Die Spur führt zu den Kreuzfahrern

Kirche als Kulturtreff vorstellbar

Die vermutlich älteste Grabplatte Brandenburgs befindet in der Dorfkirche von Buckau (Potsdam-Mittelmark). Eine Jahreszahl für die verstorbene Ehefrau eines Ritters gibt es nicht mehr. Doch ein uraltes Zeichen führt in die Zeit der Kreuzfahrer.

Blick auf den Buckauer Altar mit dem Grabstein der Gertrudis als Trittstufe.

Buckau. Die Buckauer Kirche ist das älteste erhaltene Gotteshaus im weiten Umkreis des Vorflämings. Wer genauer wissen will, wann der Feldsteinbau errichtet wurde, muss der Spur der Kreuzritter folgen. Auf dem Grabstein, der als Stufe zum gotischen Schnitzaltar dient, ist das vom Heiligen Bernhard von Clairvaux entworfene Kreuz für den 2. Kreuzzug im Heiligen Land zu sehen. Für Thomas Gandow, Pfarrer im Ruhestand und Vorsitzender des Buckauer Dorfkirchenvereins, lässt dieses uralte Logo nur einen Schluss zu: „ Die Grablegung in Zusammenhang mit der Errichtung der Stiftskirche muss um 1150 bis 1200 erfolgt sein.“ Denn der Kreuzzug begann 1147 und endete nach mehreren Niederlagen der Kreuzfahrer im Heiligen Land im Jahr 1149 als Misserfolg.

Der Grabstein erinnert allerdings nicht an einen Kreuzritter, sondern an eine „Ehefrau Gertrudis“. Möglicherweise eine aus Flandern stammende Buckauerin, die vielleicht Frau eines unter die Kreuzfahrer gegangenen Burghauptmanns war. „Die damals kostspielige Sandsteingrabplatte lässt darauf schließen, dass mit ihrem Tod der Bau der Kirche veranlasst wurde. Und zwar zu Ehren ihrer flämischen Namenspatronin, der Heiligen Gertrud von Nivelles“, so Thomas Gandow vom Kirchenförderverein. Diese Heilige Gertrud gehört als Figur zu den vier heiligen Jungfrauen, die in dem wunderschönen Flügelalter Maria mit dem Jesuskind umgeben.

Die Buckauer Kirche kann noch mit weiteren Besonderheiten aufwarten. Da wäre der barocke Taufengel, den Thomas Gandow und seine Ehefrau Ute 1999 bei der Renovierung der Pfarrscheune im Hühnerstall unter Brennholz entdeckten. Heute schwebt der Engel wieder restauriert im Chor der Kirche. Stolz sind die Buckauer auch auf ihre sanierte Orgel, die 1864 in der Werkstatt des Magdeburger Orgelbauers Carl Böttcher entstand. Gute Gelegenheit für einen Ausflug nach Buckau bietet der Tag des offenen Denkmals am 11. September. Um 15 Uhr findet unter Leitung von Kirchenmusiker Thorsten Fabrizi ein Marien-Konzert mit Orchester, Solisten und Projektchor statt. Zu Gehör gebracht werden Vivaldis Magnificat und Rheinbergers Stabat-mater-Vertonung. bür

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine vom 25. August 2016

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