Schilde

Kirche feierlich geweiht

Die frisch sanierte Schilder Kirche ist mit einem österlichen Festgottesdienst am Montag feierlich geweiht worden. Die Gäste waren so zahlreich gekommen, dass am Ende nur noch Stehplätze zu vergeben waren. Mit dabei auch die Familie von Graevenitz, die dort einst das Patronat inne hatte.

Nur noch Stehplätze waren beim Festgottesdienst frei.
Quelle: Kerstin Beck
 
Sie ließen es sich nicht nehmen, zum feierlichen Gottesdienst zu erscheinen: Mitglieder der Familie von Graevenitz (5. v. l.: Familienverbandsvorsitzender Georg-Wilhelm v. Graevenitz), deren Vorfahren im nunmehr sanierten Gruftanbau (S. Hintergrund) der Schilder Kirche bestattet wurden.
Quelle: Kerstin Beck
 
„Ohne Sie beide wäre das hier alles nicht möglich gewesen!“ - Mit diesen Worten ehrte Pfarrer Sacha Sommershof das Ehepaar Hiltraud und Herbert Pachura aus Schilde, das sich mit größtem Engagement der Erhaltung ihrer Kirche verpflichtet fühlt.
Quelle: Kerstin Beck
 
Das österlich-fröhliche Kaffeetrinken in der Kirche war sicherlich auch im Sinne der hier bestatteten Familie von Graevenitz
Quelle: Kerstin Beck

Schilde. Zuletzt gab es in der Schilder Kirche nur noch Stehplätze – und auch diese waren bald rar. Der Grund: Am Ostermontag wurde das Gotteshaus genau auf den Tag ein Jahr nach dem Beginn der Sanierungsarbeiten in einem feierlich-fröhlichen Ostermontagsgottesdienst wieder seiner Bestimmung übergeben. Dieses Ereignis zog jede Menge interessierte Gäste an. Dazu gehörten auch Angehörige der Familie von Graevenitz, die es sich nicht hatten nehmen lassen, von ihren teilweise weit entfernten Wohnorten anzureisen.

„Eigentlich wollten wir ja nur die Gruft der 1426 erstmals erwähnten Familie von Graevenitz, die hier einst das Patronat ausgeübt hatte, restaurieren“, sagte Pfarrer Sacha Sommershof in seiner Rede. „Doch dann stellte sich heraus, dass wir auch das Dach und insbesondere den desolaten Kirchturm retten mussten.“ Viele Menschen haben dabei sehr engagiert mitgewirkt – Architekten, Handwerker, Wissenschaftler, die Leute vor Ort und die Geldgeber, wozu auch die Familie von Graevenitz gehört. „Und sehr, sehr engagiert hat sich dazu auch der Kirchenkreis Prignitz!“

Gruft lebt vom Verborgenen

Für mehr als 200 000 Euro, die genaue Summe ist noch nicht bekannt, weil noch längst nicht alle Rechnungen eingegangen sind, ist die Kirche nun grundlegend saniert worden. Der Turm hat eine neue Bekrönung bekommen, und auch die Glocke läutet wieder. Dazu kam noch ein neuer Dachstuhl mit neu gedecktem Dach. Saniert wurden nicht nur die sich an die Kirche anschließende Gruft, sondern zudem die sich darin befindlichen Särge.

Regine Ströbl, eine der beiden Wissenschaftler von der Forschungsstelle Gruft aus Lübeck, die vor einigen Monaten gekommen waren, um den „Gruftinhalt“ zu sichern, erklärte dazu: „Eine Gruft lebt im Verborgenen. Man hätte ja auch sagen können: „Lasst doch das fürstliche Gerümpel, Tür zu, fertig!“ Aber genau das ist hier nicht passiert. Wir haben hier einen Friedhof mit Dach und wir müssen gut mit denen, die darin aufgebahrt sind, umgehen. Vielleicht sehen wir sie noch einmal!“

Eindrückliche Botschaft

Und so wurden die Särge sorgfältig gereinigt, wiederhergestellt und mit ihren Gebeinen wieder in ihren stillen Aufenthaltsort zurückgebracht.

Auch Pfarrer Sommershof sprach Fragen aus, die sich vielleicht mancher gestellt hat: „Wofür der ganze Aufwand mit der Gruft? Hat es sich eigentlich gelohnt, dass wir als Gemeinde soviel Geld in die alten Kisten gesteckt haben? Wäre Eingraben nicht besser gewesen? Die Antwort steht auf dem ältesten Sarg, der wahrscheinlich dem 1697 gestorbenen Hans Friedrich von Graevenitz gehört. Da heißt es: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben und werde meinem Fleisch Gott sehen.“

Überraschungsfund während der Sanierung

Der Restaurator Björn Scheewe zeigt die neueste Entdeckung an der Wand hinter dem Altar: „Hier gibt es frühmittelalterliche Wandmalereien!“
Quelle: Kerstin Beck

Man kann dazu sagen: Passender zu Ostern geht’ s nicht. Und so gab es nach dem Gottesdienst – und das war mit Sicherheit im Sinne aller Bestatteten von Graevenitz – in der Kirche selbst eine fröhliche Kaffeetafel für alle Gäste.

Zuvor konnte noch die Gruft besichtigt werden und es gab eine Ehrung für die vielen engagierten Helfer – allen voran das Ehepaar Hiltraud und Herbert Pachura aus Schilde, „ohne die das hier alles überhaupt nicht möglich gewesen wäre“, sagte der Pfarrer.

Und zuletzt verkündete der Geistliche noch eine Überraschung: „Mit dem einen Projekt sind wir fertig, und nun wird es wohl im Inneren der Kirche weitergehen!“

Denn: Schön geweißt sollte innen alles zur Wiederinbetriebnahme sein, doch meistens kommt es ja anders als geplant: Bei den Arbeiten dazu kamen Wandmalereien aus dem frühen Mittelalter zum Vorschein – Malereien, die mit ihrer besonderen kunstgeschichtlichen Bedeutung unbedingt restauriert und erhalten werden müssen.

Von Kerstin Beck

Märkische Allgemeine vom 18. April 2017

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