Hans Still

Sisyphusarbeit mit Pinzette, Skalpell und Watte

Prenden (MOZ) Während die Landeskirche noch Retter für "vergessene Kunstwerke in Kirchen" sucht, hat diese Rettung im Prendener Gotteshaus reale Gestalt angenommen. Der Restaurator Dirk Jacob widmet sich seit Jahresmitte dem Altar. Eine aufwendige Arbeit, wie der Besuch bei ihm zeigt.

Der Restaurator Dirk Jacob aus Berlin kam seit Monaten wöchentlich an drei Tagen nach Prenden, um den Altar zu restaurieren.
© MOZ/Hans Still

Es ist seine jahrzehntelange Erfahrung, die es Dirk Jacob ermöglicht, den Zustand eines Altars relativ schnell zu erfassen und auf den Punkt zu bringen. Im Fall des Prendenes Altar haben die Vorfahren sogar mit einem Tun nachgeholfen. Eine so genannte Bierlasur wurde angewendet, um etliche Fehlstellen in der Farbgebung zu kaschieren. So kommt es beispielsweise, dass im Gegensatz zur eigentlich farbintensiven Gestaltung Stellen mit mittlerem Braunton ins Auge fallen. "Unter diesem Braunton befindet sich teilweise noch Goldlack, der dann ebenfalls übergemalt wurde", erklärt Jacob am Altar. Mit Wasserbausch und einem Lösungsmittel rückt der diplomierte Restaurator der Bierlasur zu Leibe und legt das Gold frei. Ungeduldig darf der 52-Jährige dabei nicht werden, es ist eine Sisyphusarbeit, bei der es keinen schnellen Erfolge geben kann.

Überhaupt fordert der Altar mit seinen verblassenden Farben sowie den Holzschäden allen Beteiligten einiges ab. Im Jahr 1611 wurde er errichtet, wie eine originale Inschrift belegt. Ein früherer Pfarrer namens Martin Dunkelt ließ sich ebenfalls mittels Inschrift verewigen - nach Meinung von Dirk Jacob erkaufte er sich dieses Privileg möglicherweise mit einer größeren Handvoll Geld. Im 19. Jahrhundert erfuhr der Altar dann eine starke Umarbeitung. Eine Kanzel rückte ins Zentrum, von dort aus vermochte der Pfarrer während der Predigt seine Schäfchen im Auge zu behalten. "Das Bild Gottes sollte durch das Wort Gottes ersetzt werden, das war ein Trend jener Zeit", erklärt Jacob diese Veränderung.

Farblich kam zu jener Zeit mit Ultramarin ein starker Blauton dazu. "Die letzte Restaurierung liegt damit einhundert Jahre zurück. Es wurde wirklich höchste Zeit, hier Hand anzulegen", so die Einschätzung aller Beteiligten. Denn noch überzeugt das Bauwerk der Spätrenaissance mit malerischem Reichtum und schönen Kombinationen. Diese Kostbarkeit zu erhalten, gehört zum Anliegen der Kirchengemeinde sowie Pfarrerin Annette Fahrendholz, aber auch des Fördervereins der Dorfkirche Prenden, der aus eigener Kraft ein Teil des für die Restaurierung nötigen Geldes zusammensparte. Immerhin 8000 Euro kamen vom äußerst rührigen Förderverein für die Konservierungsarbeiten am Altar, der Anteil der Kirche an der Restaurierung liegt bei 15 000 Euro.

Vielfältige Gründe trugen dann dazu bei, dass erst im Sommer mit den Arbeiten begonnen wurde. So wurde beispielsweise umfänglich darüber nachgedacht, wie mit der Kanzel umzugehen sei. "Letztlich sind wir an die Anordnungen des Denkmalschutzes gebunden. Dort wurde entschieden, die Kanzel zu belassen. Damit müssen wir uns anfreunden. Sie soll nun bemalt werden, sodass die Bierlasur verschwinden wird", berichtet die Pfarrerin. Alternativ zur Kanzel kaufte die Kirchengemeinde schon sehr eindrucksvolle zwei Bronzearbeiten der einheimischen Künstlerin Emerita Pansowová an. Sie werden auch künftig in der Kirche ihren Platz finden, aber eben nicht direkt am Altar.

Sabine Voerster, die Vorsitzende des Fördervereins, hätte sich samt ihrer Mitstreiter gern zügigere Abläufe gewünscht. "Ich weiß, zum Leidwesen des Fördervereins verläuft das alles sehr entschleunigt. Aber so bringen wir viel Zeit und Ruhe hinein, um alle Entscheidungen abzuwägen", versucht sich die Pfarrerin mit einer Erklärung und zeigt den weiteren Werdegang auf. So freuen sich die Prendener bereits auf das Weihnachtskonzert am 10. Dezember. Zuvor wird am zweiten Advent der neue Gemeindekirchenrat gewählt. Dieses Gremium wird dann auch darüber beraten, wann es einen Festgottesdienst für den restaurierten Altar geben könnte.

Märkische Onlinezeitung vom 25. November 2016

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