Markus Kluge

Baustart an der Sankt-Georg-Kapelle

Neuruppin (RA) Neuruppins Sankt-Georg-Kapelle ist nun endgültig aus dem Dornröschenschlaf geweckt worden. Die Hüllensanierung des im Jahre 1362 erstmals erwähnten Gebäudes wird seit Dienstag mit den Dacharbeiten fortgesetzt. Wenn alles läuft wie geplant, wird das Gros der Restaurierung Mitte 2017 abgeschlossen sein.

Viel zu tun: Die Sanierung beginnt am Dach, dann geht es am Mauerwerk weiter.
© MZV

Seit mittlerweile zehn Jahren setzt sich der Stiftungsverein für den Erhalt und die Restaurierung des Kirchleins ein, das zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt. "Es ist aufregend. Man lebt alles richtig mit", sagte Vereinsvorsitzende Christine Dabitz.

In den zurückliegenden Jahren hat der Verein rund 100000Euro Spenden gesammelt. Die gleiche Summe sagte außerdem der Bund aus einem Denkmalschutzprogramm zu. Nach den Ausschreibungen wird es damit nun möglich sein, Stück für Stück die Kapelle zu sichern.

In der vergangenen Woche ist das Bauwerk eingerüstet worden. Schon zu diesem Zeitpunkt zogen die Arbeiten das Interesse vieler Passanten auf sich, berichtete Dr.Karl-Heinz Götz vom Stiftungsverein. "Der Gerüstbauer hat selten erlebt, dass sich so viele Menschen nach einem Bauwerk erkundigen", so Götz. Aber den Neuruppinern, liegt die kleine Kapelle am Herzen. Viele hatten dafür gespendet und seien interessiert daran, wenn sich etwas tut. Laut Götz sei es selbst für Spree-Gerüstbau, dass die Sanierung mit einem günstigen Angebot unterstützt, eine besondere Baustelle. Da die Kapelle keine gerade Wand mehr hat, konnte der Betrieb kein gerade Rüstung aufstellen, wie es eigentlich üblich.

Zuerst werden in den kommenden Wochen die Männer von der Treskower Zimmerer und Dachdecker GmbH auf der Kapelle am Werk sein. Sie begannen jetzt damit, das Dach abzudecken, dass vermutlich Mitte der 1980er-Jahre repariert worden war. Straßenseitig sind die Biberschwänze im Jahr 1983 hergestellt worden, wie die Prägungen in den Dachsteinen belegen. Die auf der Rückseite sind laut Architekt Norbert Bünger von "Uns Huesing" deutlich älter: "Vielleicht um die Jahrhundert wende." Diese Ziegel werden vorsichtig gereinigt. Mit zugekauften historischen Steinen sollten sie später das Dach zieren, ohne dass es wie neu erscheint. Die Zimmerer werden zuvor außerdem den Dachstuhl und den Turm erneuern. Das Holz dafür stiftet die Opitz-Unternehmensgruppe.

Am auffälligsten wird sich die Restaurierung wohl auf das Türmchen auswirken. Dieses ist bislang mit einer Art Dachpappe beschlagen, die keinesfalls historisch ist. Architekt Bünger schließt auch aus, dass einst mit Schiefer gearbeitet worden war: "Für eine solche kleine Kapelle hätte man früher nicht den schweren Transportweg hierher auf sich genommen." Historische Aufnahmen gaben aber Aufschluss über den früheren Beschlag. Ähnlich den skandinavischen Stabkirchen war der Turm offenbar mit Schindeln aus Eichenholz eingekleidet. Genau diesen Beschlag wird der Turm wieder erhalten. Darin wird laut Bünger auch die Glocke aus dem 15. Jahrhundert wieder ihren Platz finden. Sie wird derzeit im Museum aufbewahrt, soll in der Kapelle aber wieder läuten. "Erst einmal aber wohl nur von Hand", meint Bünger. Denn eine Läutanlage, wie sie die meisten Kirchen besitzen, wäre mit einer zusätzlichen Investition verbunden.

Um die Statik des Turms und des Mauerwerks müsse sich niemand beim Läuten Gedanken machen, so der Architekt. Schließlich übernehme das zuletzt eingebaute Stahlgerüst innerhalb der Kapelle alle tragenden Funktionen, wodurch Mauern und Turm entlastet sind.

In maximal acht Wochen sollen die Arbeiten an Dach und Turm abgeschlossen sein. Im Anschluss daran wird das Mauerwerk ringsum erneuert, bis der Frost einsetzt. Fehlende oder defekte Steine werden ersetzt und die Reinkalkfugen erneuert.

"Wenn es kalt ist, kann ja dann auch drinnen weitergearbeitet werden", so Christine Dabitz. Dort steht unter anderem die Restaurierung der Bleiverglasung an. Alle sechs Fenster sind schadhaft. "Dafür können wir nicht einfach Scheiben aus China einkaufen. Dafür brauchen wir nach alter Tradition mundgeblasene Fenster", so Bünger. Die Ausschreibungen dafür laufen bereits. Und weil eben alles so originalgetreu wie möglich hergerichtet werden soll, kommt beim Einsetzen und Abdichten der Fenster auch kein Bauschaum zum Einsatz. "Das passiert mit in Kalk getränktem Rosshaar.

Anschließend sind Fußboden, Decke und Wände, bei denen das alte Fachwerk sichtbar bleiben soll, an der Reihe. "Man soll noch die verschiedenen Epochen des Baus erkennen", so Bünger. Eine Fußbodenheizung wird künftig zudem dafür sorgen, dass das Mauerwerk trocken bleibt.

Kulturveranstaltungen werden 2017 vielleicht erstmals in dem Kirchlein stattfinden können. "Alles das wäre ohne die privaten Spenden nicht möglich gewesen", so Bünger. Der Verein sammelt aber weiter, da es viele andere kleine Baustellen gibt. Unter anderem soll die Orgel wieder aufgebaut werden. Das kostet laut Christine Dabitz rund 28000 Euro.

Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September wird der Stiftungsverein die Kapelle von 10 bis 12 Uhr vorstellen. Wer den Verein mit einer Spende unterstützen will, kann diese auf das Sparkassen-Konto IBAN DE16 1605 0202 1720 0447 12 überweisen.

Märkische Onlinezeitung vom 17. August 2016

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