Gabriele Herrmann

Engel von hohem Rang in Trechwitzer Kirche

Der Taufengel schwebt bei der Taufe über dem Kind und hält in den ausgestreckten Armen die Schale mit Taufwasser.
Foto: Herrmann © MZV

Trechwitz (MZV) Schutzengel haben in der heutigen Zeit wieder Hochkonjunktur. Es gibt sie in den verschiedensten Formen und Größen. Auch für eine Kirchengemeinde sind sie heute wieder etwas ganz Besonderes. So ist eine Taufe immer etwas Schönes und wird viel ansprechender, wenn ein Engel die Taufschale hält. Sie schwebten früher über dem Kind und hielten in den ausgestreckten Armen die Schale mit Taufwasser. So wie in der Trechwitzer Dorfkirche. Dieser stammt vermutlich aus dem Baujahr der Kirche, von 1750 und war durch den Verlust des originalen Taufbeckens jahrelang zu einem "profanen" Engel degradiert. Durch die Initiative von Pfarrerin Christiane Klußmann und dank einer großzügigen Spende von Herbert Bienewitz konnte der Himmelsbote nun mit einem Gottesdienst seine ursprüngliche Berufung als Cherubim einen Engel von hohem Rang wiederaufnehmen. Eine alte Postkarte diente der Flensburger Bildhauerin Luise Harfmann als Vorlage für das Becken. Sie hat es im Auftrag der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde nun in Form einer Muschel aus Lindenholz rekonstruiert und damit den Taufengel wieder komplettiert. Der Taufengel gehört zu den Prinzipalstücken einer evangelischen Kirche wie Altar und Taufstein. Reformator Martin Luther soll viel von Engeln gehalten haben und so soll in den evangelischen Kirchen der Brauch aufgekommen sein, dass es Taufengel gab. Nach dem Barock und der Aufklärung fielen die Himmelsboten vielerorts in Ungnade. Sie wurden abgehängt, vernichtet oder wurden zu einem Lesepult. Die Taufschalen standen nun auf Steinen. Mittlerweile haben die Taufengel auch eine kunsthistorische Bedeutung: "Sie sind ein Beleg für die Fertigkeit und Meisterschaft der damaligen Künstler und Handwerker", wie Generalsuperintendentin Heilgard Asmus in ihrer Predigt erzählte. "Wir freuen uns, dass dieser wunderschöne Taufengel nun restauriert wurde. Er ist ein Beispiel der christlichen Ikonographie. Ein Sinnbild der Gnade, die Gott in der Taufe den Menschen entgegenbringt. Genau das werde auch heute wieder bildhaft", so Heilgard Asmus weiter. Dabei ist er Trechwitzer Cherubim wie viele seiner Art kein exotisches Wesen, sondern eine recht lebensnah geschnitzte Gestalt, in faltenreiche Gewänder gehüllt. Auch das Geläut der Dorfkirche hat Seltenheitswert. Es handelt es sich bei einer der Kirchenglocken um ein frühes Meisterwerk, das der Lehniner Abt Heinricius 1233 stiftete. Damit findet man hier Brandenburgs älteste Glocke. Kai-Uwe Maske hofft, dass nun auch mehr Besucher in die Kirche kommen. "Leider besuchen nur wenige Trechwitzer oder Menschen aus der Umgebung die Kirche. Meist sind es Urlauber die nach dem Schlüssel fragen", bedauert der Kirchendiener. Als nächstes soll die Tür in Ordnung gebracht werden. Dann geht es dem Holzwurm an den Kragen. Der Kirche wird, im wahrsten Sinne des Wortes, richtig eingeheizt. Mit einer Temperatur von 60 Grad wird der Schädling vernichtet, erklärte Uwe Maske. Eine Behandlung die etwa 18000 Euro kostet.

Märkische Onlinezeitung vom 28. September 2016

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