Schönfließ

Umstrittene Reparatur der Dorfkirche

Eines der ältesten Gebäude in Oberhavel wird gegenwärtig saniert – die Kirche in Schönfließ. Dabei ist zwischen dem Gemeindekirchenrat und dem Freundeskreis der Dorfkirche ein Streit über die beste Methode entflammt. Während Horst Tschaut sich eine Diskussion über Dogmen wünscht, stellt Pfarrer Werner Rohrer klar, dass nichts ohne die Denkmalbehörde läuft.

Hinter den Kulissen gibt es Streit um die Sanierung der Schönfließer Dorfkirche.
Quelle: Enrico Kugler
 
Eines der neun Kirchenfenster ist stark beschädigt,
Quelle: Enrico Kugler
 
Die Dorfkirche aus einer besonderen Perspektive.
Quelle: Enrico Kugler

Schönfließ. Als am vergangen Sonnabend Lieder des Mittelalters in der Schönfließer Kirche erklangen, ragte ein Gerüst über die Köpfe der Zuhörer: Die Decke wird repariert, weil Teile des Putzes herabgefallen waren. Die Kostenangebote würden in den nächsten zwei Wochen eintreffen, sagt Pfarrer Werner Rohrer. Bis Ende des Jahres werde die Maßnahme voraussichtlich abgeschlossen sein. Kosten von rund 60 000 Euro habe der Planer dafür veranschlagt. Das Gerüst steht bereits seit vergangenem Herbst im Gotteshaus – aus Sicherheitsgründen und mit einer nur kurzen Unterbrechung.

Die Mitglieder des Freundeskreises Dorfkirche Schönfließ, welche die Ausbesserung der Decke mit 10 000 Euro unterstützen wollen, hätten gern mehr gemacht. So wäre auch eine Wärmedämmung mit Mineralwolle sinnvoll gewesen, sagt Horst Tschaut. Der Mehraufwand hätte sich in Grenzen gehalten. Zudem stehe der Freundeskreis seit drei Jahren in den Startlöchern, um neun der zum Teil defekten Kirchenfenster auszutauschen. „Die Dämmung und die Kirchenfenster wären schon eingebaut, wenn der Denkmalschutz und das kirchliche Bauamt mitgespielt hätten“, sagt Tschaut. Die Dämmung und doppelt verglaste Fenster hätten dazu beigetragen, das nach seinen Worten „muffige und morbide“ Raumklima zu verbessern, so der frühere Prüfstatiker für Bahnanlagen. Über diese beiden Zielstellungen habe 2013 Einigkeit mit dem Gemeindekirchenrat bestanden. Der Kommunalpolitiker und Denkmalschützer wünscht sich deshalb mehr Diskussions- und Kompromissbereitschaft, um die aus seiner Sicht wirtschaftlich und bauphysikalisch sinnvollen Maßnahmen endlich realisieren zu können.

„Wir dürfen nichts machen, wo nicht der grüne Stempel drauf ist“, macht dagegen Pfarrer Werner Rohrer unmissverständlich klar. Bereits im März 2013 seien die Pläne aus dem Freundeskreis von der Denkmalschutzbehörde und dem kirchlichen Bauamt ganz klar abgelehnt worden. Es gebe zum Beispiel widersprüchliche Standpunkte hinsichtlich der Wirkung von mehrfach verglasten Fenstern. Laut Denkmalbehörde werde das Raumklima eher negativ beeinflusst. Die Kirchengemeinde sei zwar Inhaber der Kirche, aber ohne behördliche Zustimmung könne nicht saniert werden. Um so ärgerlicher seien nicht abgestimmte und nicht autorisierte Aktivitäten im Freundeskreis. Dies habe sich inzwischen zum größten Ärgernis seiner bislang zehnjährigen Dienstzeit in der Kirchengemeinde Bergfelde/Schönfließ entwickelt, gibt Rohrer unumwunden zu. „Deshalb mussten wir jetzt die Notbremse ziehen.“ Aufgrund diverser Vorfälle, bei denen unter anderem ohne Wissen der Kirchengemeinde Anträge eingereicht wurden, sei der Gemeindekirchenrat nicht mehr bereit, mit dem aktuellen Vorstand des Freundeskreises der Dorfkirche zusammenzuarbeiten. Dafür werde im Zweifelsfall sogar auf den zugesagten 10 000-Euro-Zuschuss verzichtet.

Fast 800 Jahre alt

Die Kirche in Schönfließ ist eines der ältesten Gebäude im Landkreis Oberhavel. Vermutlich vor 1250 wurde sie als romanischer Quaderbau erbaut.
Die Mauern aus Feldsteinen haben eine Stärke von rund 1,60 Metern.
1877/1878 erhielt die Kirche den jetzigen Kirchturm und somit einen angemessenen Platz für die drei wertvollen Glocken aus dem 14./15. Jahrhundert.
Vor rund fünf Jahren war bereits das Dach erneuert worden.

Von Helge Treichel

Märkische Allgemeine vom 01. August 2016

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