Gubener sammeln Geld für Kirche

Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche kommt auf 246 000 Euro Spenden

GUBEN/GUBIN Der Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche Guben ist das große Ziel des gleichnamigen Fördervereins. Fast eine Viertelmillion Euro an privaten Spenden konnten bisher für das Mammutprojekt gesammelt werden. Die Geldgeber stammen aus allen Teilen Deutschlands.

Mitglieder des Gubener Stadtchores und des Chores Gloria Domine aus Gubin haben Günter Quiel (r.) hier im Jahr 2012 den Erlös eines gemeinsamen Benefizkonzertes übergeben.
Foto: FOTO-Werner/rww1

"Auf einem Kongress habe ich beispielsweise den Stadtarchitekten von Bayreuth kennengelernt", erzählt Günter Quiel. Der Vorsitzende des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche musste seinem Gegenüber natürlich gleich von dem ehrgeizigen Vorhaben der Gubener und Gubiner berichten. "Wir wollen eine der letzten großen Kirchen entlang der Oder-Neiße-Grenze wiederaufbauen, sagte ich ihm damals", betont Quiel. Das ist jetzt fünf Jahre her. Nun aber kommt besagter Architekt Anfang August mit drei eigenen Benefizkonzerten in die Grenzregion. Der Erlös aus den Veranstaltungen soll auch der Stadt- und Hauptkirche zugutekommen.

Solche und ähnliche Geschichten von wohltätigen Geldgebern kann Quiel stundenlang erzählen. "Die Spender kommen von überall her", sagt er. Natürlich sind auch zahlreiche Gubener darunter. So hat der Stadtchor mit seiner Benefizkonzertreihe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 11 482,95 Euro in die Kassen des Fördervereins gespült. Unterstützt wird das Projekt aber beispielsweise auch von Unternehmen wie der Bäckerei Dreißig, der Energieversorgung Guben oder der Gubener Wohnungsgesellschaft. Selbst Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) oder Werner Domain, vielen als letzter Widerständler im abgebaggerten Dorf Horno bekannt, haben Quiel zufolge Geld gegeben. Auf insgesamt 246 000 Euro kommt der Förderverein mit 28 Mitgliedern im elften Jahr seines Bestehens.

"Mein Ziel ist es, aus einem Euro fünf zu machen", betont Quiel. Möglich sei das im Rahmen von Fördermittelprogrammen. Mehr als zwei Millionen Euro sind so bereits in die Kirchruine geflossen. Damit wurden unter anderem das Hallenschiff gesichert, der Hauptturm ausgebaut und mit einer Außentreppe versehen. Vor drei Jahren konnte der Turm als "touristisches Highlight", wie Quiel findet, eröffnet werden. Seitdem gibt es hier regelmäßig Lesungen, Gespräche und Konzerte. Am Turm wird auch weitergearbeitet. "Der Turmkranz soll von außen begehbar werden", sagt Quiel. Doch für dieses Vorhaben sind wiederum rund 70 000 Euro nötig.

Auf rund zehn Millionen Euro wird der Finanzbedarf für den Komplettausbau des ehemaligen Gotteshauses geschätzt. Das Dach der Kirche soll mit einem neuartigen, lichtdurchlässigen Material der Nanotechnologie gedeckt werden. Die Idee dazu stammt von den Architekten des deutsch-polnischen Büros Heinle, Wischer und Partner, die den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb vor drei Jahren gewannen. Die Wettbewerbsjury bezeichnete den Entwurf damals als "nahezu genial".

Woher das Geld für den Ausbau fließen soll, ist jedoch nach wie vor unklar. "Bei dieser Größenordnung würden sogar Guben und Gubin zusammen an der Kofinanzierung scheitern", sagt Quiel. Bei Fördermitteln aus dem EU-Interreg-Programm liegt der Eigenanteil bei 15 Prozent. Im Fall der Stadt- und Hauptkirche wären das 1,5 Millionen Euro. Auch sei die Konkurrenz bei den Anträgen "extrem groß", so Quiel. Dennoch ist er "grenzenlos optimistisch", dass die Finanzierung des Mammutprojektes irgendwann gelingen werde. "Wir müssen nur den einen großen Gönner finden", begründet er.

Zum Thema:

Gubens Stadt- und Hauptkirche wurde 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. Nur noch die Grundpfeiler und der Turm stehen. Heute ist die einstige Pfarrkirche im Besitz der Stadt Gubin. Zum Wiederaufbau riefen vor zwölf Jahren der Gubiner Gemeindepfarrer Zbigniew Samociak und der Gubener Stadtverordnete Günter Quiel (SPD) auf. Die Gubiner gründeten eine Stiftung und die Bauhütte Kirche Gubin, die Gubener den Förderverein. Alle arbeiten bis heute eng zusammen. Aus dem ehemaligen Gotteshaus soll ein europäisches Kultur- und Begegnungszentrum werden.

Silke Halpick

Lausitzer Rundschau vom 28. Juli 2016

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