Restaurierung der Schilder Kirche

Schildes Kirchturmspitze bekrönt

Goldene Turmkugel feierlich enthüllt / Gotteshaus könnte bis zum Reformationstag komplett saniert sein, wenn alles nach Plan läuft

In 20 Metern Höhe: Mitarbeiter von der Klempnerei Weber setzten der Schilder Kirche gestern die Turmkugel auf.
Foto: Carlo Ihde

Zwei Kupferröhren stehen gestern früh an der Kirche in Schilde bereit. In die eine kommen „zwei Tageszeitungen, die Gemeindebriefe, in denen über den Fortgang des Baus berichtet wurde, eine aktuelle Kirchenzeitung, ein paar Münzen, ein Bericht darüber, was in der Welt, der Prignitz und in Schilde gerade so los ist, sowie – sehr gut verpackt – ein Speicherstick mit den Bauprotokollen,“ erklärt Pfarrer Sacha Sommershof die Beigaben. Die andere Röhre enthält die Materialien, die bei der letzten Restaurierung der Spitze 1988 eingebracht wurden. Es sind Zeitdokumente, die spätere Generationen an die Arbeiten erinnern sollen. Dann werden die Röhren für die Ewigkeit verlötet und auf den Kirchturm getragen. Sie finden ihren Platz in der vergoldeten Turmkugel, die gestern in luftiger Höhe aufgesetzt wurde.

„Für mich ist es das erste Mal, ich hatte noch nie eine Bekrönung“, sagt Pfarrer Sommershof sichtlich gelöst. Monatelange Arbeit an dem mittelalterlichen Gotteshaus liegen hinter den Handwerkern, dem Gemeindekirchenrat als Bauherrn und dem Kirchenkreis. Gestern konnte mit der Bekrönung auf dem etwa 20 Meter hohen Kirchturm der „glänzende Abschluss der wichtigsten Arbeiten“ gesetzt werden, so der mit diesem besonderen Unterfangen beauftragte Klempnermeister Mathias Weber aus Saarmund bei Potsdam. Ebenso wurde die Wetterfahne wieder mit angebracht, neu mit Gewichten ausbalanciert, damit sie stabil im Wind steht. Kugel und Fahne signalisieren, dass ein Ende der Bau- und Restaurierungsarbeiten immer näher rückt. „Es hat ja insgesamt schon eine ganze Weile gedauert“, sagt Hiltraud Pachura, Schildes Kirchenälteste, die die Arbeiten schon lange begleitet.

Von zirka zwei Jahren Planungsvorlauf spricht Dr. Andreas Draeger, Mitglied im kreiskirchlichen Bauausschuss. Nicht alles ließ sich am Anfang bereits planen. So sei etwa der Kirchturm maroder gewesen als gedacht. „An sich war von der Aufgabenstellung und dem Schadensbild her das Übliche zu erwarten“, macht Architekt Matthias Wieck aus Perleberg deutlich. Die Probleme treten häufig am Dach auf. Durch das Alter, die Witterung und mangelhafte Pflege zu DDR-Zeiten müssen oft tragende Holzkonstruktionen komplett ausgetauscht werden. Am Schilder Kirchturm, der in Fachwerkbauweise ausgeführt ist, mussten die Bodenschwellen neu gegründet und viele Fachwerke neu gemauert und verputzt werden. „Ich bin jetzt ganz glücklich, vor allem, dass der Turm wieder standsicher ist. Die Schäden waren ursprünglich gar nicht abzusehen“, schildert Pfarrer Sommershof. „Es ist ja klar, dass man an Kirchen dauernd was zu tun hat, aber innerhalb des ehemaligen Kirchenkreises ist Schilde das letzte Gotteshaus mit diesem Sanierungsbedarf. Die großen Überraschungen, wie beim Turm, werden wir wohl im weiteren Verlauf nicht mehr erleben“, schätzt Dr. Draeger ein. Zur Bauberatung steht in Schilde auch der Lenzener Restaurator Björn Schewe bereit. Für ihn werde es an dem alten Gotteshaus ebenfalls noch einiges zu tun geben. „Es tauchen überall alte Farbschichten auf, möglicherweise sogar Malereien. Wenn an so einer Kirche etwas angefasst wird, gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Es gibt zum Beispiel ein Weihekreuz aus der Bauzeit der Kirche, das an der Ostwand liegt, aber vom Dach der Gruft verdeckt ist. Erst jetzt, da das Dach aufgenommen wurde, sieht man den Restaurierungsbedarf“, so Schewe.

Gern würde man mit der kompletten Fertigstellung der Kirche ein besonderes Datum einhalten können: den Reformationstag am 31. Oktober. „In den nächsten zwei bis drei Wochen wird sich entscheiden, ob wir das schaffen“, blickt Dr. Andreas Draeger voraus.

Der Prignitzer vom 23. August 2016

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