Thomas Berger

Einst vor dem Abriss gerettet

Münchehofe/Mü (MOZ) Sie sind in aller Regel die ältesten Bauwerke in den Orten, steinerner Brückenschlag zwischen den Jahrhunderten. Die MOZ stellt in einer Serie die Kirchen der Region vor. Heute: Dorfkirche Münchehofe bei Müncheberg.

Bescheidenes Kirchlein mit Ausstrahlung: Münchehofe war nie ein großer Ort, die Dimension seines Gotteshauses ist entsprechend.
© Thomas Berger

1972 hatte es einen schweren Sturmschaden gegeben. Und wäre es nach den Plänen aus den 1980er-Jahren gegangen, würde sie heute nicht mehr stehen. Seinerzeit war nämlich der Abriss der stark sanierungsbedürftigen Kirche ins Auge gefasst. Doch bei dieser Rechnung hatte man die Verbundenheit der Dorfbewohner mit dem Bauwerk unterschätzt. Dank der Eigeninitiative der Münchehofer konnte 1988 immerhin schon das Dach erneuert werden. Und noch einmal ein knappes Jahrzehnt später, 1997 - inzwischen hatten sich die gesellschaftlichen Rahmenumstände verändert, war die DDR verschwunden und Deutschland wiedervereinigt -, hoben die Engagierten den Förderverein Alte Kirche Münchehofe Märkische Schweiz aus der Taufe. Dieser war im Verbund mit der Kirchengemeinde schließlich im Stande, das große Sanierungs- und Wiederaufbauwerk umzusetzen. <

"Ja, ohne den Förderverein sähe es hier deutlich anders aus", betont Dieter Jost, der scheidende Pfarrer von Müncheberger Land, der sich allein um neun Orte und Kirchenbauten kümmern muss und deshalb sehr froh ist, dass im kleinen Münchehofe so viel in Eigeninitiative erfolgt. Der Verein hält die Kirche für Besucher offen, und es sind so einige, die gerade auf dem durch das Dorf führenden Fernradweg R 1 vorbeikommen, anhalten und begeistert sind von dem Kirchlein mit seiner Innenausstattung. Wechselnde Ausstellungen finden hier statt. Und der Wurzelaltar, der nach der Sanierung statt des historischen Flügelaltars (der nun in Fürstenwalde steht) hier installiert wurde, ist in dieser Form einzigartig. Ebenso wie das fast 200 Jahre alte mächtige Türschloss, zu dem ein geradezu riesiger Schlüssel gehört.

"Es war seinerzeit ein ziemlicher Kampf, das mit dem Wurzelaltar durchzukriegen", erinnert sich Jost. Und auch bei einigen anderen Punkten in Zusammenhang mit dem Wiederaufbauwerk war in den Diskussionen Überzeugungsarbeit zu leisten. Doch seither nun ist die Kirche, seit Anbeginn das Zentrum des Dorfes, wieder ein echtes Schmuckstück.

Jeweils nahezu quadratisch sind Schiff und Choranbau. Nicht aufgrund von schriftlichen Erwähnungen, sondern anhand der architektonischen Strukturen wird der Ursprung des Kirchenbaus auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert, vermutlich 100 Jahre später fanden die ersten Umbauten und Erweiterungen statt. Früher gab es auch mal eine Sakristei, die aber später wieder verschwand. Die Stelle, wo sich einst auf der südlichen Seite ein zweiter Eingang befand, ist bis heute noch klar ersichtlich.

Der Giebelturm mit seinem schiefergedeckten Pyramidendach dürfte aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammen. Womöglich hatte der Kirchenbau im Zuge der Kriegshandlungen größere Schäden davongetragen, denn auch obere Teile des Mauerwerks an anderen Stellen legen den Schluss nahe, dass damals (also ab zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts) größere Reparaturen oder Wiederaufbauten vonnöten waren. Heute jedenfalls ist alles wieder intakt, und auch die feldsteinerne Friedhofsmauer wurde wieder so hergerichtet, dass das Gesamtensemble nicht nur die vorbeikommenden Radwanderer innehalten lässt.

Märkische Onlinezeitung vom 19. August 2016

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