Dinse-Orgel mit neuer Seele

Neulietzegöricke (MOZ) Die Dinse-Orgel in der Kiche von Neulietzegöricke (Dorfkirche des Monats April 2010) war vor ihrer Sanierung zwar noch spielbar, aber ihr waren längst nicht mehr alle Töne zu entlocken. Inzwischen ist die Vorfreude groß, denn am 7. Mai soll das Instrument geweiht werden.

Ausgetauscht: Exemplare aus Metall und Holz sollen bei der Orgelweihe am 7. Mai in Neulietzegöricke zugunsten der künftigen Pflege des Instruments angeboten werden.
© MOZ/Anett Zimmermann

Am Dienstag haben sich Mitglieder der Kirchengemeinde noch einmal zum Putzen in der Kirche verabredet. Dazu gehört unter anderem Gisela Sauder, deren Nachname schon unter denen der Erstkolonisten von Neulietzegöricke zu finden ist. "Schon als Kinder haben wir die Glocken geläutet", erzählt die 78-Jährige, deren Familie damals neben dem Pfarrhaus wohnte. Geläutet worden sei vor Gottesdiensten, bei Beerdigungen und sonnabends zum Feierabend.

Unter Pfarrer Ulrich Ebeling, so weiß sie zu berichten, sei die Orgel in Neulietzegöricke 1959 elektrifiziert worden. "Bis dahin musste auch immer ein Kind in die Steigbügel der Orgel treten, um den Blasebalg zu bedienen" fügt Gisela Sauder hinzu und muss lachen. "Wenn das nicht klappte, hat der Pfarrer demjenigen schon Beine gemacht."

Darauf, dass in dem Instrument Register gekappt waren und auch Pfeifen fehlten, mussten sich bis ins vergangene Jahr die Organisten einstellen, sagt Gisela Sauder, die sich inzwischen seit bestimmt 40 Jahren im Gemeindekirchenrat engagiert.

"Was nicht funktionierte, stand auch mal auf einem kleinen Zettel an der Orgel geschrieben", ergänzt Gisela Sommer. Auch sie ist im Gemeindekirchenrat, hatte sich dafür aber erst 2006 zur Wahl gestellt: "Bevor ich in die Alterszeit gegangen bin, hätte ich dafür keine Zeit gehabt" sagt die 67-Jährige, die mit ihrem Mann seit 1979 erst ein Wochenendhäuschen in Neulietzegöricke bewohnte, ehe sie dann fünf Jahre später und mit den beiden Kindern ganz ins Oderbruch zogen.

Inzwischen hat Gisela Sommer zahlreiche Geschichten zur Kirche gesammelt. Mit Blick auf das Faltblatt zur Geschichte des 1840 neu errichteten Gotteshauses gerät sie diesmal beim Erzählen jedoch ins Stocken: Die Zeitleiste hört am 30. Oktober 2011 mit dem Festgottesdienst zum Abschluss der Sanierungsarbeiten der Kirche auf. "Das ist mir bisher ja gar nicht aufgefallen", sagt sie kopfschüttelnd. Dabei sei im Vorfeld des Festgottesdienst zur Weihe der Orgel am 7. Mai doch so vieles besprochen und auch organisiert worden.

Der Vorgängerbau der Kirche sei wie weite Teile des Dorfes 1832 bei einem Feuer abgebrannt. Der Ort selbst war 1753 gegründet worden. Fünf Jahre nach Fertigstellung des neuen Gotteshauses wurde die Orgel durch die Berliner Werkstatt Dinse eingebaut. Wie Orgelbauer Christian Scheffler aus Sieversdorf jüngst bei der Abnahme nach der Sanierung erklärte, sei das Instrument speziell für die Kirche in Neulietzegöricke erbaut worden. "Sie ist etwas gedrungen, aber was hätte man hier anderes machen wollen", fragte er angesichts der geringeren Deckenhöhe der Empore und lobte das Instrument als gelungen. Der Klang sei für eine Dorfkirche sogar recht üppig.

Beeindruckt zeigte er sich später an dem bis heute erhaltenen Granatendurchschuss in einem Balken. Gisela Sommer staunte indes nicht schlecht, als sie erfuhr, dass die Orgelbauer bei der Sanierung des Instruments noch auf Granatsplitter gestoßen sind. Schließlich sei die Orgel 1953/54 erstmals repariert worden.

Der neue, alte Dinse-Klang habe sie bereits zu Tränen gerührt, als Tino Herrig Ende März die Intonation vornahm: "Da hat die Orgel ihre Seele bekommen." Dankbar ist Gisela Sommer vor allem auch den vielen Spendern, darunter Touristen, die das Vorhaben der Orgel-Sanierung erst möglich gemacht haben: "Es ist doch bemerkenswert, dass viele kleine Schritte zum Ziel führen und wie sehr ein größerer dazwischen auch Zuversicht gibt."

Einweihungsfeier: 7. Mai, ab 14.30 Uhr mit Begrüßung und Orgelabnahme, 15 Uhr Gottesdienst, danach Kaffeetafel, gegen 17 Uhr Orgelkonzert mit Ulrich Pakusch

Märkische Onlinezeitung vom 01. Mai 2017

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