Mathias Hausding

Retter vergessener Kunstwerke gesucht

Potsdam (MOZ) Nach Jahren voller Sorgen äußern sich Experten erstmals positiv über den Zustand märkischer Kirchen. Künftig will man sich stärker auf die Restaurierung von Kunstwerken in den Gotteshäusern konzentrieren.

Von außen eine ganz normale, unscheinbare Dorfkirche, aber hat man sie wegen der niedrigen Tür leicht gebückt betreten, bietet sich "ein berauschender Anblick". So beschreibt Landeskonservator Thomas Drachenberg das Gotteshaus in Blankensee (Teltow-Fläming). Was ihn dort so beeindruckt, sind zahlreiche Kunstwerke, vor allem ein Epitaphgemälde, also ein Gedächtnisbild zur Erinnerung an die 1567 im Kindbett gestorbene Anna von Schlabrendorf, Ehefrau des Kirchenpatrons Kuno von Thümen.

Erzählt wird auf dem Gemälde eine komplexe und vielschichtige Geschichte rund um Sündenfall, Unausweichlichkeit des Todes und das ewige Leben. Historisch herausragend wegen der nicht eindeutig männlichen Darstellung des Adam und seines Reformations-Bezuges.

Dieses Bild nun weise erhebliche Schäden auf - Farbverluste, Flecken, Fehler durch frühere Ausbesserungen. Auch um es im kommenden Jahr zum Reformationsjubiläum ausstellen zu können, soll es nun mit Hilfe von Spenden restauriert werden. Landesregierung, Evangelische Kirche sowie der Förderkreis Alte Kirchen starteten am Mittwoch einen entsprechenden Aufruf.

Die Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" hat in Brandenburg Tradition. Zum achten Mal gibt es jetzt die Bitte an die Bürgerschaft, bei der Rettung sakraler Kunstwerke zu helfen. "Manche spenden 20 Euro, andere mehr. Jeder Betrag ist willkommen", sagte Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen. Seit 1990 habe man so rund 1,5 Millionen Euro eingeworben.

Der Auftakt zur diesjährigen Spendenaktion war für die Experten gleichzeitig Gelegenheit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. So könne man stolz darauf sein, dass seit der Wende in Brandenburg keine Kirche abgerissen werden musste. Auch habe die Landeskirche nur wenige Häuser für andere Nutzungen abgegeben. In manchen Bundesländern sehe das durchaus anders aus.

Auch um die Bausubstanz der Gotteshäuser stehe es besser als noch vor einigen Jahren. Auch wenn längst nicht alles gut sei. Ein großes Lob ging von Generalsuperintendentin Heilgard Asmus an die zahlreichen Vereine im Land, ohne deren Engagement viele Kirchen im Land wohl verloren gewesen wären.

In Brandenburg gibt es etwa 1500 Dorfkirchen, 320 Stadtkirchen, 17 Klosteranlagen sowie 260 Pfarrhäuser. "Keine dieser Anlagen ist mehr einsturzgefährdet", betonte Landeskonservator Drachenberg. Auch wenn manche Gebäude lediglich notgesichert seien. "Jetzt steht der Innenraum mit den unzähligen Kunstwerken im Fokus der Bemühungen", betonte auch Asmus. In den Kirchen gebe es "Millionen" sakraler Schätze aus allen Epochen, verdeutlichte Drachenberg. Viele davon allerdings in einem schlechten Zustand.

"So richtig fertig wird keine Kirche", fasste Drachenberg die Lage zusammen. "Die Sanierung bleibt eine Daueraufgabe für Generationen." So galt lange Zeit die Nikolaikirche in Jüterbog als saniertes Vorzeige-Gotteshaus. "Jetzt ist der gotische Dachstuhl einsturzgefährdet", sagte der Landeskonservator. Daher freue er sich, dass der Nothilfefonds des Landes ab 2017 auf eine Million Euro pro Jahr aufgestockt wird. "Zudem stellt das Land 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Evangelischen Staatskirchenvertrags zur Verfügung", ergänzte Kulturministerin Martina Münch (SPD).

Märkische Onlinezeitung vom 24. November 2016

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