Bärbel Kraemer

Buchholzer Baustelle im Blick

Buchholz (MZV) "Die Bauarbeiten an unserer Kirche gehen zügig voran", so Anette Benke vom Buchholzer Gemeindekirchenrat. Seit Mitte August steht das Dorfbild prägende Gemäuer im Herzen der 94 Einwohner zählenden Gemeinde, teilweise verhüllt. Die Bauarbeiten zur Rettung der 1855 erbauten Kirche bestimmen den Alltag im Dorf. 173.000 Euro sind für die Hüllensanierung veranschlagt.

Aus dem Jahre 1955 stammt diese historische Ansicht der Kirche.
© MZV

"Jetzt muss der Kirchturm eingerüstet werden. Die Zimmerleute sind mit ihren Arbeiten bereits fertig und die Dachsteine sind auch schon ausgesucht", berichtet die 57-Jährige. Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt wohnend, hat sie das Geschehen auf der Baustelle nicht nur im Blick, sondern auch fast ständig vor Augen. Im gesamten Dorf wird der Fortgang der Arbeiten aufmerksam verfolgt. Jede neue Erkenntnis der Denkmalexperten interessiert. "Unter anderem wurde festgestellt, dass der Ziersims ehemals blau verfugt war", so Anette Benke weiter.

An Weihnachten, so die Hoffnung der Gemeinde, sollen die Bauarbeiten beendet sein. Dann soll in der Kirche wieder ein Gottesdienst gefeiert werden. Pfarrer Mathias Stephan schmunzelt, als die 57-Jährige bestimmend erklärt: "Und wenn wir dazu Stühle stellen müssen".

Bevor sich die Arbeiten der einzelnen Gewerke im Dezember jedoch ihrem Ende neigen, wollen die Buchholzer in ihrer Kirche eine Art Zeitkapsel installieren - für nachfolgende Generationen. Die ersten Dokumente dafür liegen bereits bereit. Es sind zwei kleine Schiefertafeln, die 1954, bei der letzten Sanierung des Gemäuers, von den damals tätigen Handwerkern in der Kirche zurückgelassen wurden - einem alten Brauch folgend. Sie tragen die eingeritzte Aufschrift: "Bei Wind und Kälte im November 1954 haben wir den Turm repariert. Die Dachdecker Hermann Rosenthal und Paul Dähne aus Niemegk, den 13. 12. 1954".

In jenem Jahr war die Kirche gerade einmal 99 Jahre alt und erfuhr anlässlich des bevorstehenden Jubiläums eine für damalige Zeiten recht umfangreiche Sanierung. In einer aus dieser Zeit stammenden Aufzeichnung heißt es: "Am 23. Oktober (Anm.: 1955) ist der Tag, an dem die Kirche hundert Jahre alt wird. 1849 wurde durch einen Großbrand fast das gesamte Dorf und eben auch die Kirche in Schutt und Asche gelegt. Für diesen Ehrentag muss dieses Gotteshaus natürlich auch einen würdigen und festlichen Anblick erhalten. So wurde viel geplant. Aber nicht nur geplant, sondern auch an ihr gebaut. Das erste war, daß ein dichtes Dach geschaffen wurde. Der Turm auf welchem schon die Holuntersträucher blühten und gedeihten, mußte repariert und neu eingedeckt werden. Die Fenster welche teilweise aus Zelluloid bestanden mussten verschwinden und das Kirchlein bekam neue aus Antikglas. Der dritte Arbeitsgang war die Installation der Kirche, wobei es etwas schwierig war, die Leitung bei Feldsteinwand unter Putz zu legen. Die größten Kopfschmerzen und Sorgen bereitete uns aber der Umbau der Altarräume. Nicht weil es schwieriger Bau gewesen wäre, sondern weil wir unseren neuen Altar sowie die Kanzel und den Taufstein gerne mit Rotklinkern mauern wollten, diese aber zur Zeit ein sehr rarer Artikel sind...".

Märkische Onlinezeitung vom 15. Oktober 2016

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