Dorfkirche Klein Kreutz

Bilderkrieg mit dem Denkmalamt

Seit Jahren bemüht sich der Gemeindekirchenrat in Klein Kreutz darum, die kleinen Schätze der Gemeinde und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Die Denkmalbehörde entspricht wieder allen Vorurteilen: Statt zu beraten und zu helfen, blockiert sie das ehrenamtliche Engagement.

Die Bilder-Bewahrer: Erwin Nowakowski, Christina Behrendt, Irene Ahrens-Cornely, Norbert Vogel, Lutz Thürmer und Hans-Christian Fauth (von links).
Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die Kirchengemeinde in Klein Kreutz erwartet an diesem Ostersonntag eine Überraschung: Erstmals werden die alten Emporenbilder der Vorgängerkirche wieder öffentlich präsentiert. Auf den 16 Bildern sind Propheten, Evangelisten und Apostel zu sehen – in ganz einfacher, doch bildhafter und verständlicher Malerei. „Viele Menschen konnten damals nicht lesen, das waren christliche Comics zum besseren Verständnis“, sagt Pfarrerin Irene Ahrens-Cornely, welche die Vakanzvertretung am Dom ausübt – Klein Kreutz und Saaringen gehören zur Domgemeinde.

Aufgearbeitet und planerisch in einen neuen Rahmen eingepasst hat der Gemälderestaurator Lutz Thürmer. Er entwarf einen Rahmen, der an eine neuartige Empore erinnert, der die Holzsichtigkeit des Untergrundes verdeckt, weil die Bilder damals direkt in die fertige alte Empore gemalt wurden. „Ich wollte einen Entwurf, der zudem die Elemente einer neugotischen Kirche aus dem späteren 19. Jahrhundert mit den Malereien aus dem 17. Jahrhundert verbindet“. Die erste Kirche stand 1463 im Ort, wurde erst 1868 durch den neogotischen Bau ersetzt. „Die Vorgängerkirche war niedriger und schmaler“, sagt Thürmer, dessen zweites Standbein die Bauforschung ist. Domstiftsarchivar Uwe Czubatynski brachte die Bilder in eine logische Reihenfolge, so dass Tischlermeister Norbert Vogel den Rahmen bauen konnte, der an der Nordwand im Kirchenschiff aufgehängt werden soll.

Sein Großvater Karl Vogel hatte zwei der Holzbilder bereits im Jahr 1955 vorsichtig zu restaurieren versucht. Ausgerechnet diese Tatsache und der Umstand, dass der Gemeindekirchenrat in seinem Engagement für die kleine Kirche zu weit vorgeprescht war, sorgte schließlich für Ärger. Von der städtischen Denkmalpflegerin Anja Heinecke kam ein harsches Nein zum Vorhaben des Bilderaufhängens. „Sie hat zu mir wörtlich gesagt, sie wolle keine Hängung ,wie eine Briefmarkensammlung’“, sagt ein enttäuschter Gemeindekirchenratsvorsitzender Hans-Christian Fauth, der sich seit 1984 in der Gemeinde engagiert. Statt zu helfen und konstruktiv zu beraten, ziehe sich die Verwaltung auf „denkmalsrechtliche Versäumnisse“ zurück. Andere Institutionen wie die Kunstgutreferentin der Evangelischen Landeskirche Claudia Rückert und Werner Ziems von der oberen Denkmalbehörde des Landes hätten hingegen Wohlwollen für das Vorhaben signalisiert. In der Stadt wurde zwischenzeitlich reagiert, die Chefin der Denkmalbehörde Katruin Witt und Bürgermeister Steffen Scheller schalteten sich ein, die Kommunikation mit der Gemeinde läuft nun nur noch über Katrin Witt. Im Nachgang sollen nun die denkmalrechtliche Genehmigung sowie die Zustimmung des Kirchlichen Bauamtes eingeholt werden. Bis die Papiere vorliegen und die hölzerne Bildergalerie angebracht werden darf, ruht der riesige Rahmen nun provisorisch auf Böcken – mit Phantasie kann sich der Betrachter vorstellen, wie es am Ende aussehen soll.

Pfarrerin Ahrens-Cornely appelliert an den gesunden Menschenverstand: „Wir sind hier nicht in einem Museum, sondern in einer lebendigen Gemeinde. Künstlerisch und kulturhistorisch haben diese Bilder einen nicht ganz so hohen Wert, sie sind aber für die Gemeinde wertvoll, weil sie zu deren Geschichte gehören.“

In ihrer Predigt am Sonntag geht sie auch auf das Ostergeschenk und das Engagement des Kirchenrats ein, spricht in der Hauptsache aber über den Wert der Lebendigkeit.

Von André Wirsing

Märkische Allgemeine vom 14. April 2017

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