Havelland

Sanierung der Wagenitzer Kirche beginnt

Die Fassade der Wagenitzer Dorfkirche wird in diesem Jahr erneuert und gestrichen und vorher der Sockel des sakralen Gebäudes abgedichtet. Geplant ist, das Gotteshaus künftig als Hochzeitskirche zu etablieren. Zudem soll eine Gruft mit Särgen der Familie von Bredow unter dem Altarraum für Touristen zugänglich gemacht werden.

Der Beginn der Sanierungsarbeiten an der Wagenitzer Dorfkirche steht unmittelbar bevor. 2014 war der Holzwurm bekämpft worden.
Quelle: Marlies Schnaibel

Wagenitz. Von Weitem schon grüßt der gelbe Turm der Wagenitzer Dorfkirche. Die meisten Autofahrer passieren jedoch den Abzweig Wagenitz auf der B 5. Geht es nach den Dorfbewohnern, sollen in Zukunft vor allem Hochzeitsgesellschaften dort abbiegen. Denn sie möchten ihre Kirche als „Hochzeitskirche am Dorfanger“ etablieren.

Doch bis es soweit ist, muss an dem Sakralgebäude noch viel passieren. In Kürze werden die Sanierungsarbeiten beginnen. So soll ab März rund um das Gotteshaus der Boden aufgeschachtet werden, um den unteren Bereich des Gebäudes gegen Feuchtigkeit abzudichten. „Wie haben seit dem 30. November die Fördermittel“, sagt Andreas Flender, der Bauverantwortliche der Kirchengemeinde „Havelländisches Luch“. Flender besitzt einschlägige Erfahrungen mit Kirchensanierungen. Als Vorsitzender des Pessiner Kirchen-Fördervereins hat er großen Anteil daran, dass das Gotteshaus dort nahezu fertig saniert ist. In Wagenitz will er das zusammen mit der Kirchengemeinde und dem dortigen Förderverein ebenfalls schaffen.

Rund 95 000 Euro kostet die Baumaßnahme, die auch die teilweise Neuverputzung von Turm und Schiff sowie eine neue Farbgebung beinhaltet. Rund 70 000 Euro werden über EU-Mittel gefördert. Unter Umständen gelingt es auch noch, die restlichen vier alten Fenster zu erneuern. „Dann hätten wir die komplette Fassade fertig, das wäre genial“, so Flender.

Insbesondere der große Innenraum soll das Gotteshaus später als Hochzeitskirche prädestinieren, so dass für die Trauzeremonie viel Platz zur Verfügung steht. Aber es gibt noch etwas Besonderes, das Touristen nach Wagenitz ziehen könnte: Die Gruft mit den Särgen der Familie von Bredow, die sich im 70 Quadratmeter großen Kellergewölbe unterhalb des Altarraumes befindet. Einen Zugang gibt es aber nicht. Der ist vor Jahrzehnten zugemauert worden. Zwei kleine Luken sorgen für Belüftung, aber nicht für Licht. So waren die drei hintereinander liegenden Räume unlängst von außen per Video-Kamera erforscht worden. Dabei, aber auch per Digital-Scannen kam heraus, dass sich dort 18 Särge befinden.

An der Giebelseite ist zudem von innen ein Mauerbogen erkennbar, unter dem sich offenbar früher der Zugang befand. Künftig soll er wieder geöffnet und eventuell mit einer Glasscheibe versehen werden, damit Besucher dort hineinschauen können. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wird deshalb ein 1,50 Meter breiter Schacht entstehen, in dem man auf einer Treppe hinunter gelangt. Ingenieur Ingo Dreger regte an, für das Eingangsbauwerk zur Gruft die Ziegelsteine der alten Friedhofsmauer wiederzuverwenden. Die Treppe soll aus Corten-Stahl bestehen, der mit seiner rostigen Oberfläche häufig in der Architektur zur Anwendung kommt.

Da es keine Farbbefunde gibt, schlägt das Ingenieurbüro zwei Varianten für die Kirche vor: Entweder Terrakotta oder aber lindgrün, wobei der Turm stärker gefärbt wird. Die Wagenitzer sollen bei der Auswahl einbezogen werden, bevor eine Entscheidung fällt, mit der es in die Diskussion mit der Denkmalbehörde geht.

„Es ist schon erstaunlich, dass in so kurzer Zeit so viel geschafft wurde“, sagt André Schmidt, Fördervereinsvorsitzender seit April 2016. Denn der Verein hat sich erst 2012 gegründet, und schon zwei Jahre später im Herbst war es gelungen, eine Begasung der Kirche durchzuführen, um den Holzwurm zu bekämpfen. Rund 28 700 Euro hat dies gekostet – darunter Zuschüsse von der Kreiskirche, Fördermittel und Spenden, ebenso wie Erlöse aus Veranstaltungen, so wie der Auftritt des Chorensembles Zaunkönige aus Salzwedel. „Wir wollen in den nächsten Monaten noch mehr Kultur in die Kirche bringen.“ Denn es wird auch viel Geld benötigt, um den Innenraum zu sanieren.

Nach Ansicht von Pfarrer Michael Jurk wird die Kirche nach Abschluss der Sanierung eine neue Identität haben, „ein Kleinod“. Er persönlich könnte sich durchaus eine grüne Fassade als weitere Besonderheit der Kirche vorstellen.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine vom 07. Januar 2017

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