Robby Kupfer

Endspurt bis Heiligabend

Vehlefanz (OGA) Der Weihnachtsbaum wird in diesem Jahr wohl erst ganz kurz vor Heiligabend in der Vehlefanzer Kirche aufgestellt und geschmückt. Aber Pfarrer Thomas Hellriegel ist durchaus optimistisch, dass zur Christvesper am 24. Dezember um 16.30 Uhr alle Kirchgänger einen Platz im Gotteshaus finden werden.

Erstaunt auch Pfarrer Hellriegel: Bei Reparaturarbeiten an den Wänden traten vorreformatorische Ausmalungen zutage.
Foto: Robby Kupfer

Momentan muss für die Vorstellung eines stimmungsvollen Gottesdienstes an Heiligabend allerdings eine gehörige Portion Fantasie mitgebracht werden. Denn das Innere des imposanten Baus, dessen Grundmauern aus dem späten 12. Jahrhundert stammen, gleicht eher einer betriebsamen Baustelle.

Bereits seit 2010 läuft die grundlegende Sanierung des Gotteshauses. In einem ersten Abschnitt bis 2012 wurde der Dachstuhl erneuert und das Dach neu gedeckt. 2013 und 2014 konnte die Restaurierung der Außenfassade und der Kirchenfenster abgeschlossen werden. Seit 2015 ist man mit der Sanierung im Inneren der reichhaltig ausgestatteten Kirche beschäftigt. So strahlt die Decke des Kirchenschiffs wieder in der Farbfassung von 1913, dem Jahr der letzten kompletten Ausmalung der Kirche.

Eine Überraschung trat vor kurzem bei Reparaturarbeiten an den Wänden zutage. Unter mehreren Farbschichten konnten hochinteressante Ausmalungen aus drei verschiedenen Jahrhunderten gefunden werden. Die ältesten Motive, zwei Weihekreuze, stammen wohl aus der Bauzeit der ersten Vehlefanzer Kirche und mithin aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert. Doch nicht diese Funde haben den geplanten Ablauf der Sanierung verzögert. Zum einen wies der Fußboden der Kirche größere Schäden als vermutet auf. "Aber vor allem haben wir nicht mit so großen Problemen bei der Sanierung des Gestühls gerechnet", betont Pfarrer Hellriegel. Die denkmalgerechte Aufarbeitung der Kirchenbänke konnte daher nicht wie geplant hauptsächlich vor Ort durchgeführt werden. Stattdessen musste die ausführende Tischlerfirma aus Hintersee in Vorpommern viele Bänke in ihre heimische Werkstatt transportieren, um sie dort fachgerecht zu behandeln. "An dem alten Kiefernholz hat der Zahn der Zeit kräftig genagt und so musste viel mehr ersetzt werden, als ursprünglich gedacht", fasst Pfarrer Hellriegel zusammen. Seit Dienstag werden nun die ersten der sanierten Bänke wieder eingebaut. Ob bis Heiligabend das gesamte Gestühl seinen angestammten Platz gefunden hat, wagt Pfarrer Hellriegel nicht zu prognostizieren. "Wenn nicht, werden wir aber ausreichend Stühle bereit stellen. Stehen braucht während der Christvesper wirklich keiner", sichert Hellriegel schmunzelnd zu.

Bis September 2017 soll die rund 800 000 Euro teure Komplettsanierung der Vehlefanzer Kirche abgeschlossen sein. Dann wird das Gotteshaus mit einem Fest neu eingeweiht.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Dezember 2016

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