Denkmalpflege in Brandenburg

36 Millionen Euro für Denkmalschutz

Die Ministerinnen für Kultur und Infrastruktur, Martina Münch und Kathrin Schneider, können bei ihrer Jahresbilanz 2016 mit einigen Höhepunkten aufwarten. Doch trotz der Aufstockung des Etats im vergangenen Jahr zeigt sich etwa am Beispiel des Brauhauses der Klosteranlage Himmelpfort: Es braucht die Aufmerksamkeit und das Engagement von Ehrenamtlichen.

Das Brauhaus der Klosterruine Himmelpfort hatten Brandstifter in eine Ruine verwandelt. Jetzt ist zumindest der Giebel gesichert.
Quelle: Uwe Halling

Potsdam. Dem Weihnachtsmann muss es gegraust haben. Direkt neben seiner Haustür, dem Postamt für Weihnachtswünsche in Himmelpfort (Oberhavel), befindet sich das Brauhaus, ein Klinkerbau der ehemaligen Klosteranlage. Seit August 2010 war das kurz zuvor noch genutzte Haus eine schrecklich anzusehende Ruine. Der Grund: Brandstiftung. Dem brandenburgischen Denkmalschutz ist es zu verdanken, dass jetzt zumindest der einsturzgefährdete Giebel gesichert und die Anlage mit einem Dach aus Wellblech geschützt worden ist.

Zwei Merkmale des gegenwärtigen Denkmalschutzes kommen in dem Projekt zusammen: Die Initiative von Privatleuten, die die Rettung überhaupt erst möglich machte, und die 2015 neu eingeführte Denkmalhilfe des Landes Brandenburg, die auch die Förderung von Objekten erlaubt, für die es bislang noch kein Nutzungskonzept gibt. 70 000 Euro bekam die Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort im Juli 2016 zur Sicherung des Baus. Die Hilfe soll 2017 fortgesetzt werden.

Fast 36 Millionen in Denkmale investiert

Gut 35,8 Millionen Euro investierten das Kulturministerium und das Infrastrukturministerium vergangenes Jahr in den Erhalt und die Pflege von Kulturgütern des Landes Brandenburg. Das waren 2,5 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Den größten Posten machen die Schlösser und Gärten vor allem in Potsdam aus. Neun Millionen Euro gingen an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die ihren Masterplan zur Generalsanierung abarbeiten muss. Geflossen sind die Gelder zum Beispiel in die Hüllensanierung des Schlosses Cecilienhof im Neuen Garten oder in die Herrichtung des zehn Kilometer langen Brauchwassernetzes rund um das Schloss Babelsberg.

Neben diesem Dauerposten waren dem Kulturministerium der Erhalt von 24 evangelischen Kirchen rund 1,6 Millionen Euro wert. Daneben wurden kleinere Projekte im ganzen Land unterstützt. Eine Erfolgsgeschichte sei die 2015 eingeführte Denkmalhilfe, sagt Kulturministerin Martina Münch (SPD). Diese soll im laufenden Jahr um eine halbe Million aufgestockt werden.

„Die riesige Steigerung zeigt, dass es einen Bedarf gibt“, sagt die Ministerin. Trotz aller staatlicher Gelder sei die Denkmalhilfe aber auf das Ehrenamt angewiesen. Das Land würdigt ehrenamtliche Arbeit jährlich mit dem Denkmalpflegepreis. Dank der jährlichen Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“ sei schließlich für 6000 Euro ein Epitaphgemälde der Dorfkirche Blankensee (Teltow-Fläming) saniert worden.

Denkmalschutz macht Städte lebendig

Andere Gründe als rein kulturpolitische hat das Infrastrukturministerium. Indirekt wurden so 2016 im Rahmen der Stadtentwicklung Baudenkmale mit 22 Millionen Euro gepflegt und geschützt. „Wir brauchen Leben in den Städten“, sagt Bauministerin Kathrin Schneider (SPD). Die Bürger bräuchten stadtgeschichtliche Monumente zur Identifikation. 31 Städte Brandenburgs hätten von dieser Art der Denkmalpflege profitiert.

Ein Beispiel, wo Leben und Identifikation mit Geschichte zusammenfinden, stellt für Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide das ehemalige Wohnhaus am Haag 5 dar. Aus dem jämmerlichen grauen Bau am Nuthepark in der Innenstadt ist für 1,9 Millionen Euro ein imposantes Haus mit modernem Blockanbau geworden, das heute einen Kindernotdienst beherbergt. „Das Projekt ist beispielgebend dafür, was für eine Substanz in solchen Altbauten noch steckt“, lobt Herzog-von der Heide die gelungene Sanierung.

Nicht nur Schlösser des 18. Jahrhunderts oder Wohngegenden des 19. Jahrhunderts sind denkmalpflegerisch wertvoll. Auch um DDR-Bauten kümmert sich der Denkmalschutz. In Bernau (Barnim) sollen noch dieses Jahr zwei Plattenbauten unter Denkmalschutz gestellt werden, wie Landeskonservator Thomas Drachenberg sagt. Das ist längst nicht der erste Schutz von DDR-Bauten. In Luckenwalde steht zum Beispiel die Kita Rundbau – ein klassischer DDR-Bau – schon seit 2004 unter Denkmalschutz.

Von Rüdiger Braun

Märkische Allgemeine vom 04. Januar 2017

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