Daniela Windolff

Altkünkendorf mit bester Aussicht

Altkünkendorf (MOZ) Mit dem Unesco-Weltnaturerbe Grumsin vor der Haustür wollen die Altkünkendorfer hoch hinaus. Seit Jahren verfolgen sie die Idee, den Kirchturm begehbar zu machen. Das wird nun Realität. Das Land Brandenburg stellt für den Umbau aus Lotto-mitteln 181 475 Euro bereit.

Weitblick: Der Altkünkendorfer Kirchturm wird zur Aussichtsplattform, von der man auf den Grumsin schaut.
© Carola Voigt

Das kleine Uckermark-Dorf Altkünkendorf ist ein Ort mit Weitblick. Und das im doppelten Sinne: Noch in diesem Jahr werden Besucher vom Kirchturm den atemberaubenden Ausblick auf Brandenburgs schönsten Buchenwald und einziges Unesco-Weltnaturerbe, den Grumsin, genießen können. Der Turm, der bisher nur auf eigene Gefahr über eine wackelige, enge Stiege erklommen werden kann, wird noch 2017 zum Aussichtsturm ausgebaut. Die Treppe wird sicher gemacht, die Fensterluken geöffnet, die Turmplattform besucherfreundlich ausgebaut.

Für Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bewer ist damit ein weiterer Mosaikstein seiner Vision eines touristisch-kulturellen Ensembles und eines Umwelt-Bildungszentrums Altkünkendorf am Weltnaturerbe gesetzt.

"Die Kirche hat im Ensemble mit dem Infopunkt und dem Landschulheim eine besondere Bedeutung. Immer wieder haben Besucher gefragt, ob sie die Kirche besichtigen und auf den Turm klettern können", erzählt Hans-Jürgen Bewer, der schon seit der Ernennung des Grumsin zum Weltnaturerbe die Idee hatte, den vorhandenen Turm als Aussichtsplattform auf den Grumsin zu nutzen. Seine Hartnäckigkeit zeigt schließlich Erfolg.

Mit der Kirche und der Stadt im Boot, die 2013 eine Vereinbarung abgeschlossen hatten, dass die Bauherrenschaft auf die Stadt übertragen wird, ging es los. Bewer überzeugte die Biosphäre von den Altkünkendorfer Plänen und ging im Ministerium in Potsdam Klinken putzen. Mit Christian Radloff von der Angermünder Stadtverwaltung hat der Altkünkendorfer einen kompetenten Partner der Verwaltung an der Seite, der das Projekt von Anfang an unterstützt.

Die Angermünder Architektin Bettina Krassuski, die schon die komplette Sanierung der einst wegen Baufälligkeit gesperrten Kirche plante und begleitete, fertigte für den Turmausbau unentgeltlich ein Konzept und eine Kostenschätzung an und zog dafür auch einen Statiker hinzu. Rund 180 000 Euro Gesamtkosten wurden geschätzt.

Am vergangenen Freitag stellte Umweltminister Jörg Vogelsänger 181 475 Euro aus der Konzessionsabgabe Lotto für den Turmausbau in Altkünkendorf bereit, eine vergleichsweise sehr hohe Summe für ein einzelnes Projekt. "Ein schon bestehendes Bauwerk auszubauen erleichtert es, die besonderen Anforderungen des Natur- und Landschaftsschutzes im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu erfüllen. Der Ausbau des Kirchturms verbindet mustergültig Nachnutzung und Nachhaltigkeit", unterstrich Minister Vogelsänger.

Für die Initiatoren um Ortsvorsteher Bewer, der seit 2001 auch Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Altkünkendorf ist, ist das ein kleiner Triumph. "Das motiviert alle ehrenamtlichen Mitstreiter und Helfer und ist ein Zeichen, dass sich endlich auch das Land aktiv beteiligt. Brandenburgs einziges Weltnaturerbe müsste einen Titel im Landeshaushalt erhalten. Das ist schließlich nicht irgendwas", betont der Ortsvorsteher, der schon großen Anteil daran trägt, dass Altkünkendorf als Tor zum Grumsin den Infostützpunkt bekam, der im Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet wurde und den der Kultur- und Heimatverein ehrenamtlich betreibt. Der wird künftig durch den Aussichtsturm in der unmittelbar benachbarten Kirche touristisch aufgewertet.

Im vergangenen Jahr kamen 6000 Besucher in den Infopunkt, der eine Ausstellung zur Flora und Fauna sowie zur Bedeutung des Unesco-Weltnaturerbes Buchenwald Grumsin beherbergt und Wanderer mit Informationen, Kartenmaterial, Erfrischungen sowie Imbiss versorgt.

Für Hans-Jürgen Bewer ist das jedoch noch nicht das Ende der Visionen. Er möchte die Kirche mit dem Infostützpunkt und dem Landschulheim nebenan zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum und zu einer Umweltbildungsstätte für Schulen profilieren, die den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung in den Mittelpunkt rückt, den er auch als Atheist mitträgt. Ausstellungen, Seminare, Workshops, Exkursionen und Kunst würden das Mosaik komplett machen und den Erhalt der Kirche sowie die Betreuung des Infopunktes langfristig sichern. Ausschließlich mit freiwilligem Ehrenamt sei das über Jahre hinweg nicht zu halten, betont Bewer.

Märkische Onlinezeitung vom 01. März 2017

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