Rathenow

Wiederaufbau der Andreas-Kirche wird teuer

Für die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow ist eine Innenraumkonzeption erstellt worden, in der nach Abstimmung mit dem Denkmalschutz festgelegt worden ist, wie die Kirche in weiteren Abschnitten saniert oder umgestaltet werden soll. Das Konzept hat 25.000 Euro gekostet und ist die Voraussetzung dafür, dass weitere Baumaßnahmen stattfinden können.

Das Konzept ist fertig. Rein rechtlich ist nun der Weg für alle weiteren Arbeiten in der Kirche ist frei.
Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Den Verantwortlichen der Gemeinde ist eine ganze Wagenladung Steine von den Herzen gefallen: Jetzt gibt es für die Fortsetzung des Wiederaufbaus der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow keine wesentlichen rechtlichen Hürden mehr. Die vom Denkmalschutz geforderte Innenraumkonzeption für die Kirche ist fertig. Alle weiteren Maßnahmen zur Sanierung oder Umgestaltung im Inneren sind darin beschrieben.

Das ist die baurechtliche Grundlage dafür, dass es mit dem Wiederaufbau der Kirche weitergehen kann. Die Innenraumkonzeption, verfasst vom Büro Dr. Krekeler & Partner Architekten in Brandenburg/Havel, ist ein dickes Dokument. Das Vorwort hat kein Geringerer als Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geschrieben. Er sei sicher, teilt er mit, dass die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in einigen Jahren wieder sein werde, was sie einmal war: ein städtebauliches Juwel der Stadt Rathenow und ein Wahrzeichen des Havellandes.

Was jetzt so wundervoll klingt, hat einen knallharten Hintergrund. „Der Denkmalschutz hat seit 2010 nichts mehr zugelassen“, sagt Heinz-Walter Knackmuß, Vorsitzender des Förderkreises der Kirche. Die Landes- und die Kreisdenkmalschutzbehörde hätten als Vorleistung für weitere Baugenehmigungen eine Innenraumkonzeption verlangt.

Um diese erstellen zu können, habe es mehrere Beratungsrunden mit Vertretern von Kirchengemeinde, Konsistorium der Landeskirche, Förderkreis, Denkmalschutz und Architektenbüro gegeben. Die Gespräche seien alles andere als einfach gewesen, aber am Ende habe der Denkmalschutz zugestimmt. Als Ausdruck des großen Aufwandes kann dienen, dass die Konzeption stattliche 25 000 Euro gekostet hat. Der Förderkreis hat sie bezahlt.

Innenraum soll zu einem Haus zusammen geführt werden

Pfarrer Andreas Buchholz hat erklärt, welche die wichtigsten Bauvorhaben sind. „Wir wollen den ganzen Innenraum wieder zu einem Haus zusammenführen“, teilt er mit. Der Chorraum solle wieder eingebunden werden. Dessen Fußboden, der gegenwärtig 65 Zentimeter tiefer als der Kirchenboden liegt, soll entsprechend angehoben werden, damit der Zugang ebenerdig wird. Dann wird der Altar, der gegenwärtig noch im Hauptschiff steht, wieder in den Chorraum versetzt. Nicht zuletzt sollen in den Chorraum, wie es früher einmal war, sechs Säulen neu eingebaut und die drei Kreuzgewölbe wieder darauf errichtet werden.

Die Emporen, die es früher einmal gab, sollen nur zu einem Teil wieder eingebaut werden. Vor dem Brand der Kirche 1945 reichten sie bis in den Chorraum hinein, so weit sollen sie künftig nicht mehr gehen. Sie bleiben auf die Seiten beschränkt. Zu den gegenwärtig rund 500 Sitzplätzen im Innern der Kirche sollen die Emporen, wenn sie denn wieder eingebaut sind, künftig weitere rund 250 Plätze beisteuern. Somit würde die Kirche 750 Sitzplätze bieten und dann der weitaus größte Veranstaltungsort der Umgebung sein.

Es sei darauf hingewiesen, dass sie laut Konzeption weiterhin nicht nur für kirchliche Dinge, sondern auch für weltliche Veranstaltungen – vor allem Konzerte – offen stehen soll. Bislang ist vorgesehen, dass die in den fünfziger Jahren eingebaute Orgelempore erhalten bleiben soll. Weil aber noch nicht erschöpfend geklärt ist, ob sie denn eine neue Orgel tragen würde, steht hinter ihrem Erhalt noch ein kleines Fragezeichen.



Erste Abschnitte: Turm, Dach und Kreuzgewölbe

Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist 1996 gegründet worden.
Erster großer Abschnitt des Wiederaufbaus war der Turm mit Spitze von 1999 bis 2001.
Als zweiter großer Abschnitt folgten 2009 und 2010 das Dach und die Kreuzgewölbe des Hauptschiffes.
Nach einem Granatentreffer im April 1945 war die Kirche ausgebrannt.
Der Chorraum war 1993 bis 1995 äußerlich wieder hergestellt worden.
Schatzmeister des Förderkreises ist Wolfgang Krüger.
Spenden können gezahlt werden auf Konto DE07 1609 1994 0001 0701 00.


Bestandteil der Innenraumkonzeption ist auch eine Schätzung der Kosten, die durch die angepeilten Maßnahmen anfallen würden. Demnach würde der Chorraum mit rund 1,4 Millionen Euro zu Buche schlagen und das Emporenprojekt 1,5 Millionen Euro erfordern. Alles in allem wird derzeit von 4,5 Millionen Gesamtsumme ausgegangen. „Diese Summen können Gemeinde und Förderkreis allein natürlich nicht aufbringen“, stellt Heinz-Walter Knackmuß fest. Deshalb seien Spenden wie bisher jederzeit sehr gern gesehen und werde es trotzdem ohne finanzielle Unterstützung durch öffentliche Gelder nicht funktionieren.

Motiviert durch die Konzeption, hat Heinz-Walter Knackmuß bereits Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Landeskulturministerin Martina Münch und Landeswirtschaftsminister Albrecht Gerber (beide SPD) sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz angeschrieben und um Unterstützung gebeten. „Wir wissen, was wollen“, erklärt der Förderkreisvorsitzende, „je nachdem, für welches Teilvorhaben wir nun Geld bekommen, werden wir wieder weiter bauen.“

Von Bernd Geske

Märkische Allgemeine vom 08. Februar 2017

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