Gabriele Rataj

Sommerfest soll einen und die Kasse füllen

Ruhlsdorf (MOZ) Durch das kleine Fenster oberhalb des früheren Eingangsportals blinken die Lichter des Kronleuchters einladend und drinnen, vor dem schlichten Kanzelaltar aus dem frühen 18. Jahrhundert mit mühevoll freigelegten alten Farbschichten, füllen sich die Kirchenbänke.

Desolat: der Turm, vermutlich 1707 hinzugefügt
© MOZ/Gabriele Rataj

Einmal im Jahr, zum Gemeindefest des Fördervereins Dorfkirchen Ruhlsdorf und Hohenstein, kommen neben den nicht mehr so zahlreichen Mitgliedern der Kirchgemeinde aus den beiden benachbarten Orten Fördervereinsmitglieder, Gäste und einst hier Aufgewachsene zusammen. 54 hat der junge Fördervereinsvorsitzende Sebastian Fröbrich im Publikum gezählt und ist damit sehr zufrieden.

So ist darunter auch Anneliese Henschke, die mit ihrer Familie heute in Rehfelde lebt und im Kirchengestühl neben der Freundin aus Kindertagen dem Konzert des Gielsdorfer Chors "Fideles" lauscht. Der legt sich ins Zeug, obwohl die schwüle Luft das Singen nicht einfacher macht, wie die Frauen um Dorothea Eckert aus der wenige Kilometer entfernten Kirchgemeinde wissen.

Doch sie schmettern "Wir feiern ein Fest der Freude", empfehlen "Lebe, liebe, lache" und meinen "Heut ist ein wunderschöner Tag". Und weil Glaube viele Sprachen besitzt, erklingt die Lobpreisung auch als Gospel, mit afrikanischer Trommel als Rhythmusinstrument, lässt beim französischen "Mille Colombes" die bekannte getragene Melodie mit summen und beschert Gänsehaut beim "Hallelujah" von Leonhard Cohen oder dem auf Altrussisch gesungenen Vaterunser.

Selbst Besucher aus Strausberg und Petershagen haben die öffentliche Einladung zum anschließenden Kaffeetrinken bei Klängen des Eggersdorfer Posaunenchors angenommen. Auf der Wiese unterhalb des Kirchhügels sitzen sie unterm Zelthimmel und lassen sich den Bauernkuchen schmecken, denn nicht zuletzt sollen die Kassen des Fördervereins weiter gefüllt werden.

Dach, Dachstuhl und Balkenlage sind zwar saniert, doch seither stockt die weitere Erhaltung des barocken Putzbaus. Ruhlsdorf habe unter den elf Kirchen im Buckower Sprengel keine Priorität, erklärt Sebastian Fröbrich, obwohl die laut Sanierungskonzept errechneten 250 000 Euro für eine Kirche gar nicht so viel darstellten. Uwe Donath, der MOL-Regionalbetreuer vom Förderkreis Alte Dorfkirchen, kennt das. Basis sei nun mal, dass alle das wollen.

Märkische Onlinezeitung vom 25. Juli 2016

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