Bad Belzig

Kapellen-Sanierung birgt Überraschungen

Die Restaurierung der Bricciuskirche an der Burg Eisenhardt in Bad Belzig fördert einige Geheimnisse ans Licht. Dazu zählen nicht nur Reste einer ehemals farbenfrohen Ausmalung. Spannende Erkenntnisse versprechen sich die Experten zudem von der Spezialanalyse der Balken des überdimensional gebauten Dachstuhls.

Bauhistoriker Thomas Langer untersucht bei der Restaurierung der Bad Belziger Bricciuskirche auch das historische Holz der Dachbalken.
Quelle: Christiane Sommer
 
Die Kapelle in der Außenansicht.
Quelle: Mischa Karth
 
Thomas Kruse
Quelle: Lydia Junghanns

Bad Belzig. „Noch passt das Bild nicht ganz zusammen“, sagt der Bad Belziger Bauhistoriker Thomas Langer mit Blick auf die hinter Baugerüsten versteckte Bricciuskirche. Das vor der Burg Eisenhardt gelegene Gemäuer wird gegenwärtig umfassend restauriert. Gemeinsam mit Restaurator Udo Drott zeichnet Langer für die wissenschaftliche Baubegleitung verantwortlich.

„Sicher ist, dass die Mauern der Kirche älter sind als das Holz was oben drauf liegt“, sagt der Experte mit Verweis auf den Dachstuhl. Fachleute der Zimmermannsfirma Denkmalbau GmbH aus Ettersburg sind dort gegenwärtig dabei, verrottete Dach- und Deckenbalken auszutauschen. „An der Südseite sind die Arbeiten fast beendet. Danach geht es an der Nordseite weiter“, sagt Thomas Kruse vom Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow. Dem Verein hat die Evangelische Kirchengemeinde St. Marien Hoher Fläming die Nutzung der Kirche übertragen. Parallel dazu zeichnet er für die Sanierung der Kapelle verantwortlich.

Holzproben aus den alten Deckenbalken werden demnächst dendrochonologisch untersucht. Die Jahresringe im Holz werden dabei unter dem Mikroskop betrachtet und mit Klimakurven aus dem Fläming und der Altmark verglichen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Aufschluss darüber geben, wann die Bäume für die Balken des überdimensional gebauten Dachstuhls einst geschlagen wurden. „Ich bin gespannt“, sagt Thomas Langer.



Einst komplett verputzt

Die schriftliche Ersterwähnung der Bricciuskirche stammt von 1361.
In jenem Jahr stifteten die Brüder Kuno und Rudolf von Oppen der Kirche St. Briccius einen Marienaltar.
Ihren Namen erhielt die Kirche von flämischen Siedlern, die den Heiligen Briccius verehrten.
Das Feldsteinmauerwerk im Sockelbereich der Südseite stammt bis in etwa einen Meter Höhe aus dieser Zeit.
Die Kirche war ehemals komplett verputzt.
Die heute sichtbaren behauenen Feldsteine bildeten damit das äußere Unterkleid der Kirche.
An den Giebeln im Dachraum konnten bereits Spuren eines ehemals vorhandenen Tonnengewölbes festgestellt werden.


Doch nicht nur unter dem Dach hütet die Bricciuskirche Geheimnisse. Sie stecken auch unter dem Putz. Als 1906 die letzten umfangreichen Sanierungsarbeiten erfolgten, erhielt der Jahrhunderte alte Innenputz eine neue Lage. Dieser 100 Jahre alte Kalk-Zement-Putz begann sich beim Aufnehmen des Daches zu lösen – und gab den Blick in die Historie frei. „Unter der Putzschicht sind die alten Putzflächen gut erhalten geblieben“, erläutert Denkmalexperte Langer.

Sie wollen herausfinden, welche Materialien den Baumeistern vergangener Zeiten zur Verfügung standen. Was in entsprechender Fachliteratur beschrieben ist, scheint auch St. Briccius als inneres Unterkleid zu tragen. Vom historischen Rauh- und Besenputz bis hin zu Farbresten aus dem ausgehenden Mittelalter. Reste einer ehemals farbenfrohen Ausmalung wurden unter anderem bereits an Wandflächen und Fensterlaibungen entdeckt.

Sicher ist, dass das Kirchlein im 15. Jahrhundert eine Modernisierung im Stil der Zeit erfuhr. Während die Nordseite kaum Veränderungen aufweist, konnten an der Südseite bauliche Veränderungen nachgewiesen werden. Unter anderem an den Fenstern. Sie war sozusagen die Schokoladenseite und die Kirche insgesmt wohl ein Prestigebau, den sich die sächsischen Landesherrn damals etwas Kosten ließen. Wer mit der Postkutsche aus Richtung Wittenberg in die Stadt kam, sah das Gebäudeensemble schließlich schon von weitem. Nach beendeter Dachsanierung folgen dieses Jahr nun Arbeiten an Fassaden und dem Innenputz.

Bis dahin wird das Alter des Holzes im Dachstuhl wohl bestimmt sein und Vermutungen bestätigt werden, die Bad Belzigs sächsische Vergangenheit noch interessanter machen.

Die bereits vor Monaten ausgebauten Buntglasfenster sind indes schon fertig überarbeitet. „Sie werden aber erst nach Beendigung der Putzarbeiten wieder eingebaut“, so Thomas Kruse vom Förderverein. Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten wird auch die Kirchenglocke aus der Hand des Magdeburger Glockengießers Heinrich Borstelmann einen neuen Klöppel und ihre ursprüngliche Aufhängung an einem Eichenholzjoch erhalten. Bis zum 400. Glockengeburtstag in 2018 sollen auch diese Arbeiten erledigt sein. „Die Glocke hängt jetzt an einem Stahljoch und dazu noch verkröpft“, sagt Kantor Winfried Kuntz. Zu DDR-Zeiten in vielen Kirchen praktiziert, wurde durch die veränderte Aufhängung der Schwerpunkt der Glocken verlagert. Sie ließen sich dadurch zwar leichter läuten, büßten dafür aber ihren Klang ein.

Von Christiane Sommer

Märkische Allgemeine vom 03. Januar 2017

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