Steffen Göttmann

Wollenberger Kirchturm bekrönt

Wollenberg (MOZ) Nach drei Monaten Bauzeit ist am Freitagvormittag der Turm der Wollenberger Feldsteinkirche bekrönt worden. Ein Kran hob das sechs Tonnen schwere Turmdach mit dem neuen Turmknopf und der Wetterfahne auf den Glockenstuhl.

Historischer Moment: Siegfried Tschärlich befüllt den Turmknopf mit Dokumenten. Frank Grasse und Bernd Ritter (von links) sind bereit, ihn zu verschließen.
© MOZ

Volksfeststimmung herrschte am Freitagmorgen in Wollenberg. Obwohl der Ort nur 123 Einwohner hat, verfolgten gut 200 Menschen das Spektakel. "Ich finde es herzzerreißend, was hier passiert. So etwas werde ich wohl nicht wieder erleben", schwärmte Werner Lutter. Mit der Fotokamera verfolgte der Wollenberger, wie das Turmdach allmählich nach oben gehievt wurde. Werner Lutter ist Mitglied im Förderverein Feldsteinkirche Wollenberg, der sich im März 2013 gegründet hat und seitdem für die Sanierung der Kirche kämpft.

Mitarbeiter der Zimmerei und Dachdeckerei Ronald Desem aus Oderaue hatten den Turmknopf aus Kupfer vorbereitet. Darin eingearbeitet ist eine Hülse. Vereinsvorsitzender Siegfried Zschärlich rollte Dokumente vom Bau der Kirche, eine Dorfchronik und die aktuelle MOZ zusammen und steckte die Rolle in die Hülse. Hinzu kam noch ein Säckchen Münzen mit einem Satz Euro-Stücke, mit DM- und DDR-Münzen. Auch die Turmknopfurkunde von 1917, die Pfarrer Johannes Reimer und Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums Bad Freienwalde, in dem alten Turmknopf fanden, kam wieder hinein. Schmook nahm eine Abschrift vor, das Original verwahrt der Pfarrer. "Wir sind der Empfehlung von Herrn Schmook gefolgt und haben säurefreies Papier genommen", sagte Siegfried Zschärlich. So sei sichergestellt, dass das Papier länger hält.

Frank Grasse und Bernd Ritter von der Firma Desem verschlossen die Hülse. Anschließend wurden Turmknopf und Wetterfahne auf dem Kaiserstiel befestigt, so wird die Kirchturmspitze genannt. Der mit Kupfer beschlagene Eichenpfahl ragt bei der Wollenberger Kirche 1,60 Meter hoch aus dem Turm. Bald werde das Kupfer oxidieren und sich grün färben, sagte Bauleiter Wolfram Schwelgin vom Ingenieurbüro ibs in Hoppegarten, der schon viele Kirchen saniert hat, darunter die Gotteshäuserer in Cöthen, Sternebeck und Pritzhagen. Die Zahl 1790 an der Wetterfahne, mit der der Turm fast 21 Meter hoch ist, erinnert an das Jahr, in dem der Turmschaft aufgebracht wurde.

Die Turmbekrönung markiert einen Bauabschnitt der Kirchensanierung. Der erste Bauabschnitt betrifft den Turm, beim zweiten werden Dachstuhl und Dachziegel des Kirchenschiffs erneuert, der dritte Bauabschnitt widmet sich der Fassade. "Wir hatten massive Schäden am Holzfachwerk des Turms", erläuterte Wolfram Schwelgin. Die Dachbalken über der Orgel mussten komplett ersetzt werden. Problem sei, dass es zwischen Turm und Dach durchgeregnet habe. Geplant war, nur die Balkenköpfe zu ersetzen. Doch dies reichte nicht aus. Dass ein Balken an vier Stellen durch Nässe beschädigt war, habe sich erst während der Bauphase ergeben, als die Dielung heruntergenommen wurde, so Schwelgin. Geplant war, den Turm mit Lärchenholz zu verkleiden. Doch dann habe sich ergeben, dass Schiefer kaum teurer sei, so dass man sich für das Original entschied. Schieferplatten waren bei Grabungen an der Kirche entdeckt worden.

166 000 Euro kostet der erste Bauabschnitt, der Mitte Oktober abgeschlossen sein wird. Das Geld kommt neben dem Eigenanteil der Kirchengemeinde von der Landes-, der Kreiskirche, der Denkmalstiftung und weiteren Institutionen. "Ich hatte schon ein gutes Gefühl, als der Bau begann", sagte Zschärlich. Doch die Turmbekrönung sei etwas Besonderes. Der Tiefpunkt sei für ihn gewesen, als vergangenenes Jahr zunächst die Fördermittel abgesagt wurden. Da stand der Verein kurz vor der Auflösung. Von den 123 Wollenbergern sind nur 28 Kirchenmitglieder. Im Förderverein kämpfen Christen und Nichtchristen um das gleiche Ziel. "Wir sind ein Kern von zehn Leuten, die immer da sind, wenn ich rufe", so Zschärlich. Viele Bürger seien nicht im Förderverein, helfen aber, wenn Not am Mann ist. Pfarrer Reimer lobte die Zusammenarbeit mit dem Förderverein. "Alle haben dazu beigetragen."

Märkische Onlinezeitung vom 26. August 2016

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