ist wunderbar. Denn die Klosteranlage insgesamt ist ein Raum, an dem Kultur und Religion, evangelische und katholische Kirche, Staat und Kirche zusammenwirken. Diesen Ort als gemeinsamen Ort zu begreifen und zu entwickeln, darin sehe ich besondere Chancen", predigte der Bischof. Vieles, was in die Anlage geflossen sei, sei auf die Zukunft ausgerichtet.

Märkische Onlinezeitung vom 11. Mai 2017

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