Anja Linckus

Kulturschatz unter Farbschichten

GOSSMAR Die Kirche in Goßmar hatte im Mittelalter eine reichhaltige Ausmalung. Vermutet hatte das die Kirchengemeinde schon länger, jetzt gibt es Gewissheit.

Restaurator Olaf Schwieger zeigte und erläuterte seine Entdeckungen in der Goßmarer Kirche.
Foto: Birgit Keilbach/bkh1

Diplomrestaurator Olaf Schwieger nahm im Herbst 2016 eine Voruntersuchung im gesamten Kirchengebäude vor. Er habe gute Befunde von Malerei entdeckt, die sich auch gut darstellen lasse. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man in einer Dorfkirche solche Malerei findet", sagte der Restaurator. Zu detaillierten Fotos und bei einem Rundgang durch das Gebäude erläuterte er, welche Zeugnisse früherer Generationen unter Farbschichten verborgen sind.

Zahlreiche kleine Rechtecke und Quadrate im Kirchenschiff und der Apsis geben erste Einblicke. Zudem erbrachten die Untersuchungen, dass die Wandmalereien in drei unterschiedlichen Zeitabschnitten entstanden, erläuterte Olaf Schwieger.

Eine bereits freigelegte und restaurierte Malerei an der Südwand auf der Empore zeigt die Heilige Barbara mit dem Turm und die Heilige Katharina mit dem Schwert, datiert auf 1497. Ein ähnlich großes Wandbild vermutet der Restaurator an der Nordwand, denn Hinweise auf figürliche Darstellungen habe er gefunden. "Dies ist ein total unberührter, gut erhaltener Wandbereich. Alle Farbschichten sind noch intakt, keine Wasserschäden erkennbar", erläuterte Schwieger. Etwa in Kopfhöhe über den Bänken verlaufe ein Sockelband mit Ranken und mandelförmigem Besatz, der das freigelegte Wandbild rahme.

An anderer Stelle der Nordwand habe er die Darstellung eines Weihekreuzes gefunden, das aus dem Spätmittelalter stammen könnte.

An der Wand in der Apsis sei eine Geißelungsszene dargestellt, zwischen zwei Nischen, die später zugemauert wurden. Jesus am Kreuz habe er schon freigelegt. Die Malerei sei bedeutsam, aber auch aber sehr fragil, weil sie zwischen der mittelalterlichen und späteren Farbschichten liege. "Es wird sehr aufwendig sein, diese zu restaurieren," so der Restaurator.

Gut erhalten sei die bereits teilweise restaurierte Schrift im oberen Teil der Apsis. "Davon ist noch sehr viel vorhanden und sie hat eine hohe Qualität, denn die verwendeten Materialien waren sehr hochwertig", erläutert er. "Solch ein Schriftfeld mit Gitterwerk ist relativ selten zu sehen", wies er auf die historische Bedeutung hin. Aufgebracht wurde es vermutlich Anfang des 17. Jahrhunderts und reicht vom mittelalterlichen bis zum später eingebauten barocken Fenster. Es könne wohl vollständig freigelegt werden.

Eine sehr kräftige ornamentale Malerei finde sich an der Südwand über der Empore und sie setzt sich vermutlich über die gesamte Wand bis zur Darstellung von Katharina und Barbara fort. Diese stamme aus dem 15. Jahrhundert. Unter der Empore fand sich eine zweite Sockelgestaltung auf weißer Tünche, die Schwieger auf das frühe 16.Jahrhundert datiert.

Olaf Schwieger habe der Kirchengemeinde plastisch vor Augen geführt, "was für einen großen Schatz wir in unserer Kirche haben", resümierte Carola Graßmann. In den kommenden Wochen werde zu entscheiden sein, welche Teile davon vollständig freigelegt und restauriert werden, ergänzte die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.

Zum Thema:

Neben restauratorischen Voruntersuchungen wurden im ersten Bauabschnitt 2016 zur Sanierung der Goßmarer Kirche Reparaturen am Gestühl vorgenommen und Kondenswasserrinnen an den Fenstern angebracht. An den Kosten von 16 000 Euro beteiligten sich laut Carola Graßmann Kirchenkreis, Denkmalbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald, der Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz sowie Einwohner mit Spenden und dem Erlös von Kirchenführungen. Der zweite Bauabschnitt mit der Restaurierung der Wandbilder kostet 95 000 Euro. Fördermittel seien beim Brandenburger Wissenschaftsministerium beantragt. Für den Eigenanteil benötige die Kirchengemeinde weitere Spenden.

Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 20. März 2017

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