Schulzendorf

Epitaph nach 37 Jahren zurück

Der Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers Schulzendorf präsentiert am Sonntag das aufwendig sanierte Epitaph des Arendt Friedrich von Pfuel. Nach 37 Jahren erstrahlt er in neuem Glanz und kehrt an seinen alten Platz zurück.

Das restaurierte Epitaph kehrt in die Schulzendorfer Patronatskirche zurück.
Quelle: Uta Schmidt

Schulzendorf. Nach 37 Jahren Abwesenheit kehrte ein einzigartiges Kunstwerk schön wie nie an seinen angestammten Platz in die Schulzendorfer Patronatskirche zurück: das Epitaph des Arendt Friedrich von Pfuel. Für Sonntagnachmittag lädt der Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers Schulzendorf e.V. in die Kulturstätte der Gemeinde ein, um die aufwendig restaurierte Erinnerungstafel für den kurfürstlichen Kapitänleutnant, dem einstigen Besitzer Schulzendorfs, aus dem Jahre 1673 der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dann wird das aus Lindenholz geschnitzte Epitaph wieder an der Nordwand der Kirche und gegenüber der schon vor Jahren restaurierten Wappentafeln aus dem Jahre 1694 zu finden sein.

Über die Geschichte, die Odyssee des Werkes in den vergangenen Jahrzehnten sowie über Restaurierungsarbeiten und die Rettung der opulenten Tafel durch Spenden und Unterstützer wollen ab 16 Uhr Restauratorin Annett Xenia Schulz und Vereinsmitglied Heidi Burmeister informieren.

Restaurierung war kompliziert

„Das Komplizierte bei der Restaurierung war, dass uns lediglich eine Schwarzweiß-Fotografie aus dem Buch ‚Kunstdenkmale der Provinz Mark Brandenburg‘ aus dem Jahre 1941 als Vorlage zur Verfügung stand“, sagt Burmeister. Glücklicherweise sei die Gedenktafel für „Friedrich v. Pfuel mit geschnitzten Trophäen und Wappen mit älterer Bemalung“ in der Auflistung der Kunstdenkmäler des Teltows erwähnt und das Foto als einzige überlieferte Abbildung angegeben gewesen. Wichtige Anhaltspunkte bei der Restaurierung hätten zudem Epitaphe der Familie Pfuel in Gotteshäusern des sogenannten „Phulen-Land“ im Osten Brandenburgs geboten, so Burmeister.

Mit seiner intensiven Farbgestaltung und den zahlreichen Details, die auf das militärische „Handwerk“ des Kapitänleutnants von Pfuel (1605-1673) verweisen, zieht das Epitaph die Blicke der Besucher auf sich. Deutlich zu erkennen sind Rüstungen, Kanonenrohre, Trommel, Fahnen und Kanonenkugeln, Wappen und vieles mehr. Im Testament aus dem Jahre 1673 hatten Pfuel und seine Gattin Catharina Sophia von Britzke verfügt, dass ihre Leiber in der Kirche zu Schulzendorf beerdigt werden sollen. „Das Epitaph ist eine kunsthistorisch seltene Barockarbeit“, so Burmeister.

Epitaph wurde 1980 ausgelagert

Beim Neubau der Patronatskirche in den Jahren 1865/66 hatte bereits der königliche Baumeister Schindler empfohlen, dass das Epitaph zu reinigen, in der Färbung zu restaurieren und in der neuen Kirche wieder am Altarplatze anzubringen sei. Dort hing es dann mehr als 100 Jahre als einziges Teil der aus der Vorgängerkirche übernommenen Altertümer, das allerdings noch nicht restauriert war. Im Jahr 1980 wurde die Auslagerung verfügt, weil die Kirche als Baustofflager genutzt werden sollte. Es gelangte in das unbewohnte Waltersdorfer Pfarrhaus, das vor einem Jahr abgerissen wurde.

Um das Kunstwerk zu retten, stand der Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers Schulzendorf nun vor der Aufgabe, mehr als 14 000 Euro für Restaurierungskosten aufzubringen. „Aber zu diesem Zeitpunkt waren die bereits eingeworbenen Mittel fast vollständig für die Restaurierung der Leimfarbenausmalung ausgegeben worden“, erinnert sich Burmeister. Hilfe wurde daher zunächst bei Stiftungen gesucht, ohne Erfolg. Anlässlich des 150. Jubiläums der Kirchweihe konnte das älteste Ausstattungsstück letztlich durch eine Förderung der Unteren Denkmalbehörde, die 7700 Euro bereitstellte, sowie dank der großen Unterstützung von Besuchern der Schulzendorfer Patronatskirche restauriert werden.

Der Vortrag am Sonntag von Annett Xenia Schulz, die auch schon Kanzel, Taufbecken, Taufengel und Wappentafel für das Gotteshaus restauriert hat, über die komplizierte Wiederherstellung der Erinnerungstafel wird am Sonntag durch die Fotoausstellung „Dorfkirchen in Berlin und Brandenburg“ von Norbert Trebeß ergänzt. Sie zeigt Bilder der Kirchen aus dem „Phulen-Land“.

Von Uta Schmidt

Märkische Allgemeine vom 10. Februar 2017

   Zur Artikelübersicht