Platte und Kirche

von Thorsten Metzner

Die Denkmalpflege in Brandenburg hat die schlimmsten Zeiten hinter sich. Doch nun plagen neue Sorgen

Potsdam - Es sei vielleicht nur ein Dachziegel, „der nach dem Sturm ersetzt werden muss, damit wir nicht in ein paar Jahren wieder Millionen ausgeben müssen“. Mit diesem plastischen Bild hat Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg am Mittwoch in der Potsdamer Staatskanzlei davor gewarnt, dass bereits sanierte Dorfkirchen in der Mark nun erneut der Verfall droht. „Das Problem ist die dauerhafte Pflege“, sagte er. Dabei habe es Brandenburg nach 1990 anders als andere ostdeutsche Länder geschafft, dass keine einzige der baufälligen Kirchen abgerissen werden musste, sagte Drachenberg. Nun aber kommt es immer häufiger vor, dass Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen an den geretteten Kirchen unterbleiben und sich niemand mehr kümmert. „Man verfällt in einen Ruhestand“, erklärte der Landeskonservator.

Und das hat Gründe. So gebe es inzwischen in einigen Dörfern, etwa der Uckermark oder der Prignitz, keine aktive Kirchgemeinde mehr. Kirchbauvereine hätten sich teilweise nach der Sanierung aufgelöst oder inzwischen zumeist über 80-Jährige als Mitglieder. Da müssten „neue Strukturen gefunden werden“, sagte Drachenberg. „Es geht jetzt um die Frage, wer die sanierten Gebäude pflegt.“

Insgesamt aber hat sich die Denkmalförderung im Land, das dabei jahrelang Schlusslicht war, spürbar verbessert. So konnten die beiden zuständigen Ministerinnen Martina Münch (Kultur, SPD) und Katrin Schneider (Infrastruktur, SPD) stolze Bilanzzahlen verkünden. Danach gab Brandenburg aus diversen Förderprogrammen insgesamt 35,8 Millionen Euro für Denkmalschutz aus, 2015 waren es 33 Millionen Euro. Das Gros, nämlich 22 Millionen Euro, bewilligte dabei das Infrastrukturministerium aus der Städtebauförderung. In den Genuss kamen 38 Projekte in 31 Kommunen.

Ein Beispiel dafür ist ein rekonstruiertes früheres Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert im Zentrum von Luckenwalde, in dem nun der Kinderkrisennotdienst der Stadt untergebracht ist. Das Wissenschafts- und Kulturministerium, das für Denkmalschutz fachlich zuständig ist, konnte 13,8 Millionen Euro vergeben. Den Mammutanteil davon erhielt mit neun Millionen Euro die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. An die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten flossen 607 000 Euro zur Sanierung etwa von Gedenkstättenanlagen in früheren Konzentrationslagern. Mit rund 2,65 Millionen Euro wurden Sakralbauten gefördert, davon mit knapp einer Million Euro der Dom in Brandenburg/Havel.

Erstmals richtig bewährt hat sich laut Drachenberg die in Brandenburg neu geschaffene Denkmalhilfe, sozusagen ein Feuerwehr-Topf, 2016 gefüllt mit 500 000 Euro, aus dem das Landesdenkmalamt nötige Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen oder archäologische Grabungen fördern kann. Um einen solchen Topf hatten die Denkmalschützer lange gekämpft. 2017 werde die Denkmalhilfe auf eine Million Euro aufgestockt. „Um im Bundesvergleich von den hinteren Plätzen wegzukommen“, den Hinweis vergaß der Landeskonservator dann doch nicht, müsste Brandenburg aber nach seinen Worten noch weiter zulegen. „Ich hoffe, dass die Million nicht nach oben gedeckelt ist“, sagte er.

Aus diesem Topf wurde zum Beispiel die erste Notrettung für das Brauhaus in Himmelpfort mitfinanziert, das 2010 bis auf die Außenmauern und den Giebel niedergebrannt war. Er war Teil der berühmten Klosteranlage aus dem 14. Jahrhundert. „Wir haben es immer damit verglichen, als ob das Kloster Chorin einstürzen würde“, erklärte Drachenberg. Nach dem Brand folgte das nächste Drama: Der Eigentümer hatte zwar die Versicherung kassiert, das Geld aber nicht in den Wiederaufbau investiert und setzte sich mit seiner Weigerung vor dem Oberverwaltungsgericht durch. Seit 2015 hatte eine Bürgerstiftung versucht, das Brauhaus zu retten, nun mithilfe des Landes. So konnte nun der Giebel, „der eigentlich statisch nicht halten konnte“, gestützt werden.

In Brandenburg gibt es rund 13 000 Denkmäler. Und es werden noch mehr. Drachenberg bestätigte, dass das Landesdenkmalamt aktuell in Bernau prüft, zwei für die von Flächenabrissen geprägte DDR-Stadtsanierung und typische Ersatz-Plattenbauten in der Innenstadt unter Schutz zu stellen. Eine Premiere sei das aber nicht, so der Landeskonservator. „Und wir haben auch kein Aktionsprogramm: Stellt die Plattenbauten unter Schutz!“

Potsdamer Neueste Nchrichten vom 05. Januar 2017

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