Katrin Hartmann

Bröckliger Boden der Tatsachen

Altwriezen/Beauregard (MOZ) Zu einer Begutachtung hat der Förderverein Kirche Altwriezen-Beauregard in dieser Woche Vertreter der Bodendenkmalpflege von Land und Landkreis eingeladen. Als ersten Schritt zum Wiederaufbau der Fachwerkkirche plant der Verein die Freilegung des alten Fundaments.

Blick in die Vergangenheit: Martin Petzel (Mitte) steht mit den Vereinsmitgliedern auf dem Baugrundstück der abgerissenen Fachwerkkirche in Altwriezen/Beauregard.
© MOZ/Katrin Hartmann

Es sind kleine Schritte, aber es sind Schritte, mit denen sich der Förderverein an den Wiederaufbau der alten Fachwerkkirche in Altwriezen/Beauregard heranwagt.

Zur Einschätzung des Baugrunds hatte der Förderverein in dieser Woche Vertreter des Denkmalschutzes vom Landkreis und aus dem Land Brandenburg in der 278-Seelen-Gemeinde zu Gast. An dem Ort, an dem die alte Fachwerkkirche stand, die 1973 aufgrund von Baufälligkeit abgerissen wurde, baten die Vereinsmitglieder um die Meinung der Experten. "Wie war denn die genaue Lage der Kirche?", wollte Martin Petzel (Mitte), Gebietsbodendenkmalpfleger vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Wünsdorf wissen. Teile des Fundaments seien im Boden noch zu erkennen, erklärte die Vereinsvorsitzende Rosemarie Urban. Um den genauen Verlauf zu erkennen, müssten die alten Feldsteine, die von dem Fachwerkbau noch übrig sind, freigelegt werden, so Urban. Und genau das schwebt den Mitgliedern nun als erster Schritt vor. "Wir würden den Turm der Kirche gern als erstes aufbauen", sagte Rosemarie Urban. "Dafür müssten die Fragmente im Boden freigelegt werden", erklärte Martin Petzel. Zudem müssten alte Fotos und Unterlagen zusammengesammelt werden, aus denen der ursprüngliche Standort am besten ersichtlich wird.

Der Boden machte dem Archäologen als Baugrund allerdings Sorgen. "Wenn der Boden trocken oder bereits ausgetrocknet ist, dann können Sie einen solchen Bau schlecht kontrollieren", sagte der Archäologe nach einem Blick auf die Risse in den gegenüberliegenden Gebäuden sowie in der Mauer, die das Grundstück von der Straße trennt. Eine Ausgangslage, die für einen Turm beziehungsweise einem kompletten Wiederaufbau der Kirche nicht günstig ist, beteuerte er. "Im schlimmsten Fall haben Sie hier dann nämlich einen schiefen Turm von Pisa stehen", sagte Petzel. Die Veränderungen im Baugrund sind richtungsweisend, gerade wenn es um die Entscheidung geht, ein Denkmal wiederaufzubauen. "So etwas wird man nicht fördern", sagte Petzel, um die Vereinsmitglieder mit der schwierigen Ausgangslage vertraut zu machen.

Der Förderverein hält jedoch an seinem Ziel fest: "Wir wollen, dass hier etwas passiert. Wir wollen, dass gesehen wird, hier findet Leben statt", sagte Rosemarie Urban. In dem Turm könnten etwa Gottesdienste oder Ausstellungen stattfinden, erklärte die Kirchenälteste. Ein Gotteshaus gibt es seit dem Abriss der alten Kirche in Altwriezen/Beauregard nicht mehr. Zusammenkünfte der Kirchenmitglieder finden allenfalls in einem Flachbau neben dem alten Baugrund statt.

Die Ziele sieht Martin Petzel in Ehren, machte allerdings darauf aufmerksam, dass der Verein nicht der erste sei, der ein solches Begehr anmeldet. "Nach 1945 wurde vieles kaputt gemacht", sagte der Archäologe. Bedarf melden deshalb viele Gemeinden an. "Wir können an diese Zeit aber einfach nicht mehr anknüpfen", so Petzel.

Gerade vor dem Hintergrund der zurückgehenden Bevölkerung in den Gemeinden müssen solche Projekte genau eingeordnet werden, sagte Petzel. "In Neubarnim lebten vor einigen Jahren noch 1200 Leute, heute sind es rund 250", versuchte er den Bevölkerungsschwund und damit auch die Anzahl der Leute, an die sich ein solches Projekt richtet, beispielhaft festzumachen. Zudem seien die meisten Menschen, die in der Gemeinde leben älter, eine Zielgruppe, die in einigen Jahrzehnten nicht mehr da sein wird. "Deshalb streben wir auch ein Mehrgenerationenprojekt an", bekräftigte Rosemarie Urban das Ziel. "Ein Projekt, dass auch nach uns und Stück für Stück weitergeführt werden kann."

Um den Optimismus des Vereins in Erfolg zu wandeln, schlug Martin Petzel vor, als nächsten Schritt mit dem Architekten des Vereins ins Gespräch zu kommen, um über die Statik des Baugrundstücks zu beraten. Erst dann könne das Fundament des alten Gebäudes freigelegt werden.

Märkische Onlinezeitung vom 04. Dezember 2016

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