Ende eines Langzeitprojekts

Bornstedter Kirche bald fertig saniert

Am 8. Januar findet der letzte Sonntagsgottesdienst in der Bornstedter Kirche statt, bevor man das Ausweichquartier in einer Seniorenresidenz im Bornstedter Feld bezieht. Zu Ostern sind die Arbeiten im Innenraum fertig. Dann wird die Welterbe-Kirche eine neue Farbfassung haben, moderne elektrische Leitungen und ein Beleuchtungssystem. 300 000 Euro kostet das alles – die Stiftung Preußisches Kulturerbe gab dafür eine Großspende.

Blick in den Innenraum.
Quelle: Christel Köster
 
Harald Roth ist Gemeindekirchenratsvorsitzender in Bornstedt.
Quelle: Christel Köster
 
Der Campanile.
Quelle: Christel Köster
 
Die Orgel mit ihren bemalten Pfeifen ist ein Wahrzeichen.
Quelle: Christel Köster

Bornstedt. Für die Bornstedter bringt das neue Jahr tatsächlich viel Neues: Die jahrelange Sanierung der Kirche steht kurz vor dem Abschluss. Die letzte Etappe – die Arbeiten im Innenraum des Gotteshauses – beginnen in den nächsten Tagen. Rund 300 000 Euro wird die Erneuerung der teilweise hoffnungslos veralteten Elektrik und der Beleuchtung sowie die Rundum-Schönheitskur mit einer neuen Farbfassung kosten. Das Geld kommt aus einer umstrittenen Quelle: Die Großspende stammt aus der aufgelösten Garnisonkirchen-Projektrücklage der Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE).

Am 8. Januar wird der letzte Sonntagsgottesdienst in der Welterbe-Kirche stattfinden. Danach feiert die Gemeinde ihre Gottesdienste in der evangelischen Seniorenresidenz „Luisengarten“ in der Alexander-Klein-Straße am Bornstedter Feld. Voraussichtlich rund um Ostern im April soll die Kirche dann innen wieder im alten Glanz strahlen. Ein Highlight im Terminkalender ist auch der Unesco-Tag am 10. Juni. Er soll diesmal in der Kirche und auf dem Friedhof Bornstedt ausgerichtet werden.

2017 soll zudem die Erneuerung des Glockenstuhls im Campanile über die Bühne gehen. Der alte Glockenstuhl aus Eisenstahlträgern wird durch eine Holzkonstruktion ersetzt, weil die Standfestigkeit des Turms durch die Schwingungen der beiden Glocken gefährdet war.

Veränderungen gibt es außerdem beim Pfarrhaus in der Ribbeckstraße. Nach einiger Diskussion hat sich die Gemeinde entschlossen, das Gebäude komplett als Gemeindehaus zu nutzen. „Der Bedarf ist sehr groß, denn Bornstedt ist wohl die am stärksten wachsende Gemeinde in Potsdam“, erläutert der Gemeindekirchenratsvorsitzende Harald Roth. Knapp 1400 Mitglieder sind es derzeit; pro Jahr kommen jeweils um die hundert Neu-Mitglieder dazu.

Längst renovierungsbedürftig.
Quelle: Christel Köster
 
Das aus England stammende Taufbecken soll auch restauriert werden.
Quelle: Christel Köster
 
Sehenswert sind auch die Kirchenfenster.
Quelle: Christel Köster

Dennoch herrscht nicht immer nur eitel Sonnenschein. Diskussionsbedarf gab es im Gemeindekirchenrat, als es um die Finanzierung der Arbeiten in der Kirche ging. Höchste Eile war geboten, nachdem das Mauerwerk wegen eines Wasserrohrbruch in der Toilette mit Schwamm befallen wurde. Die Finanztöpfe der Kirche konnten nur bedingt angezapft werden. Immerhin beteiligt sich der Kirchenkreis schon zur Hälfte an den 20 000 Euro für den Glockenstuhl. An dieser Stelle kam dann die 300 000-Eur-Spende der Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) ins Spiel. „Auf längere Sicht wären wir sonst nicht in der Lage gewesen, auch nur die nötigsten und dringendsten Dinge durchzuführen“, begründet Harald Roth, warum man sich im Gemeindekirchenrat letztlich dafür aussprach, das Geld anzunehmen.

Ursprünglich wollte der bekennende Rechtskonservative Klaar mit den gesammelten 6,3 Millionen Euro an Spenden den Wiederaufbau der Garnisonkirche finanzieren. Das Vorhaben scheiterte dann bekanntlich an Klaars Zerwürfnis mit der Stadt und der Landeskirche. 2014 beschloss die SPKE, das Geld für andere Projekte auszugeben. Unter den Nutznießern waren neben der Nikolaikirche die evangelischen Kirchen in Bornim und Groß Glienicke sowie die katholischen Kirchen St. Antonius in Babelsberg und St. Peter und Paul.

Die Spenden lösten 2015 eine große Debatte aus, vor allem vor dem Hintergrund von Klaars rechtslastigen Positionen zur deutschen Geschichte. Das Erzbistum Berlin und die evangelische Landeskirche distanzierten offiziell von dem Spender: „Angesichts des offensichtlichen inhaltlichen Dissenses zwischen den Äußerungen von Max Klaar und den Positionen der Evangelischen Kirche, rät die Landeskirche den Kirchengemeinden davon ab, weiter Mittel bei der Stiftung Preußisches Kulturerbe zu beantragen“, hieß es in einer Empfehlung der evangelischen Landeskirche von Bischof Markus Dröge.

Gemeindekirchenratsvorsitzender Roth verweist hingegen auf die Sachzwänge: „Anders hätten wir das nicht geschafft.“ Auch müsse man zwischen Klaar und der Stiftung trennen: „Die Stiftungsstatuten haben es nicht hergegeben, dass es ein Pakt mit dem Teufel wäre.“

Die Spende war an keinerlei Bedingung von Seiten der Stiftung geknüpft.



Erbaut von August Stüler

Die Kirche wurde in den Jahren 1854/56 nach Ideen König Friedrich Wilhelm IV. nach Entwürfen August Stülers in italienisierenden Formen neugestaltet. An der Ribbeckstraße ist eine Arkadenhalle quer vorgelagert, an deren Nordende sich der Turm erhebt. Von ihm erschallen zwei kleine mittelalterliche Glocken.
Das Innere wird geschmückt von einer Orgel mit bemalten Pfeifen sowie Eisenkunstgussreliefs aus dem 19. Jahrhundert und drei barocken Epitaphien, darunter für den Gelehrten und Narren des Soldatenkönigs, Jakob Paul von Gundling, der in einem Weinfaß bestattet worden sein soll.
Im Zuge der Sanierung soll die ursprüngliche Farbgebung an den Wänden wiederhergestellt werden. Sie war etwas dunkler als heute.
Trotzdem soll dank eines neuen Beleuchtungssystems ein hellerer Eindruck vom Kirchenraum entstehen.
Nostalgie pur: Manche der Lampen im Gotteshaus erinnern stark an Badezimmerleuchten aus der DDR. Die elektrischen Leitungen sind teilweise noch aus der Zwischenkriegszeit – manche sind sogar mit Stoff ummantelt.


Von Ildiko Röd

Märkische Allgemeine vom 03. Januar 2017

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