Kirchensanierung in kleinen Schritten

Gubener Förderverein zum Wiederaufbau teilt Millionenprojekt in fünf Bauabschnitte ein

GUBEN Kleinere Brötchen will der Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche in Guben jetzt backen: Die zehn Millionen Euro teure Komplettsanierung der spätgotischen Kirchruine im Herzen der Doppelstadt wird in fünf Einzelabschnitte aufgeteilt. Das soll die Finanzierung erleichtern.

Günter Quiel hält die Baupläne für die Sanierung der Stadt- und Hauptkirche in den Händen. Der Umbau ist in fünf Abschnitten geplant.
Foto: Halpick

"Die Kirche ist das stadtbildprägende Objekt", sagt Günter Quiel. Der Vorsitzende des Fördervereins zum Wiederaufbau engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Sanierung des Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten Gotteshauses zu einem europäischen Kultur- und Begegnungszentrum. Hier sollen sich künftig die Menschen aus Gubin und Guben treffen und gemeinsam die Zukunft der Doppelstadt gestalten. Das ist zumindest Quiels große Vision, wie er zugibt.

Zehn Millionen Euro kostet allerdings die geplante Komplettsanierung der spätgotischen Backsteinkirche direkt hinter der Stadtbrücke. Das Dach soll mit einem lichtdurchlässigen Nano-Kunststoff gedeckt werden. Mit dieser außergewöhnlichen Idee gewann das Warschauer Architekturbüro Heinle, Wische und Partner im Jahr 2013 den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb. Für die Umsetzung fehlen aber noch immer die Geldgeber sowohl auf polnischer als auch deutscher Seite.

Um die Finanzierung zu erleichtern, wird das Gesamtvorhaben nun in fünf einzelne Bauabschnitte aufgeteilt, wie Quiel informiert. "Absoluten Vorrang hat die Sanierung des Daches und der Außenwände", betont er. Quiel rechnet hierfür mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro und hofft auf Fördermittel aus der Europäischen Union. Doch selbst wenn diese fließen, müsste die Stadt Gubin als Eigentümerin der Kirche einen Eigenanteil von 375 000 Euro aufbringen. "Das übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Städte Gubin und Guben", räumt Quiel ein.

"Völlig neue Partner" müssten dafür gefunden und "neue Wege gegangen" werden, betont der Vereinschef. "Wir brauchen Persönlichkeiten, die für den Wiederaufbau werben", sagt er. Schirmherr des Projektes ist Quiel zufolge der SPD-Politiker und mögliche neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Von ihm, aber auch Bundestagsabgeordneten aus der Lausitz und anderen Multiplikatoren in der Region erhofft der Förderverein ebenfalls Unterstützung.

"Wir haben keine Großinvestoren wie BASF oder BMW in Guben", sagt Quiel. Dennoch ist er zuversichtlich, dass die Finanzierung in kleinen Schritten klappen kann. Rund 300 000 Euro an privaten Spendengeldern konnte der Förderverein in den vergangenen zehn Jahren bereits einsammeln. Selbst eine Beteiligung der beiden Städte durch einen Zuschuss in Höhe von einem oder zwei Euro pro Einwohner sei ein möglicher Denkansatz, betont er. Allerdings müssen dafür die Stadtverordneten beider Städte entsprechende Beschlüsse fassen. Wenn die Finanzierung steht, könne schon 2018 mit der Umsetzung des ersten Bauabschnittes begonnen werden, sagt Quiel.

Als zweite Etappe hat der Verein den Ausbau der Sakristei und des danebenliegenden Anbaus geplant. Hier sollen Garderoben und Toiletten untergebracht werden. Diese sind zum Betrieb des Begegnungszentrums dringend nötig. Mit bis zu 500 Zuschauern wird bei künftigen Kulturveranstaltungen gerechnet.

Im Rahmen des dritten Bauabschnittes sollen zusätzliche Räume für die öffentliche Nutzung entstehen. "Das Kulturhaus Gubin, das jetzt im ehemaligen Rathaus untergebracht ist, könnte hinüberziehen", sagt Quiel. Aber auch für Probenräume, Bibliotheken oder Archive sei Platz.

Im vierten Schritt soll die "Außenhaut" der Kirche und des Turmes noch einmal aufgewertet werden. Letzter Bauabschnitt ist die Gestaltung des Außenbereiches. Dabei spielen auch die Neugestaltung der Parkplätze vor der Kirche sowie die Straßenanbindung eine Rolle.

Zum Thema:
Gubens Stadt- und Hauptkirche wurde 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. Nur die Grundpfeiler und der Turm stehen noch. Mehr als 2500 Tonnen Schutt und Geröll wurden bereits aus dem Innenhof der Kirche geräumt. Die Hülle des 67 Meter hohen Kirchturmes ist bereits saniert. Hier finden bereits Veranstaltungen wie Lesungen statt. Rund drei Millionen Euro sind bisher in das Projekt geflossen.

Silke Halpick

Lausitzer Rundschau vom 12. Januar 2017

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