Kirche und Kultur sollen Hand in Hand gehen

Förderverein der Kirche Altbelgern setzt erste Achtungszeichen / Sonntag Erntedankfest

ALTBELGERN Der vor einem Jahr gegründete Förderverein der Kirche zu Altbelgern hat Achtungszeichen gesetzt. Erste Konzerte und Vorträge zeigen an, dass Kirche und Kultur fortan in Altbelgern Hand in Hand gehen sollen. Die Vereinsaktivitäten bereichern das dörfliche Leben und kommen damit sowohl den Einwohnern als auch dem Gotteshaus selbst zugute.

Die Kirche in Altbelgern: Einheimische wollen dem Gotteshaus "zur Seite stehen".
Foto: sk

Im kleinen Dorf nahe Martinskirchen ist man sich schon lange bewusst, dass man irgendwie irgendwas auf die Beine stellen müsste. Die nach einem Brand wieder aufgebaute und 1818 eingeweihte Kirche bedarf nach Ansicht vieler Einwohner einer grundlegenden Sanierung. Der im Vorjahr gegründete Förderverein will diese ein Stück weit vorantreiben, begleiten und mitfinanzieren.

"Aufsteigende Feuchtigkeit macht dem Mauerwerk zu schaffen. Die Rahmen der Kirchenfenster sind morsch geworden, sodass die Verglasung herauszufallen droht. Und die geputzte flache Strohdecke weist erste Risse auf", fassen die Mitglieder zusammen, was im Argen liegt.

Nach gerade mal einem Jahr ist natürlich längst noch nicht so eine Summe "angespart", die schon große Sprünge zulassen würde. Aber es ist schon viel passiert, zum Beispiel bei einigen Aufräumeinsätzen. Es gibt schon neue Fenster im Tumr, und ein Auftrag ist ausgelöst. Der betrifft das Aufarbeiten der Eingangstür.

Weitaus bedeutsamer scheint aber der Fakt, dass die Vereinsgründung in Altbelgern für einen Ruck gesorgt hat. Nicht nur, dass sich von den 58 Einwohnern gleich 15 bereiterklärt haben, mitzumachen. Sondern auch, dass "die Achtsamkeit deutlich gestiegen ist, man sich jetzt insgesamt irgendwie für die Kirche, das Grundstück und den Ort verantwortlicher fühlt", sagt Johannes Schneider, der mit nur 20 Jahren sehr junge Vorsitzende des Fördervereins. An seinem Alter stört sich jedoch keiner. Hat er doch schon häufig bewiesen, wie ernst es ihm mit der Sache ist. Und viele Altbelgerner mit ihm.

Der Anfang sei nicht so einfach gewesen. Man habe Kontakte knüpfen und Partner suchen müssen - immer mit der Frage im Hintergrund: Welche Veranstaltung kann man nach Altbelgern in die Kirche holen? Inzwischen wissen die Macher vom Förderverein, dass kleine Konzerte ebenso funktionieren wie beispielsweise Vorträge. Und: "Es spricht sich herum, dass man sich bei uns wohlfühlen kann", berichtet Cornelia Olbrich, die ebenfalls im Vorstand des Fördervereins mitmischt und sich über die Entwicklung freut. Die Altbelgeraner sind auf dem besten Weg, eine Nische zu finden und damit etwas Besonderes für die Region zu schaffen, sodass es ihnen um den Besucherzustrom bei ihren Veranstaltungen nicht bange sein muss und Spenden hoffentlich nicht ausbleiben.

Das Geld ist für die anstehenden Sanierungsarbeiten im Gotteshaus reserviert. Aufgrund einer Begutachtung des Gebäudes, die die Kirchengemeinde in Auftrag gegeben hat, ist bekannt, wo die größten Schwachstellen zu finden sind und welche Priorität welchen Arbeitsschritten eingeräumt werden sollte. Da geht es um Risse im Turm, den feuchten Sockel, die Innendecke, die Orgel und mehr. "Die historische Aufarbeitung der Gebäudegeschichte ist noch in Arbeit", sagt Schneider, dessen Mutter Gemeindekirchenrätin ist und damit zwischen Verein und Kirchengemeinde die Verbindung kaum enger sein könnte.

Es wird Hand in Hand gearbeitet. Insbesondere auch bei den Veranstaltungen. Die Nächste: Sonntag wird Erntedankfest gefeiert. Es beginnt 17 Uhr mit einem Gottesdienst mit Superintendent Pfarrer Enders. Anschließend ist geselliges Beisammensein bei Federweißer, Zwiebelsuppe, Zwiebelkuchen und mehr im Pfarrgarten angesagt.

Dem will man sich ohnehin zukünftig widmen, lässt Johannes Schneider anklingen. Für Veranstaltungen im Freien ist dieser bestens geeignet. "Wir wollen den alten Pfarrgarten einer vielseitigen Nutzung zuführen", erzählt der Fördervereinsvorsitzende und weiß, dass noch viel Arbeit auf die Vereinsmitglieder und Helfer wartet. Aber ein Anfang ist bereits gemacht. Im Sommer fand eine Beräumung des seit Jahren ungenutzten Geländes statt. Nun ist man dabei zu planen, wie es weitergehen kann und wie die Gestaltung aussehen soll.

Sylvia Kunze

Lausitzer Rundschau vom 30. September 2016

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