Sanierung des Gotteshauses in Schilde

Kirche gibt einmaligen Schatz preis

Hinter der weißen Wandfarbe des Schilder Gotteshauses verbarg sich bisher eine echte malerische Rarität

Retsurator Björn Schewe (r.) und Pfarrer Sacha Sommershof freuen sich über den seltenen Fund in der Schilder Kirche.
Foto: Reik Anton
 
Kein Platz in der frisch sanierten Dorfkirche ist gestern beim Einweihungsgottesdienst freigeblieben.
Fotos: Reik Anton

Eigentlich sollten es die letzten Arbeiten im Innenraum der Schilder Kirche sein. Doch was sich Restaurator Björn Scheewe vor etwas mehr als einer Woche offenbarte, als er die Wände reinigte, war ein wahrer Schatz. „Es kamen Überreste von Malereien zum Vorschein. Damit habe ich natürlich nicht gerechnet“, so der 52-jährige Lenzener, der das Sanierungsprojekt in Schilde von Beginn an begleitet.

Mit einem Schwamm tupfte er an dem Tag die alte weiße Farbe von den angefeuchteten Wänden. Zuerst an der Nordwand, wo auch gleich das erste Motiv zutage trat. Dann ging es immer weiter, hinter dem barocken Altar entlang bis an die Südwand, wo wohl ein Johannes der Täufer verewigt worden ist. Es scheint, als seien die zwölf Apostel dargestellt. „Die Malereien stammen aus der Bauzeit der Kirche, also aus der Mitte des 13. Jahrhunderts“, so viel kann Gordon Thalmann vom kreislichen Denkmalschutz schon sagen. Es sei überraschend, dass diese Malereien nun entdeckt wurden. „Wir hatten zwar Erkenntnisse, dass es noch solche Überreste geben könnte, aber dass sie in diesem Umfang vorhanden sind, ist etwas Einmaliges in Brandenburg. Das hat eine herausragende Qualität“, so Thalmann, der überzeugt ist, dass sich auch zahlreiche Fachmedien für diese Entdeckung interessieren werden.

In den nächsten Wochen geht es daran, die Malereien weiter vorsichtig freizulegen. „Wir werden versuchen, Gelder dafür zu akquirieren, zum Beispiel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, so Gordon Thalmann. Die Farben der Wandbilder sind teils noch kräftig. Dass sie die Jahrhunderte überdauert haben, liegt an der Technik, mit der sie aufgebracht wurden. „Man hat damals die Farbe in den noch feuchten Putz eingebracht. Als der dann trocknete, hat er sich quasi mit der Farbe verbunden“, schildert Restaurator Björn Scheewe. Die Experten vermuten, dass die Wandbilder während der Renaissance (15./16. Jhr.) überdeckt worden sind. Als erstes offizielles Publikum konnten sich die Besucher des Einweihungsgottesdienstes am Ostermontag die Malereien ansehen. Pfarrer Sacha Sommershof ließ die Zeit der Sanierung der Feldsteinkirche noch einmal Revue passieren. Er dankte all denen, die die Sanierung mit begleitet, durchgeführt und finanziert haben. „Der Ausgangspunkt der ganzen Sanierungsmaßnahme war ursprünglich der baufällige Zustand der Gruft“, so Sommershof gegenüber dem „Prignitzer“. Schnell war klar, dass auch die Fassade saniert werden muss. Sommershof dankt Andreas Draeger, der als Berater des Bauausschusses des Kirchenkreises mit dafür sorgte, dass die Maßnahme in die Finanzierung durch den Staats-Kirchen-Vertrag aufgenommen wurde, über den 100 000 Euro flossen. „Während der Arbeiten wurde deutlich, dass der Aufwand, vor allem bei der Sanierung des Turmes, viel größer sein würde, so dass der Finanzierungsplan aufgestockt werden musste.“ Dies gelang vor allem, weil der Evangelische Kirchenkreis Prignitz und die Kirchengemeinde bzw. die Kassengemeinschaft der Kirchengemeinden Cumlosen, Wentdorf, Bentwisch und Schilde ihre jeweiligen Anteile aufstockten. „Gelingen konnte die Sanierung aber auch nur durch die Zusagen der anderen Geldgeber, die Evangelische Landeskirche, der Förderkreis Alte Kirchen Brandenburg sowie die Stiftung KiBa, der Landkreis Prignitz und die Gemeinde Weisen. Die Sanierungskosten liegen bei etwa 320 000 Euro.

Ein besonderer Aspekt im Zuge der Hüllensanierung war die Sanierung des Gruftinhaltes, der nicht zur Baumaßnahme an sich gehörte, aber nicht außen vor bleiben konnte. „Die Familie von Graevenitz hat sich mit ihrem Interesse und auch finanziell engagiert, genauso wie die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis“, so Sommershof. Der Gottesdienst gestern, den auch Andreas Stroebl von der Forschungsstelle Gruft in Lübeck mitgestaltete und zu dem Mitglieder der Familie von Graevenitz gekommen waren, endete an der Gruft.

Der Prignitzer vom 17. April 2017

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