Ulrich Thiessen

Zisterzienserbau in letzter Minute gerettet

Potsdam (MOZ) Der Giebel des Brauhauses vom Kloster Himmelpfort (Oberhavel) hat den Sturm in dieser Woche überstanden. Buchstäblich in letzter Minute gelang es, das einsturzgefährdete gotische Gemäuer zu stabilisieren, berichtete Axel Seemann, beratender Ingenieur für Denkmalpflege, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Potsdam.

Eingerüstet: Die Ruine des Brauhauses in Himmelpfort ist stabilisiert. Landesförderung macht es möglich
© MZV

Das Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Zisterzienserklosters war 2010 durch Brandstiftung bis auf die Außenmauern zerstört worden. Die Denkmalpflege scheiterte laut Landeskonservator Thomas Drachenberg vor Gericht mit ihrer Forderung, dass der Eigentümer die Zahlungen der Versicherung für die Sicherung des Gebäudes einsetzen muss. Statt dessen wurde der Abriss der Ruine beantragt.

Inzwischen gilt das Brauhaus Himmelpfort als Beispiel für die Denkmalrettung in Brandenburg. Eine Bürgerstiftung gründete sich 2015 in der Region. Den rund 70 Mitgliedern gelang es, das Grundstück zu erwerben. Damit war der Weg frei, Fördermittel zu beantragen. Und die gab es in dieser Form erstmals 2016.

Jahrelang war um die Bildung eines Haushaltstitels für Denkmalrettung gerungen worden. Im vergangenen Jahr wurden dafür erstmals 500 000 Euro zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr verdoppelt sich die Summe.

Für Himmelpfort wurden die Bauuntersuchungen und die Stützkonstruktion für den Giebel finanziert. Die Bürgerstiftung sammelte das Geld für ein Notdach, das am 23. Dezember des vergangenen Jahres errichtet wurde. Das soll laut Seemann dem Gebäude die Zeit verschaffen, bis Geld für die Sanierung und eine spätere kulturelle Nutzung des historischen Gebäudes vorhanden ist.

Insgesamt wurden 2016 rund 36 Millionen Euro für den Denkmalschutz eingesetzt. 22 Millionen Euro davon stammen aus der Städtebauförderung des Infrastrukturministeriums, 13,8 Millionen Euro aus dem Etat des Kulturministeriums. Wobei dort die größten Summen in die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, für den Brandenburger Dom und 2,5 Millionen in die Sanierung von 24 evangelischen und vier katholischen Kirchen flossen.

Mit den 500 000 Euro für die Denkmalhilfe wurden 2016 15 Projekte unterstützt. Für dieses Jahr liegen bereits 50 Anträge in einem Umfang von 2,5 Millionen Euro vor. Landeskonservator Drachenberg erwartet, dass für die nächsten Jahre eine weitere Erhöhung der Förderung erfolgt. Zu den dringendsten Rettungsaktionen in diesem Jahr zählt er Maßnahmen zum Schutz der Potsdamer Friedenskirche. Nachdem im Dach der Apsis Schäden entdeckt wurden, muss geprüft werden, ob ein Mosaikbild gefährdet ist, das Friedrich IV. aus einer gotischen Kirche in Venedig erwarb und in der Friedenkirche einbauen ließ.

Märkische Onlinezeitung vom 05. Januar 2017

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