Kirchen in der Prignitz

Ein Buch öffnet Kirchentüren

Über 270 Gotteshäuser und Kapellen in der historischen Prignitz in schön gestaltetem Band dargestellt

Autor Wolf-Dietrich Meyer-Rath, die Grafikerin Kathrin Reiter sowie Superintendent Daniel Feldmann (v. r.) freuen sich über den neuen Kirchenführer.
Foto: Carlo Ihde
 
Repro: Lukas Verlag

Es sei etwas Besonderes in der Region, dass fast jedes Dorf eine eigene Kirche habe, schätzt der Autor, Architekt und Kirchenkenner Wolf-Dietrich Meyer-Rath ein. „Das hat mit dem mittelalterlichen Patronatssystem zu tun. Und das Spannende ist: Sie sehen alle recht unterschiedlich aus.“ Um dieses kulturelle Erbe der historischen Prignitz zu würdigen und für Einheimische wie Touristen informativ darzustellen, ist nun der Kulturführer „Die Kirchen und Kapellen der Prignitz“ erschienen, in einer Erstauflage von 1500 Stück.

Das Buch ersetzt den Führer „Kirchenkulturlandschaft Prignitz“ aus dem Jahr 2013. Dieser sei in mancherlei Hinsicht nicht mehr aktuell gewesen, sagt Daniel Feldmann, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Prignitz. Wenn zum Beispiel Radtouristen über Land fahren und eine interessante Dorfkirche mal von innen sehen wollten, dann sollten die Kontaktadressen dafür noch gültig sein. „Wir haben uns gefragt, welche Adressen beständig sind. Es sind die der Pfarrämter“, so Feldmann.

Bei der Arbeit an dem Buch, das mit einem größeren Fachliteraturteil daherkommt und den Kirchenbestand in der Region erfasst, hätten sich auch manche Bedarfe noch gezeigt: „Die Kirche in Mesendorf ist noch in einem katastrophalen Zustand. Da sie an einer für Radfahrer idealen Strecke liegt, ist da Potenzial z. B. als Radfahrerkirche vorhanden“, so Meyer-Rath. Subjektiv schönste Kirche für den Autor sei die in Grube: „Außerordentlich schön gelegen, hat sie zudem eine Patronatsloge mit den Allianzwappen. Sie bildet mit dem Schloss ein schönes Ensemble.“

Dr. Andreas Draeger Mitglied im kreiskirchlichen Bauausschuss und Mitautor des Buches merkt an: „Wir renovieren ja die Häuser nicht, damit sie höchstens zu Weihnachten oder Hochzeiten geöffnet werden.“ Ziel des Kirchenkreises sei es, die Gemeinden dabei zu unterstützen, die kleinen Dorfkirchen für Interessierte öfter zu öffnen. Das Buch kann ein Schlüssel dazu sein. Und statt der alten Aushänge vor den Kirchen werde es, so Mitarbeiterin Rilana Gericke, bald sogenannte QR-Codes geben, die man mit dem Smartphone abscannen kann, um Informationen über das jeweilige Gotteshaus zu bekommen.

Ein halbes Jahr habe die Arbeit an dem Buch gedauert, so die Pritzwalker Grafikdesignerin Kathrin Reiter. Für die gebürtige Prignitzerin, die auch das Pritzwalker Stadtmagazin gestaltet, war es das erste Buchprojekt überhaupt. „Die Arbeit ist nicht so viel anders. Ein Buch muss jedoch eine etwas andere Wertigkeit haben“, schätzt Reiter ein.

Herausgeber des Bandes ist der Evangelische Kirchenkreis Prignitz, aber auch die alten Kreise Kyritz-Wusterhausen und Wittstock-Ruppin haben sich finanziell beteiligt. Möglich geworden sei die Publikation, so Meyer-Rath, aber nur durch das Engagement weiterer Institutionen, das sind unter anderem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Sparkasse Prignitz und die Studienstiftung Dr. Uwe Czubatynski. Neben 360 farbigen Abbildungen finden sich auch das Radwegenetz und Regionalkarten im Anhang.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath: Die Kirchen und Kapellen der Prignitz. Wege in eine brandenburgische Kulturlandschaft. 224 Seiten, 360 farbige Abbildungen. ISBN: 978-3-86732-253-9. 12 Euro.

Der Prignitzer vom 25. August 2016

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