Ein Reformationsgemälde braucht Hilfe

Neue Spenden-Aktion "Vergessene Kunstwerke"

POTSDAM/BLANKENSEE Im Holz tun sich die Würmer gütlich. Das Gewand des gekreuzigten Christus hat sich bräunlich verfärbt. Und mitten durch das Epitaphgemälde für die 1567 verstorbene Anna von Schlabrendorf geht eine große, offene Fuge.

Foto: dpa

Denn die Bretter des Gemäldes aus der Dorfkirche von Blankensee (Landkreis Teltow-Fläming) haben im Lauf der Zeit begonnen, sich auseinanderzubiegen. Das Kunstwerk steht im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke", zu der die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo), das Brandenburger Landesdenkmalamt und der Förderkreis Alte Kirchen zum mittlerweile achten Mal aufrufen.

Die einst zum Erhalt bedrohter Taufengel gestartete Spendenaktion hat seit ihrer Gründung rund 130 000 Euro für gefährdete Kunstwerke erbracht allein im vergangenen Jahr wurden rund 6500 Euro für ein mittelalterliches Altarretabel in Ruhland gespendet. Und seit seiner Gründung gelang es dem Förderkreis "Alte Kirchen", der sich zugleich auch als Dachverband von 300 lokalen Kirchbauvereinen im Land sieht, rund 1,3 Millionen Euro für bedrohte Kirchen einzuwerben, sagte Geschäftsführer Bernd Janowski kürzlich in Potsdam.

Durch das Epitaphgemälde in der Dorfkirche von Blankensee, hier ein Ausschnitt, geht ein Riss.
Foto: B. Janowski

Das freut auch Kulturministerin Martina Münch (SPD). "Für die Bewahrung von Denkmalen brauchen wir bürgerschaftliches Engagement", sagte die Cottbuserin. Sie verwies darauf, dass das Land die Sanierung evangelischer Kirchen mit rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr im Rahmen des Staatskirchenvertrags fördere. Zusätzlich erhalte der Brandenburger Dom eine Million Euro Landesmittel pro Jahr. "Das diesjährige Kunstwerk steht in einem direkten Zusammenhang zur Reformation", betonte Münch. Denn es zeigt eines der bekanntesten Motive der Reformationszeit: "Gesetz und Gnade". Ein um sein Seelenheil fürchtender, nackter Sterbender blickt auf Moses und die Gesetzestafeln, die kein Mensch erfüllen kann.

Doch zwei Propheten, die für das Alte und das Neue Testament stehen, zeigen ihm den am Kreuz hängenden Jesus Christus. Denn getreu der reformatorischen Lehre können nur die Überlieferungen der Bibel, der Glaube und die Gnade Gottes den Menschen nach seinem Tod erretten.

Weswegen das Gemälde im kommenden Jahr auch in der Sonderausstellung des Landes Brandenburg zum Reformationsjubiläum im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zu sehen sein soll. Denn es ist ein "Ausdruck gelebten Glaubens", eine "gemalte Predigt", wie es die Potsdamer Generalsuperintendentin Heilgard Asmus ausdrückte. So wie auch in vielen anderen Kirchen noch vergessene Kunstwerke zu finden seien, deren Wurmstichigkeit den Menschen den Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irdischen näherbringen könnten.

Benjamin Lassiwe/iwe1

Lausitzer Rundschau vom 29. November 2016

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