Bärbel Kraemer

Willkommene Unruhe auf Bricciusberg

Bad Belzig (MOZ) Geschäftiges Treiben unterbricht seit einigen Wochen die Ruhe auf dem Briccusberg in Bad Belzig. Die damit einhergehende "Unruhe" ist jedoch Willkommen. "Jetzt geht es los, endlich", sagt Thomas Kruse vom 2013 gegründeten Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V., der sich für die Sanierung der alten St. Bricciuskirche verantwortlich zeichnet. Er lädt zu einer Besichtigung der Großbaustelle und hat am Hämmern und Klopfen der emsigen Handwerker seine Freude.

Gerüstbauer, Dachdecker und Zimmerer werkeln zeitgleich am Gotteshaus.
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Thomas Kruse vom Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. führt sachkundig über die Baustelle.
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Dieser Tage waren dort drei Gewerke gleichzeitig anzutreffen. Die Gerüstbauer der Firma Gosse aus Brandenburg waren damit beschäftigt, die Kirche komplett einzurüsten.

Dachdecker der Firma Bösicke aus Medewitz deckten das Dach ab und verschlossen es mit Planen. Gleichzeitig wurden die alten abgedeckten Biberschwänze einer genauen Begutachtung unterzogen. Während die gut erhaltenen Steine aussortiert und zur Wiederverwendung aufgestapelt wurden, nahmen die unbrauchbaren den Weg in den Schuttcontainer. Die Zimmerer der Zimmermannsfirma Denkmalbau GmbH aus Ettersburg wiederum begannen, sich der verrotten Dach- und Deckenbalken anzunehmen.

"Ende November soll das Dach wieder verschlossen sein. Das sind nur noch acht Wochen. Ich muss Geduld lernen", bemerkt Thomas Kruse und blickt Richtung Himmel. Ob sich seine Hoffnung auf mildes Herbstwetter erfüllt, bleibt abzuwarten. Seine Sorge, dass Sturm und Starkregen eine Gefahr für das mit Planen gesicherte Kirchendach werden könnten, ist jedoch durchaus verständlich. Schließlich ist das im 14. Jahrhundert erbaute Kirchlein in baulicher Hinsicht nicht in bester Verfassung. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Erhaltung der Bausubstanz "etwas vernachlässigt", so Kruse. Bauarbeiten, die in den 1960er Jahren erfolgten, wurden nicht fachgerecht erledigt. Es kam zu Folgeschäden, die dem Kirchlein im Verlauf der Zeit zusetzten - äußerlich wie innerlich.

In den zurückliegenden Wochen und Monaten haben die Mitglieder des Fördervereins bereits viele Unterstützer gewonnen, die den Kreis der Kirchenretter wachsen ließen. Darauf ausruhen können sie sich jedoch noch lange nicht. Damit die Finanzierung der 420.000 Euro teuren Rettungsaktion gelingt, muss weiter sensibilisiert, muss weiter um Sponsoren geworben werden.

Ist die Dach- und Deckeninstandsetzung beendet, werden Elektroarbeiten erledigt, alte Fenster restauriert, usw.. "Parallel zu alldem werden der Restaurator Udo Drott und der Bauhistoriker Thomas Langer Untersuchungen hinsichtlich der von früheren Handwerkern verwendeten Materialien und zur Baugeschichte der Kirche vornehmen", erklärt Kruse weiter. Die im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den Planungen erfolgte historische Bestandsaufnahme, förderte bereits einige Überraschungen zu tage. So trug die Kirche, anders als heute, ehemals ein Tonnendach und im Innern der Kirche schlummert unter dem Weiß der 1960er Jahren eine prachtvolle Ausmalung.

In 2017 soll dann der nächste Bauabschnitt starten, in dessen Rahmen unter anderem Fassaden- und Innenputzarbeiten erledigt werden sollen. Und im Jahr darauf? "Dann können wir ein kleines Jubiläum feiern", verrät Thomas Kruse und deutet auf die im Jahr 1618 von Heinrich Borstelmann aus Magdeburg gegossene Kirchenglocke im Türmchen. Ihr 400. Geburtstag steht in 2018 bevor.

Märkische Onlinezeitung vom 06. Oktober 2016

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