Anett Zimmermann

Sofortreparatur rettet Orgelkonzert

Neulietzegöricke (MOZ) Als Ullrich Gericke am Sonntag nach dem Festgottesdienst zur Orgeleinweihung in Neulietzegöricke seinen Mai-Bach spielen wollte, passierte das, was Organisten und Orgelbauer gut kennen. Das Instrument reagierte mit einem Defekt.

Kaffeetafel vor der Kirche Neulietzegöricke (Dorfkirche des Monats April 2010): Auch das Wetter zeigte sich bei der Orgeleinweihung am Sonntagnachmittag von seiner besten Seite.
© MOZ/Anett Zimmermann

"Das ist ein sogenannter Heuler", meinte Ullrich Gericke und vermutete, dass irgendwo ein Ventil hängengeblieben ist. Und während das Publikum zur Kaffeetafel nach draußen drängte, rief Orgelbauer Christian Scheffler seine Mitarbeiter zusammen und eilte mit einer kleinen und schon recht abgegriffenen Werkzeugtasche zur Orgel auf die Empore. Dort sprach er erst mit Ullrich Gericke, ehe es auf die weitere Fehlersuche ging.

Nur wenige Minuten später zeigte sich Scheffler schon zuversichtlich, dass das im Anschluss noch vorgesehene Konzert mit Ulrich Pakusch stattfinden kann. "Solche Überraschungen gibt es bei Inbetriebnahmen häufiger", sagte der Sieversdorfer und begründete dies sowohl mit dem unterschiedlichen Spiel der Organisten als auch der Vielfalt der Kompositionen. Entsprechend verschieden werde das Instrument beansprucht.

Angesichts der anwesenden Fachleute reagierte auch das Publikum gelassen, zeigte sich aber deutlich überrascht von dem Fakt an sich. Aber wie oft in seinem Leben nimmt man schon an einer Orgelweihe teil? Und wie das 1845 speziell für die Kirche in Neulietzegöricke bei Lang & Dinse in Berlin gebaute Instrument nach der Sanierung klingt, hatten die Gäste ja schon während des Festgottesdienstes gehört.

Dabei mussten die Organisatoren bereits einen anderen Ausfall kompensieren. Von den Herren Lang und Dinse alias Christian Schmidt und Tobias Morgenstern, die die Orgelabnahme von einst darstellen wollten, habe Ersterer schweren Herzens aus familiären Gründen absagen müssen, hatte Gisela Sommer vom Gemeindekirchenrat zu Beginn erklärt. Hendrik Martens aus dem Ort, Ullrich Gericke, vielen noch als Kantor in Bad Freienwalde bekannt, und Kreiskantorin Anja Liske-Moritz hatten daraufhin eine abwechlungsreiche Text-Musik-Collage zum Thema Orgel zusammengestellt.

Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger hatte in ihrer Predigt zudem aus dem Abnahmeprotokoll des Orgelsachverständigen vom April zitiert: "Es war den Versammelten ein großes Vergnügen, die einzelnen Stimmen der Orgel solistisch als auch in Kombination miteinander und im gesamten Zusammenklang aus dem Kirchenschiff heraus zu erleben. Die Wirkung der Orgel im Kirchenraum ist großartig und denselben voll genügend ausfüllend. Jede einzelne Stimme zeigt den ihr entsprechenden Charakter und edle Klangfarbe ... Die Anwesenden konnten sich übereinstimmend das Urteil bilden, dass die Intonation vortrefflich und meisterhaft ausgeführt worden ist."

Wer die Orgel vor der Restaurierung kannte, so die Pfarrerin, werde die Einschätzung ihres neuen, edlen, vollen Klanges nur zustimmen können. Der von ihr dafür eingeforderte Applaus bestätigte dies.

Nachdem sich Gisela Sommer zu Beginn schon voller Freude und Dankbarkeit auch angesichts der tatkräftigen Unterstützung vieler geäußert hatte ("Aus eigener Kraft hätten wir das Vorhaben nie geschafft"), musste sie später gleich zweimal nach vorn. So versprach Christian Scheffler, dass ein ausgefallenes Benefizkonzert noch nachgeholt wird und überreichte ihr schon mal eine entsprechende CD zu Reinhören. Nanna-Maria Luttenberger dankte den Beteiligten am Gottesdienst und Ulrich Pakusch mit einer kleinen an einer Pikkolo-Flasche hängenden Original-Orgelpfeife und mit Gisela Sauder und Ursula Hoffmann auch zwei der vielen stillen Helfer mit einem Pfeifen-Präsent. Ihr besonderer Dank galt aber Gisela Sommer als Motor der Orgelrestaurierung und ihrem Mann Peter. Beide dürfen sich im Strausberger Hotel The Lakeside jetzt eine Abendveranstaltung aussuchen.

Märkische Onlinezeitung vom 07. Mai 2017

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