Goldbeck

Junge Leute machen alte Kirche flott

Innendrin glich die Dorfkirche in Goldbeck diese Woche einer Baustelle. Angehende Mauerer aus Eberswalde verputzten die Wände des 300 Jahre alten Gotteshauses und kümmerte sich auch um das Fundament sowie den Fußweg. Seit vielen Jahren kommen Lehrlinge für die Renovierung nach Goldbeck – doch die Zukunft des Projekts ist ab 2018 ungewiss.

Zusammen mit Lehrerin Beate Purr renovierten die Azubis die Seitenwände in der Kirche.
Quelle: Christian Bark
 
Mateusz Zuwkowski pflasterte den Weg vor der Kirche.
Quelle: Christian Bark
 
Die Lehrlinge legten auch das Feldsteinfundament frei, um die Fugen neu zu füllen.
Quelle: Christian Bark

Goldbeck. Mindestens einmal im Jahr wird die kleine Dorfkirche in Goldbeck zur Baustelle. Dann stapeln sich die Pflastersteine vor dem Gotteshaus, stehen Töpfe mit Lehm auf den Sitzbänken, wo sonst Gläubige der Andacht lauschen, und wird überall im und am Gebäude fleißig gewerkelt. So auch in dieser Woche, als wieder sechs angehende Maurer und Hochbauer vom Oberstufenzentrum (OSZ) Barnim II aus Eberswalde sich der Renovierung der Kirche verschrieben haben.

Fleißig verlegt Mateusz Zuwkowski Bodenplatten vor dem Kircheingang. Er zeigt auf bereits verlegte Steine gleich daneben. „Das habe ich im vergangenen Jahr gemacht“, sagt der 21-Jährige. Es sei schön, nach einem Jahr wieder zu sehen, was bereits geschafft wurde. Für den angehenden Mauerer im dritten Lehrjahr ist es eine Herzensangelegenheit, der arg in Mitleidenschaft gezogenen Kirche ihren alten Charme zurückzugeben – und das nicht nur, weil er als Katholik kirchlich erzogen worden sei. „Hier gibt es auch regelmäßige Filmabende und Public Viewing zur Fußballmeisterschaft“, sagt er. Die Kirche sei im Dorf zu einem Anziehungspunkt für die Gemeinschaft, egal ob gläubig oder nicht, geworden. Das sei eine tolle Sache. Deshalb wolle er nach seiner Lehre noch mithelfen, das 300 Jahre alte Fachwerkgebäude zu renovieren.



Projekt soll weitergehen – zumindest bis 2018

2010 übernahm die Bautechniklehrerin Beate Purr die Ausbildungsleitung des Projekts in Goldbeck.
Sechs angehende Maurer und Hochbauer sind in diesem Jahr dabei. Sie übernachten in der DGB-Bildungsstätte in Flecken Zechlin. Viele von ihnen hatten schon 2016 teilgenommen. Die Arbeit wird von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises begleitet.
Mindestens bis 2018, solange es noch die Bauausbildung in Eberswalde gibt, soll das Projekt fortgesetzt werden.


Wie Mateusz hat auch der 24-jährige André Schulz Spaß an der Arbeit. „Letztes Jahr habe ich den Unterputz gemacht“, zeigt er auf die linke Seitenwand der Kirche. In diesem Jahr sei der Feinputz dran. „Damit die Feuchtigkeit vom Lehm nicht ins Gebälk zieht, befestigen wir Stroh um die Balken“, erklärt Bautechniklehrerin Beate Purr. Nur in der einen Woche Arbeitseinsatz könne nicht alles zugleich geschafft werden – Unterputz und Feinputz. Einige Lehrlinge kümmerten sich zudem um den Sockelputz, zudem würden die Fugen des Feldsteinfundaments neu gefüllt.

Beate Purr kümmert sich derweil um die großen Löcher in der Decke des Gebäudes. Ich lerne immer wieder dazu und somit diese kleine Kirche richtig zu lieben“, sagt die Lehrerin. „Die Löcher kommen von der Feuchtigkeit in der Decke“, erklärt Christian Dörendahl. Er ist Mitglied der Kirchgemeinde Dosse-Brausebach und kümmert sich um den Erhalt der Goldbecker Kirche. „Sicher würde es mit einem professionellen Baubetrieb schneller gehen“, sagt er. Aber das Projekt sei für die Azubis ein super Lehrinhalt und an einigen Stellen eine kleine Herausforderung. „Die Jungs sind in der Ausbildung eher auf Neubauten geschult, weniger auf Denkmäler“, erklärt Beate Purr. André Schulz stimmt zu. „Die schon damals uneben verputzten Wände müssen weitgehend so erhalten bleiben“, sagt er. Auf die Unebenheiten müssten sich die Lehrlinge einstellen. Für André Schulz ist klar, er möchte später lieber Neu- statt Altbauten renovieren.

Ob die Lehrlingstruppe vom OSZ bald überhaupt noch nach Goldbeck kommen wird, ist Beate Purr zufolge noch ungewiss. Bis 2018 auf jeden Fall, vielleicht auch nochmal dieses Jahr. Danach solle in Eberswalde keine Bauausbildung mehr stattfinden. „Aber wir finden schon eine Lösung“, gibt sich Purr kämpferisch. Notfalls führe sie das Projekt mit ehemaligen Teilnehmern oder anderen Azubis fort.

Von Christian Bark

Märkische Allgemeine vom 06. April 2017

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