Rohrbeck

Kirche im Schweden-Look

Die letzten Pinselstriche auf dem Weg zur sanierten Dorfkirche werden derzeit in Rohrbeck gemacht. Nach der Sanierung der Außenhülle des geschichtsträchtigen Gotteshauses bekommt nun der Innenraum einen komplett neuen Look. Helle, pastellige Farben verhelfen der Dorfkirche zu neuem Glanz ganz nach schwedischem Vorbild.

Michael Kuhn von der Potsdamer Firma Boehlke hat viel Erfahrung mit Kirchsanierungen.
Quelle: Laura Sander

Rohrbeck. Die Heizlüfter laufen auf Hochtouren und auch die Heizung unter den Kirchenbänken ist voll aufgedreht. In der Rohrbecker Dorfkirche ist es angenehm warm, obwohl weder ein Gottesdienst noch ein Konzert ansteht. „Die Temperatur darf nicht unter fünf Grad sinken, sonst besteht Frostgefahr und Bestandteile der Farbe gehen uns kaputt“, erklärt Michael Kuhn von der Malerfirma Boehlke aus Potsdam. Gemeinsam mit einem Kollegen ist er derzeit mit der Wandsanierung und Farbgestaltung der geschichtsträchtigen Dorfkirche des kleinen Dallgower Ortsteils beschäftigt. Erfahrung haben die Männer unter anderem in alten Potsdamer Stadtvillen, im Schloss Cecilienhof oder im Krongut Bornstedt gesammelt.

Innensanierung und Farbgestaltung

Von außen strahlt die Dorfkirche schon.
Quelle: Tanja M. Marotzke

Der lose Putz wird abgeklopft, die entstandenen Stellen werden ausgebessert. Alte Farbreste müssen abgewaschen werden, bevor es mit der Neugestaltung der Wände, der hölzernen Deckenwanne, der Empore und der Bänke losgehen kann. Altar, Kanzel, Taufengel und Kronleuchter wurden abgehangen, meterhoch ragen die Gerüste bis unter die Decke der Kirche.

„Nach der Sanierung der Außenhülle folgt nun die Innensanierung und Farbgestaltung. Zwei Vorschläge haben wir zuvor eingeholt, das Konzept einer Malerin aus Schleswig-Holstein hat uns schließlich überzeugt“, sagt Elisabeth Fleisch, die Vorsitzende des Förderkreises Kirchensanierung. Schwedisch anmutend in hellen, pastelligen Farben soll der Innenraum der Dorfkirche nach den Arbeiten erstrahlen. „Wir haben uns für viel Weiß entschieden. Sogar die bislang senfgelbe Decke aus Holz soll sich so nach oben öffnen – die Kirche wird viel höher wirken“, so Elisabeth Fleisch begeistert. Weiß, helles Blau und Grau dominieren das eigens für die Rohrbecker Kirche entwickelte Farbkonzept. „Die Bänke bleiben eigentlich farblich gleich, werden allerdings komplett neu lackiert. Die Orgel fügt sich ebenfalls perfekt in das neue Konzept ein“, sagt die Vorsitzende.

Taufengel und Kronleuchter

Darüber hinaus soll es eine neue Aufhängung für den rund zwölf Kilo schweren und 2010 sanierten Taufengel geben. „Es ist sehr umständlich, den Engel für eine Taufe herunterzuhängen. Einzelne Metallteile werden ineinandergehakt und die Aufhängung so verlängert“, so Fleisch, die bereits das ein oder andere Mal selbst auf der wackligen Leiter gestanden hat. In den 1950er-Jahren sei der kostbare Taufengel, der eine 320 Jahre alte Messingtaufschale in den Händen hält, so bereits einmal abgestürzt. Dabei brach er sich gleich mehrere Finger ab, die er während der Restaurierung vor rund sieben Jahren zurückerhielt. „Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem schönen Kronleuchter von 1905. Jedes Mal, wenn wir die Kerzen austauschen oder auch nur anzünden wollen, müssen wir ihn umständlich herunterholen.“ Eine Drahtseilaufhängung mit Gegengewichten soll die erhoffte Erleichterung bringen.

40.000 Euro Kosten

Noch bis weit in den Frühling hinein sollen die Arbeiten, die insgesamt rund 40 000 Euro kosten und aus Spendengeldern sowie Fördermitteln bezahlt werden, andauern. In der Zeit finden weder Gottesdienste noch andere Veranstaltungen in der Kirche statt. „Das erste Konzert wird es wieder am 30. April geben – dann erstmals im neuen Look. Unser traditionelles Kaffeekonzert mit anschließendem Kaffee und Kuchen auf dem Kirchhof und tanzbarer Musik findet im Rahmen der 95 Hammerschläge zum Reformationsjubiläum im Havelland statt“, blickt Elisabeth Fleisch in die Zukunft.

Kirchbauverein seit 2009 aktiv

„Seit 2009 ist hier viel passiert. Damals haben wir begonnen, Spenden für die Sanierung der Kirche zu sammeln, denn viele Sanierungsarbeiten hatte die Kirche aus eigenen Mitteln und mit ehrenamtlichen Einsatz bewältigt – das Budget war erschöpft“, erinnert sich Fleisch. Das Dach war bereits in den 1990er-Jahren komplett saniert worden – dringend notwendig, wie sich damals zeigte. Mit bis zu acht Konzerten im Jahr sammelte der Kirchbauverein seit 2009 rund 40 000 Euro zusammen. „Wir versuchen die Veranstaltungen möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Neben klassischer Musik und Chorkonzerten hatten wir unter anderem Theatergruppen zu Gast und haben die ein oder andere Lesung veranstaltet“, so Fleisch. Dank der Spenden und einer Vielzahl an Fördermitteln konnten sowohl die Sanierung der Außenhülle von 2009 bis 2011 als auch die Erneuerung der Fenster im Jahr 2013 durchgeführt werden.



Dorfkirche in Rohrbeck

Die Rohrbecker Dorfkirche ist seit 700 Jahren Mittelpunkt der havelländischen Gemeinde. 1313 wurde sie das erste Mal urkundlich erwähnt.
Seit 2009 wird das denkmalgeschützte Gebäude unter großem Einsatz vieler Gemeindemitglieder bereits umfassend saniert.
2011 wurden die Ausbesserung und teilweise Erneuerung des Fachwerks im Turm und die Sanierung der Außenhülle des Kirchengebäudes abgeschlossen. Aufwendige Arbeiten waren nötig, um das Fundament trockenzulegen und abzudichten.
Dank einer großzügigen Spende wurde 2010 der Taufengel restauriert.


Die Farbgestaltung ist nun der letzte Pinselstrich der Kirchensanierung. Oder besser gesagt der vorletzte: „Wenn alle Malerarbeiten und die Aufarbeitung der Empore und des Gestühls abgeschlossen sind, kommen noch die Kanzel und der Altar an die Reihe“, sagt Elisabeth Fleisch. Außerdem soll der älteste Teil der Kirche, die Sakristei, wieder nutzbar gemacht werden. Es bleibt eben immer etwas zu tun.

Von Laura Sander

Märkische Allgemeine vom 04. Februar 2017

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