Tornow

Die Kirche soll wieder läuten

Die Kirche in Tornow soll wieder läuten. Für einen Neubau am Gotteshaus müsste allerdings jemand Fördergeld beantragen – nur wer? Darüber hat es bei der jüngsten Sitzung des Wusterhausener Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus, der im Gutshaus tagte, einen handfesten Streit gegeben.

Seit Mitte der 1960er Jahre hat die kleine Kirche in Tornow keinen Turm mehr.
Quelle: Wolfgang Hörmann

Tornow. Es ist jetzt 51 Jahre her, da krachte es im kleinen Tornow, dem Nachbardorf von Bantikow und Sechzehneichen, ganz mächtig. Mit gewaltigem Bums verabschiedete sich die Glocke aus dem Glockenstuhl der Kirche und stürzte ab. Das morsche Gebälk im Turm hatte den Schwingungen beim Läuten während einer Trauerfeier nicht mehr widerstehen können. Verletzt wurde damals niemand.

Allerdings war in der Folge der gesamte Turm nicht mehr zu halten. Er wurde abgetragen. Die Glocke bekam eine hölzerne Behausung auf dem Erdboden neben dem Gotteshaus und ihre Funktionsfähigkeit zurück. Der Zustand hält bis heute an, wenngleich Gottesdienste eher selten geworden sind. Im Schaukasten vor dem Areal mit der Gutskirche wird für den kommenden Monat lediglich einmal eingeladen, zum Erntedank am 3. Oktober.

Spendenstock ist gut gefüllt

Kein Turm, kein Geläut von oben. Die Logik ist schlüssig, was nicht heißt, dass der Ist-Zustand bis in alle Ewigkeit so bleiben muss. Jedenfalls sieht man das so im Verein „Lennépark und Kirche Tornow“. Vorsitzende des Vereins ist Birgit von Dallwitz-Theiselmann. Sie glaubt: „Die Voraussetzungen für eine Veränderung waren vielleicht nie besser als gegenwärtig.“ Dafür spricht einiges. Es gibt einen Spendenstock, über Jahre gut gefüllt hauptsächlich dank der Kirchgänger aus Tornow, Sechzehneichen und Wulkow. Auch die Genehmigung für den Bau eines neuen Turmes liegt vor, sogar schon seit 2012. In zwei Jahren verfällt sie allerdings auch schon wieder. Handeln tut also Not. Zu den Eigenmitteln könnte dringend benötigtes Fördergeld von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fließen oder vom Leader-Verein, einem Förderverein der Europäischen Union. Nur: Wer stellt die Anträge?

Darüber hat es bei der jüngsten Sitzung des Wusterhausener Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus, der im Gutshaus tagte, einen handfesten Streit gegeben. In der Großgemeinde besteht das Kuriosum, dass bis vor Kurzem drei Gotteshäuser – jene in Tramnitz, Tornow und Gartow – der Kommune gehörten. Diese Konstellation ist das Ergebnis von Enteignungen in den endvierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und nicht wieder erfolgter Rückübertragung nach der politischen Wende in der DDR.

Bürgermeister erntete Widerspruch

Im Wusterhausener Rathaus ist man alles andere als glücklich ob dieser Tatsache und bemüht sich nach Kräften um Veränderungen. Im Falle Gartow mit Erfolg. Hier gab es eine Eigentumsübertragung an die evangelische Kirchengemeinde in Wusterhausen. Tramnitz und Tornow lehnten solche Angebote ab. Die Kirchengemeinden wollen hier langfristig die Nutzer bleiben. Also sollte sich auch die Kirche für Tornow um die Fördermittel bemühen. Diese Position vertrat Bürgermeister Blank während der Sitzung vehement. Er erntete allerdings auch heftigen Widerspruch, besonders vom Ausschussmitglied Christa Kiesel und dem sachkundigen Einwohner Gerhard Ganswindt.

Roman Blank blieb auch am Tag nach dem Treffen im historischen Gutsgebäude bei seiner Ansicht, „zumal der Bauantrag damals von der Kirchengemeinde gestellt worden ist“, wie er gegenüber MAZ nach Akteneinsicht nachschob. „Wir werden die Antragstellung als Verwaltung aber natürlich unterstützen.“

Von Wolfgang Hörmann

Märkische Allgemeine vom 21. September 2016

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