Förderverein für Havelsee

In kleinen Schritten Kirchenbauten erhalten

Pritzerbe, Fohrde, Hohenferchesar und Marzahne – vier Ortsteile mit ganz unterschiedlichen Kirchen, die eines gemeinsam haben: an ihnen nagt der Zahn der Zeit. Ein vor zwei Jahren für Havelsee gegründeter Förderverein bringt sich jetzt in erste kleinere Sanierungsmaßnahmen ein. Dabei geht es nicht nur um die Gotteshäuser.

Diese Säule steht wieder an ihrem angestammten Platz: Jan van Lessen in der Fohrder Winterkirche, die gerade saniert wird.
Quelle: Frank Bürstenbinder
 
Kirche in Hohenferchesar.
Quelle: Frank Bürstenbinder
 
Kirche in Marzahne.
Quelle: Frank Bürstenbinder

Havelsee. In den 1970er-Jahren muss jemand in der Fohrder Kirchengemeinde einigen Mut besessen haben. Eine hölzerne Säule, die in der abgetrennten Winterkirche die Last der Empore aufnimmt, wurde kurzerhand entfernt. „Vielleicht war sie einfach nur im Weg“, mutmaßt Jan van Lessen. Der Tieckower steht dem vor zwei Jahren gegründeten Förderverein vor, der sich den Erhalt der kirchlichen Gebäude in allen Ortsteilen der Stadt Havelsee zur Aufgabe gemacht hat.



Größte Kirche in Pritzerbe

Kirchturm der Pritzerber Stadtkirche.
Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Kirchengemeinde Havelsee umfasst zwar fünf Ortsteile, doch die 1888/89 im neogotischen Stil errichtete Kirche in Briest befindet sich seit über zehn Jahren in Privatbesitz von Juliane Beer. Deshalb konzentriert sich die Arbeit des Fördervereins auf die Bauten in Pritzerbe, Fohrde, Hohenferchesar und Marzahne.
Größte Kirche in Havelsee ist die Pritzerber Stadtkirche St. Marien „Unser lieben Frauen“. Sie wurde 1783 geweiht. Der Putzbau enthält vermutlich Reste des mittelalterlichen Gotteshauses. Es gab mehrfach Renovierungen. Spektakulär war die Rettung der maroden Kirchturmspitze 1984/85. Nach der Wende war das Dach an der Reihe.
Wichtiger Standort für die Kirchengemeinde ist Hohenferchesar mit dem 1830 erbauten Pfarrhaus. Das denkmalgeschützte Ensemble wird als Winterkirche und Gemeinderaum genutzt. Die Gästewohnung kan von kirchlichen Gruppen und Privatpersonen genutzt werden. In der Scheune befindet sich der alte Brotbackofen.


Die derzeit laufende Sanierung der Winterkirche im Fohrder Gotteshaus gehört zu den ersten praktischen Maßnahmen in die sich der Förderverein finanziell einbringt. Die Säule ist inzwischen wieder an ihrem alten Platz, das Mauerwerk unter den Fenstern wurde neu verputzt. „Es folgt ein neuer hölzerner Bodenaufbau. Auch die Decke ist ein Fall für die Handwerker“, berichtet Fördervereinsvorsitzender van Lessen. Mit 4 000 Euro unterstützt der Verein die von der Evangelischen Kirchengemeinde in Auftrag gegebenen Arbeiten.

Mitgliedsbeiträge und Spenden sind die wichtigsten Einnahmequellen der 25 Männer und Frauen, die sich dem Förderverein inzwischen angeschlossen haben. Auch die Einnahmen aus Lesungen und Konzerten kommen den Kirchenbauten in Havelsee zugute. Eine besondere Herausforderung für die Förderer ist die Tatsache, dass sie es in vier Ortsteilen mit ganz unterschiedlichen Kirchen zu tun haben. An allen nagt der Zahn der Zeit. „Eindringende Nässe und Holzschäden bereiten uns die größten Sorgen“, berichtete Pfarrerin Diana Bernitt-Pscherwankowski bereits bei der Vereinsgründung. In anderen Gemeinden konzentriert sich ein Förderverein auf ein Bauwerk vor der Haustür.

„Wir werden deshalb weiter in kleinen Schritten unseren Beitrag leisten, um die Substanz unserer kirchlichen Bauwerke zu erhalten“, so Vereinsvorsitzender van Lessen. Dazu gehört auch die bevorstehende Demontage von Elektroinstallationen am Spieltisch der Fohrder Remler-Orgel. Aufputzschalter und eine Kellerlampe aus DDR-Zeiten passen einfach nicht an ein 160 Jahre altes Instrument. Ansonsten bescheinigte Orgelbaumeister Jörg Stegmüller aus Michendorf der Fohrder Orgel bei einer kürzlich stattgefundenen Visite einen soliden Zustand.

Zu den kirchlichen Bauten in Havelsee gehören nicht nur die vier Gotteshäuser. Dazu zählt zum Beispiel auch das denkmalgeschützte Pfarrhaus in Hohenferchesar, das heute als Gästehaus der Kirchengemeinde dient. Auf dem Hof steht eine Scheune mit einem alten Brotbackofen. Zusammen mit der Kirchengemeinde wird der Förderverein den Backofen restaurieren und wieder funktionstüchtig machen. Ein Förderantrag des Vereins aus dem LEADER-Topf für kleinteilige lokale Initiativen ist bewilligt. „Mitte März beginnen die mit der Denkmalbehörde abgestimmten Arbeiten. Am 8. Juli soll das Anbacken stattfinden“, kündigte Fördervereinschef van Lessen an.

Für die nächsten Jahre stehen weitere Maßnahmen von ganz anderer Größenordnung für die Kirchengemeinde an. Die Pritzerber Kirche braucht eine Hüllensanierung, in Hohenferchesar macht das Gebälk des Kirchturms Probleme. Mitglied im Verein kann jeder werden, dem das Wohl und Wehe der heimischen Kirchenbauten am Herzen liegt. Neben dem öffentlichen Anbacken im Sommer in Hohenferchesar gibt es am 9.September eine Lesung mit Konrad Weiß aus seiner Kreyssig-Biografie.

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine vom 06. Februar 2017

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