Niendorfer wollen ihre Kirche retten

Interessengemeinschaft gegründet / Künstler malen für guten Zweck / Erstes Kirchenkino

NIENDORF Idyllisch neben dem Dorfteich steht Niendorfs Kirche auf dem Dorfanger. Doch sie hat fingerdicke Risse, von den Außenwänden blättert der Putz. Einwohner gründeten eine Interessengemeinschaft (IG), sie wollen ihre Kirche retten. Künstler helfen dabei.

Bürgermeister Werner Schröder macht sich mit den IG-Mitgliedern Herbert Schäfer, Miriam Blümel, Eckhard Krähe und Jana Wiesinger (v.l.n.r.) ein Bild vom maroden Gotteshaus. Mit dabei sind auch Malerin Kerstin Heinze und Pfarrer Carsten Rostalsky (3. und 5. v.l.).
Foto: Carmen Berg

Das Gotteshaus ist nicht so alt, wie der erste Blick vermuten lässt. Der Vorgängerbau wurde 1808 abgerissen, die Steine wurden für 500 Mark an die Bauern verkauft, besagt die Chronik. Doch Niendorf ohne Kirche schien wohl schon den Vorfahren ein Unding. Im August 1909 begann der Wiederaufbau auf den alten Fundamenten. Gerade das aber könnte für die Standfestigkeit zum Verhängnis geworden sein, sagt IG-Mitglied Herbert Schäfer. Der Dorfteich, von dem ein Teil vor Jahren zugeschüttet wurde, könnte zudem Auswirkungen auf den Baugrund haben, ergänzt Bürgermeister Werner Schröder (parteilos).

Ein früheres Gutachten hatte Setzungen am Fundament bestätigt und den Sanierungsaufwand auf 500 000 D-Mark (rund 250 000 Euro) beziffert. Damals nicht untersucht worden seien Verschiebungen in der Dachstuhl-Statik, deshalb könnten die nötigen Bauleistungen womöglich weitaus teurer werden, fürchtet Herbert Schäfer.

Kommune ist Besitzer

Aufkommen müsste der Eigentümer. Das Gotteshaus gehört nicht der Kirchengemeinde, sondern der Kommune Ihlow, zu der Niendorf gehört. „Wir haben das lange nicht gewusst“, sagt Bürgermeister Schröder. Drauf gekommen war man 2008, als der Winterdienst auf dem Gelände ein Thema zwischen Gemeinde und Kirche gewesen sei, erinnert sich Pfarrer Carsten Rostalsky.

Wie und warum die Gemeinde Kirchenbesitzer wurde, ist unklar. Fest steht aber: Ihlow mit insgesamt nur rund 800 Einwohnern in sechs Ortsteilen ist klamm bei Kasse, insbesondere wegen Rückzahlungsforderungen von 170 000 Euro durch den Luckauer Trink- und Abwasserzweckverband. „Wir müssen jeden Cent umdrehen“, so Werner Schröder. Zurückhaben will die Kirche das Bauwerk nicht. Nur noch einmal im Quartal finden Gottesdienste statt. „Heiligabend ist die Kirche halb voll“, beschreibt Carsten Rostalsky diplomatisch die Auslastung.

Der Pfarrer bietet Unterstützung an, betont aber auch: „Der Schlüssel für die Zukunft des Gotteshauses liegt in Niendorf.“ Anläufe gab es schon mehrfach, wie zu hören ist. Jana Wiesinger ist zuversichtlich. „Diesmal klappt das.“ Die junge Niendorferin gehört zu den Initiatoren der IG. „Wenn die Jungen vorlegen, können wir Älteren nicht zugucken“, so Herbert Schäfer.

Malerin Kerstin Heinze aus Dahme hat die Kirche ins Bild gesetzt.
Foto: Carmen Berg

In ersten Schritten wollen sich die Niendorfer ein tragfähiges Nutzungskonzept für ihre Kirche überlegen und Partner suchen, die bei einem erneuten Gutachten und später bei einzelnen Bauetappen unter die Arme greifen. Rat holen wollen sie sich beim Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz, in der Dahmer Amtsverwaltung, aber auch in Orten, wo die Wiederbelebung der Dorfkirchen schon erfolgreich funktioniert.

Bürgermeister Schröder wird die Sanierung bei der nächsten Gemeindevertretersitzung Ende September auf die Tagesordnung setzen. „Bis dahin wollen wir klären, wie wir der Interessengemeinschaft den Rücken stärken können“, kündigt er an. „Es wird ein langer Weg“, wissen Jana Wiesinger und ihre Mitstreiter.

Doch ein Anfang ist gemacht und wird an ersten Zeichen sichtbar. Die Blicke auf sich zieht am Eingang neuerdings ein Bild vom Gotteshaus, ein Geschenk der Dahmer Malerin Kerstin Heinze. Eingeladen von der Interessengemeinschaft, sei sie von der Kirche so fasziniert gewesen, „dass ich das Bild an einem Tag fertiggestellt habe.“ Mit Malerkollegen der Gruppe KunstArt kam sie kurz darauf wieder. Eine Idee ist es, die Skizzen, die dabei entstanden, in einer kleinen Ausstellung in der Kirche zu zeigen.

„Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir Menschen über das eigene Dorf hinaus für unsere Kirche interessieren“, sagt Jana Wiesinger.

Stummfilme mit Live-Musik

Ein Highlight und eine Anregung für Kommendes steuert schon nächste Woche Pfarrer Rostalsky bei. Er hat für Freitag, 26. August, um 19.30 Uhr, das erste Kirchenkino in Niendorf organisiert. Gezeigt werden die beiden Stummfilme „Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès aus dem Jahr 1902 sowie „Tod in der Orgel“ von Bernhard Gutsche aus dem Jahr 2014. Musikalisch werden die Filme live begleitet von Landeskirchenmusikdirektor Peter-Michael Seifried und vom Briten Leonhard Sanderman. Der Eintritt zu dem besonderen Filmabend ist frei, Spenden sollen der Sanierung der Kirche zugutekommen.

Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 19. August 2016

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