Mittelmark

Lühnsdorfer Kirche erstrahlt in neuem Glanz

Die Sanierung der Kirche in Lühnsdorf (Potsdam-Mittelmark) ist abgeschlossen. Wahrscheinlich war es sogar ihre Rettung, denn der Turm war in großer Einsturzgefahr. Das hat nicht nur die Christen vor Ort in Bewegung gebracht.

Pfarrer Matthias Stephan (r.) und Dorfchef Bernd-Roderich Thiele danken Fritz Moritz (l.) für seinen Engagement
 
So sah die Kirche während der Sanierung aus.
Quelle: Fritz Moritz
 
Gäste schauen sich die zugehörige Ausstellung an.
Quelle: Christiane Sommer

Lühnsdorf. „Die Kirche ist heute so voll, wie ich es noch nie erlebt habe“, stellt Matthias Stephan am Sonntagnachmittag fest. Immerhin: Mehr als zehn Jahre ist er schon als Pfarrer vor Ort.

Mehr als 120 Menschen sitzen dicht gedrängt in den einfachen Holzbänken des Lühnsdorfer Gotteshauses. Es sind Einheimische und Fremde. 118 Jahre nach der vollzogenen Weihe der Kirche im Jahr 1898 steht ihr abermals ein besonderer Festakt bevor. Denn sie ist wohl nicht nur saniert, sondern gerettet worden. Vor dem Hintergrund sagt der Geistliche: „Sie ist heute wieder so schön wie sie damals war.“

Mit diesen Worten nimmt der anberaumte Festgottesdienst seinen Lauf, mit dem die gelungene, exakt 99 708 Euro teure Sanierung des Denkmals gefeiert werden soll. Siegfried-Thomas Wisch nimmt den Platz in der Kanzel ein. Der Superintendent hält die Predigt und zollt den Lühnsdorfern, die sich in den vergangenen Jahren mit Rat und Tat für die Rettung des Bauwerkes so stark gemacht haben, seinen Respekt. Schließlich sind längst nicht alle Kirchenretter auch Christen. Dennoch hätten sie sich in das „Gemeinschaftswerk Kirche“ eingebracht und unmöglich erscheinendes möglich gemacht.

„Allein hätte unsere Kirchengemeinde die Sanierung nicht leisten können“, gesteht Matthias Stephan ein. Immerhin gehören von den aktuell 111 Lühnsdorfer Einwohnen nur knapp 50 der Evangelischen Gemeinde an.

Die von Wisch aufgeworfene Frage, was dennoch alle bewogen habe, sich für den Erhalt des Gotteshauses einzusetzen, bekommt so also besondere Bedeutung. Liegt die Bestimmung einer Kirche doch darin, Gottes Wort in ihr zu verkünden. Fritz Moritz, der – obwohl Nichtchrist – an der Spitze des eigens für die Rettungsaktion gegründeten Förderkreises die Fäden in den Händen hielt, gibt später eine Antwort darauf. Er sagt: „Die Kirche ist für uns in erster Linie ein kulturelles Erbe.

Sie zu erhalten, sah sich die Gemeinschaft den Alten und den Jungen gegenüber verpflichtet. Und das ist keine Floskel für uns.“ Siegfried-Thomas Wisch ermuntert die Lühnsdorfer Kirchenretter, sich auch weiterhin für die Kirche im Dorf einzusetzen. Er sagt, sie sei ein „Erinnerungszeichen von Jesu Wort“ und jeder solle selbst bestimmen, wie er dies werten möge.

Dafür, dass sich der Turm der kleinen Dorfkirche wie ein Fingerzeig Gottes auch in den kommenden 100 Jahren gen Himmel recken kann, danken Gemeindekirchenrat und Förderkreis später den vielen Fördermittelgebern und Unterstützern. Sie erhalten Blumen und Ehrenurkunden. Bis dem Kirchlein ein Geschenk gemacht wird. Glasermeister Jörg Gauruhn aus Bad Belzig hat für das denkmalgeschützte Gemäuer ein kleines rundes Bleiglasfenster angefertigt.

Im 500. Jahr nach der mit dem Thesenanschlag in Wittenberg eingeleiteten Reformation natürlich mit Lutherrose. Über seine Beweggründe sagt der Handwerker: „Weil ich die Kirche schon lange kenne. Unsere Firma hat in den zurückliegenden Jahren bereits die alten Bleiglasfenster aufgearbeitet.“ Da war es seiner Meinung nach schlichtweg an der Zeit für ein Geschenk.

Für Fritz Moritz ist es am Ende des Festgottesdienstes noch einmal eine Herzensangelegenheit, das „Wir“ zu betonen. Er sagt: „Wir sind angetreten, die Kirche zu retten“ und „der Schlüssel zum Erfolg war die Kraft der Gemeinschaft“. Die hat in Lühnsdorf Großes bewegt und die Dorfkirche, weil der Turm abzustürzen drohte, vor einem bitteren Schicksal bewahrt.

Pfarrer Matthias Stephan sagt zu diesem Thema: „Noch einen Sturm wie Kyrill vor zehn Jahren hätte die Turmhaube wohl nicht mehr standgehalten.“

Von Christiane Sommer

Märkische Allgemeine vom 28. März 2017

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