Heike Weißapfel

Zum Abschluss einen roten Rand

Borgsdorf (OGA) Kaum ist die Sonntags-Konzertsaison vorbei, da gehen die Sanierungsarbeiten in der Pinnower Kirche weiter. Solange es nicht zu kalt wird, kann die Wand an der Turmseite des Gotteshauses weiter ausgemalt werden.

Restaurator Ulrich Schneider arbeitet zurzeit von der Empore aus. Die Abgrenzungen für die gemalten Flächen zu ziehen, sei eigentlich das Schönste, sagt er, sozusagen immer ein Schlussstrich, der die Quadrierung erst richtig zur Geltung bringt.
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Restaurator Ulrich Schneider klettert von der Empore aus gerade bis unter die Decke. Die Wand der Westseite der Kirche ist in diesem Herbst mit der Wiederherstellung der Innenfassade an der Reihe. Blassgrün, Blassgelb und Blassgrau sind die Farben, die er auf der Wand aufträgt. "Es hat schon mal jemand nachgefragt, wie wir denn die Platten an die Wände bekommen haben", erzählt Ulrich Schneider. Er nimmt es als ein Kompliment. Schon aus geringer Entfernung ist nicht zu sehen, dass alles "nur" gemalt ist. Es ist inzwischen neun Jahre her, dass er die Maße für die Quadrierung und deren Gliederung ermittelt hat. Er fertigt sich Skizzen dazu an, damit alles passt, auch wenn, wie an den Fenstern, Fläche ausgespart oder anders gestaltet werden muss.

Schneider verwendet Holzgebrannten Marmorsumpfkalk, einen rein mineralischen Kalk ohne organische Bindemittel. "Der Marmorsumpfkalk ist wie Butter", sagt der Restaurator, der jede Menge Erfahrung mit der denkmalgerechten Sanierung von Kirchen hat - und das sowohl, was die Arbeit selbst, als auch deren mögliche jahrelange Unterbrechungen betrifft. Manche Vorhaben dauern Jahrzehnte und werden immer dann fortgeführt, wenn wieder Mittel zur Verfügung stehen. So war es an der Sacrower Kirche, in der er als Restaurator tätig war, und auch in Alt-Ruppin, wo Schneider 17 Jahre lang ein barockes Orgelgehäuse wieder annähernd in seinen alten Zustand versetzt hat.

Wände wieder in ihre Urfassung zu bringen, gehört da durchaus zu seinem Metier. Mit Wasser zu einem flüssigen Brei verdünnt, trägt der Fachmann vier bis fünf Anstriche übereinander auf. "50 Jahre muss das mindestens halten, wenn nicht 100", sagt er. Dass die Wände in dem Kirchenbau von Friedrich August Stüler einst so oder ganz ähnlich ausgesehen haben, weiß Schneider, weil er Reste des Wandanstrichs unter dem (über der Zwischendecke verborgenen) Dach des Gotteshauses gefunden hat. Eine gemalte Maserung auf dem Grundton sorgt für Marmoroptik. Den Abschluss eines Quaders mit Strichen roten Eisenoxidhydrats, einem alten Farbpigment, empfindet Schneider als schönsten Teil der Arbeit. "Ohne den roten Rand ist es unfertig", sagt er. Erst dann wird die Quadrierung in ihrer Unterschiedlichkeit sichtbar.

In den nächsten Wochen will Schneider mit der letzten Längswand an der Nordseite beginnen. Für die Vorbereitungen ist Johannes Mommert vom Borgsdorfer Baubetrieb Mommert mit seinen Mitarbeitern Andreas Weber und David Schaller bereits vor Ort. Die Firma hat ebenfalls schon reichlich Erfahrung mit der Pinnower Kirche, unter anderem mit deren Kirchturm, den der Betrieb vor einigen Jahren ab- und neu hochgemauert hat. Einmal mehr hat der Betrieb nun die Kirchenbänke von der Wand abgerückt, diesmal von der letzten noch verbliebenen, unsanierten Längswand. Sie fräsen den Ölsockel von den unteren Wandflächen, damit diese später vom Restaurator neu geputzt und bearbeitet werden können.

Klaus Sokol, der Vorsitzende des Fördervereins der Pinnower Kirche, rechnet in diesem Jahr mit Kosten für die Sanierungsarbeiten von 8 000 bis 9 000 Euro. Fürs kommende Jahr hat er wieder einen Zuschuss aus dem Haushalt der Stadt Hohen Neuendorf beantragt. Bis im April erstmals wieder sonntags Musik erklingt, wird die Nordwand fertig, ist Sokol sicher.

Märkische Onlinezeitung vom 22. Oktober 2016

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