Hohengörsdorf

Kirche mit Bauschäden braucht Rettung

Risse in den Wänden, herausbrechende Steine, Holzwurmlöcher im Gebälk: Die Hohengörsdorfer Kirche weist schwere Bauschäden auf. Die Kirchengemeinde hat selbst für die nötigsten Reparaturmaßnahmen nicht genug Geld – aber die Hoffnung, Spender und Unterstützer zu finden. Die Initiative Kirchenrettung ist gestartet.

Die Kirche in Hohengörsdorf gleicht einer Trutzburg und gehört zu den ältesten in der Region.
Quelle: Uwe Klemens
 
Risse in der Apsis.
Quelle: Uwe Klemens
 
Das Orgelmanual ist nicht mehr zu retten.
Quelle: Uwe Klemens
 
Kreiskantor Peter-Michael Seifried (r.) zeigt Holzwurmschäden.
Quelle: Uwe Klemens

Hohengörsdorf. Wenn die Hohengörsdorfer über ihre Kirche reden, schwingt unüberhörbar die Sorge mit. Denn das Bauwerk, das als eines der ältesten Gotteshäuser der Region zählt und deshalb auf der Denkmalliste steht, bedarf dringend der Sanierung. Das kann man bereits von außen, erst recht aber bei der Innenbesichtigung mit dem bloßen Auge feststellen. Tiefe Risse im Deckenbereich, aus den Rollschichten herausgefallene Ziegel, vom Regen ausgewaschen Fugen, Feuchteschäden und Aussalzungen im Sockelbereich des gesamten Bauwerks sowie zahllose Sägemehlhäufchen unter Dachbalken und sonstigen Holzelementen künden davon, dass dringender Handlungsbedarf gegeben ist.

Auf mindestens 300 000 Euro beziffern Fachleute die Kosten für die dringendsten Arbeiten. Noch nicht enthalten in dieser Schätzsumme ist die Sanierung der als besonders schön geltenden Innenausmalung, sowie die Spielbarmachung der Orgel, die für sich genommen bereits ein Einzeldenkmal ist. Die Auflistung aller Einzelschäden allein an der Bauhülle umfasst drei Din-A4-Seiten.

Gemeinde ohne Finanzkraft

„Geld für die Sanierung hat die Kirchgemeinde so gut wie keins“, sagt die für Hohengörsdorf zuständige Pfarrerin Susanne Hennrich, die für insgesamt zwölf Kirchengemeinden in zwölf Dörfern und 1600 Kirchenmitglieder verantwortlich ist. Zusammen mit den Mitgliedern des ehrenamtlich arbeitenden Gemeindekirchenrats kam sie auf die Idee, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen. „Dabei“ gesteht sie, „fangen wir aber jetzt erst bei Null an.“

„Das ist immer noch besser, als gar kein Geld zu haben“ bemüht sich Kreiskantor Peter-Michael Seifried, etwas Humor in die schwierige Ausgangslage zu bringen. Dass er die trutzig wirkende, bereits im zwölften Jahrhundert erbaute Kirche und vor allem deren Instrument besonders schätzt, macht der Orgelenthusiast keinen Hehl. Brächte man die Orgel als allererstes wieder zum Klingen, ließen sich damit wunderbare Benefizkonzerte gestalten, deren Erlös dann in die Kirchensanierung fließen könnte.

Kienscherf-Orgel war einst der Gipfel der Technologie

Anders als die sonstige komplett erhaltene barocke Innenausstattung, ist die Orgel vergleichsweise jung und wurde zwischen 1905 und 1910 vom damals bekannten Eberswalder Orgelbaumeister Max Emil Albert Kienscherf konstruiert. „Die Kirchgemeinde muss damals unheimlich viel Geld gehabt haben, denn das Instrument war in seiner Zeit eines der modernsten und der Gipfel der Technologie“, schwärmt Seifried.

Wann die Orgel das letzte Mal erklang, wissen auch die älteren Hohengörsdorfer nur so ungefähr und schwanken in ihren Erinnerungen zwischen den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dass sie damals vermutlich noch spielbar war, ist Seifried überzeugt. „Leider hat der letzte Kantor dann wohl versäumt für einen Nachfolger zu sorgen. Und Orgeln sterben, genau wie Menschen, wenn sie nicht ernährt werden, in diesem Fall mit Musik.“ 20 000 Euro wären nötig, schätzt Seifried, um wenigstens wieder eines der beiden Manuale spielbar zu machen. Rund 50 00 Euro wären für die Gesamtsanierung des Instrumentes notwendig.

Hoffnungsschimmer: Spender gesucht

Dass Kirche und Orgel nicht nur den Christen, sondern allen Hohengörsdorfern am Herzen liegen, ist immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer. Auf die Fahne geschrieben, die Kirchgemeinde beim Kirchenerhalt zu unterstützen, hat man sich auch im 2015 gegründeten Verein „Dorfleben“, dessen Mitglieder beim Wiederaufbau der eingestürzten Kirchhofmauer mit Hand anlegten. Dass das so bleiben wird, versichert Vereinsvorsitzende Susanne Frohwein. Auch die Anregung Peter-Michael Seifrieds, ehemalige Hohengörsdorfer als Spender zu gewinnen, soll aufgegriffen werden.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine vom 16. Dezember 2016

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