Viola Petersson

Neuer Altar für Stülerkirche

Brodowin (MOZ) Aus dem Dachgebälk der Brodowiner Stüler-Kirche war er schon vor einigen Jahren vertrieben worden: der Holzwurm. Letzte Zuflucht hatte er ausgerechnet im Altar des Gotteshauses gefunden. Jetzt wurde der Tisch kurzerhand ausgetauscht.

In der Werkstatt gefertigt: Denny Gerner vor seiner Arbeit. Inzwischen steht der Altartisch in der Kirche.
© Andreas Lorenz

Sein Geschäft sind eigentlich Carports, Terrassenüberdachungen, Dachausbauten. Insofern sei der Nachbau des Altartisches für die Stüler-Kirche Brodowin schon ein besonderer Auftrag gewesen, sagt Zimmerer Denny Gerner. Nein, er sei in dem Gotteshaus nicht getauft worden. Und trotzdem sei die Kirche eben keine alltägliche Baustelle, auch wenn er schon einige Arbeiten dort realisiert hat. Nun also der Altartisch. Sozusagen der letzte Bauabschnitt bei der Sanierung der Kirche und für Gerner "Ehrensache".

Das Gotteshaus war bekanntlich seit 2011 komplett restauriert worden. Vom Mauerwerk über das Gestühl bis hin zu den Außenanlagen. "Ein ,Sorgenkind' war jedoch bis vor wenigen Tagen der Altartisch", erklärt Pfarrer Andreas Lorenz. "Nichts Historisches, sondern eine schlichte Arbeit aus Sperrholz und einer aufgelegten Holzplatte - eingekerbt die Buchstaben A und O", beschreibt Lorenz die Vorgänger-Arbeit des Brodowiner Tischlermeisters Hans Zielkowski aus dem Jahr 1956. Ein Inventarstück, das im Laufe der Jahre jedoch vom Holzwurm zerfressen wurde.

Im Rahmen der Generalsanierung war es in Brodowin gelungen, den Holzwurm aus dem Inneren der Kirche zu verbannen. "Ausgerechnet vom jüngsten und einem nicht originalen Bauteil der Inneneinrichtung ging nun die Gefahr aus, der Holzwurm könnte wieder auf die alten Holzteile übergreifen", so Lorenz. Dies galt es zu verhindern. Deshalb habe die Kirchengemeinde Denny Gerner beauftragt, "den Altar 1:1 aus massivem Eichenholz nachzubauen". Der Besucher werde keinen Unterschied feststellen, sagt Lorenz jetzt, da der neue Tisch gerade aufgestellt wurde. "Im Moment wirkt der neue Tisch etwas heller als der alte", fügt der 40-jährige Gerner hinzu. Denn mit der Zeit dunkle Holz einfach. Ansonsten aber sollte der Nachbau in der Tat seinem Vorgänger bis ins Detail gleichen. Am aufwendigsten waren die Buchstaben, die per Hand und Stechbeitel eingearbeitet wurden, so Gerner, der seit elf Jahren selbständig ist und der zuvor bereits die beiden Eingangstore zum Kirchhof originalgetreu unter Wiederverwendung der alten Metallbeschläge nachgebaut hat.

Der Altar in einer evangelischen Kirche sei zwar kein "heiliger" Tisch, erklärt Pfarrer Lorenz, "aber er ist sehr wohl zentrale Mitte des Chorraumes, würdiger Aufbewahrungsort für Kruzifix, Leuchter, Altarbibel und Abendmahlsgeschirr". Und damit gleichsam "das Herzstück der Kirche". Der neue Altar aus massiver Eiche - und somit nicht wurmgefährdet - habe nun alle Chancen, länger als 60 Jahre an seinem Platz zu stehen.

Der ursprüngliche Altar der Brodowiner Kirche, so vermutet der Pfarrer, könnte eine schlichte "Holzkiste" gewesen sein, von allen Seiten mit Stoff bespannt und einer aufgelegten Samtdecke. Diesen Schluss lege zumindest eine historische Aufnahme nahe. Im Übrigen sei eine derartige Gestaltung für Stüler-Kirchen seinerzeit durchaus üblich gewesen, weiß Andreas Lorenz.

Die Buchstaben im Tisch, das A und O beziehungsweise Alpha und Omega, stehen für den Anfang und das Ende. In der christlichen Lehre gelten sie als Selbstbeschreibung Gottes. Sie leiten sich vom griechischen Alphabet her: Alpha, der erste Buchstabe, Omega, der letzte.

Die heutige Brodowiner Dorfkirche war 1852/53 im neogotischen Stil errichtet worden - nach den Plänen von Stüler.

Märkische Onlinezeitung vom 01. März 2017

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