Neue Auflage von "Musikschulen öffnen Kirchen"

POTSDAM Seit 2007 hat die Konzertreihe in Brandenburg für mehr als 170 000 Euro Spenden gesorgt. Dieses Jahr sind 76 Konzerte geplant.

Musikschüler bei einem Konzert in der Ahlsdorfer Kirche.
Foto: dmu1

Sie ist eine kleine architektonische Perle im Landkreis Elbe-Elster: Die Barockkirche von Ahlsdorf, ganz in der Nähe des alten Schlosses gelegen. Am 25. Juni findet hier ein "Sommerkonzert mit Musik zum Reformationsjahr" statt aufgeführt durch Solisten und Ensembles der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" des Landkreises Elbe-Elster. Es ist Teil der Brandenburger Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen", die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum begeht.

Ab dem 22. April laden Musiker und Ensembles aus insgesamt 20 Musikschulen zu 76 Konzerten in Dorf- und Stadtkirchen des Landes ein. Veranstaltet wird die Aktion vom Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) würdigte die Aktion am Montag als ein "sehr beeindruckendes Gemeinschaftsprojekt", das von großem ehrenamtlichen Engagement lebe. Die Aktion biete eine Auftrittsmöglichkeit für jugendliche Künstler. Und bei jedem Konzert wird zugleich für die Sanierung der Kirche gesammelt, in der die Musiker gerade gastieren: In Ahlsdorf etwa bittet man um Spenden für die Installation einer Sitzheizung.

Und wenn am 13. Mai die Bigband "Jazzica" in der Gutskapelle Reuden (Oberspreewald-Lausitz) auftritt, wird für einen barocken Kanzelaltar gesammelt, während das Traditionskonzert am 15. Oktober in der Dorfkirche Schorbus der Sanierung der Kirche dient. Seit der ersten Auflage der Konzertreihe 2007 kamen so mehr als 170 000 Euro an Spenden für bedrohte Kirchengebäude zusammen. Allein 2016 besuchten rund 6500 Menschen die Konzerte.

"Es gibt keine Vorgaben zum Programm", sagt der Geschäftsführer des Verbands der Musik- und Kunstschulen, Winnetou Sosa. Mal finde an einer Dorfkirche ein kleines Konzert mit einer großen ländlichen Kaffeetafel statt, mal sei die Orgel einbezogen, mal eine große Stadtkirche geöffnet. "Genau so verschieden, wie die Orte sind, sind auch die Ensembles." Bei der Aktion gehe es um den Erhalt des kulturellen Erbes in der Fläche und die Stärkung der musischen Infrastruktur in kleinen Orten. Und der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen, Bernd Janowski, sagte, wenn Kirchen auf dem Lande langfristig erhalten werden sollen, müssten sie sich neben den "auf dem Land immer unregelmäßiger stattfindenden Gottesdiensten" auch anderen Zwecken öffnen. Die Spendeneinnahmen eines einzelnen Konzerts würden niemals für eine Dachsanierung oder die Trockenlegung von Fundamenten ausreichen. Aber sie trügen dazu bei, Öffentlichkeit für die bedrohten Gebäude zu schaffen. So komme es immer wieder vor, dass bei den Konzerten Menschen in die Gotteshäuser kämen, "die vorher nie zuvor in diesem Gebäude waren."

Benjamin Lassiwe / iwe1

Lausitzer Rundschau vom 11. April 2017

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