"Sie haben eine wunderbare Kirche"

Begeisterndes Konzert mit Star-Tenor Jay Alexander zum 100-jährigen Jubiläum in Rietschen

RIETSCHEN Standing Ovations am Freitagabend in der Evangelischen Kirche zu Rietschen. Der lang anhaltende Beifall im voll besetzten Gotteshaus galt dem bekannten Tenor Jay Alexander und seinem Ensemble. Die Künstler gestalteten ein Konzert anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kirche.

Tenor Jay Alexander und sein Ensemble beim Auftritt am Freitagabend in der Kirche Rietschen.
Foto: Ingolf Tschätsch/igt1

Wann hat die Rietschener Kirche schon mal so etwas erlebt? Die Besucher erheben sich von den Plätzen, spenden nicht enden wollenden Beifall. In den zurückliegenden zwei Stunden haben sie an diesem Freitagabend im bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus ein mitreißendes Konzert erlebt. Kein Geringerer als der berühmte Tenor Jay Alexander ist mit seinem vierköpfigen Ensemble plus Techniker zu ihnen in das kleine Rietschen gekommen, um sie musikalisch zu verzaubern. Eine große Ehre für Pfarrer Andreas Deckstrom, einen solch bekannten Künstler begrüßen zu dürfen.

Das Konzert "Geh aus, mein Herz . . . " gestaltet sich zu einem absoluten Höhepunkt im Rahmen der Festtage anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Kirchweihe. Kirchengemeinde und Kirchbauförderverein haben dazu eingeladen. Jay Alexander brilliert bei seiner Zeitreise durch die Kirchenmusik nicht nur mit seiner Stimme, sondern moderiert den Abend auch mit Humor und Witz, sorgt ebenso für Nachdenklichkeit bei seinen Zuhörern. Einer zum Anfassen, ohne Starallüren. Und macht den Rietschenern gleich mehrfach Komplimente. "Sie haben eine wunderbare Kirche, auf die sie stolz sein können. Diese Ruhe, diese Geborgenheit, die man spürt, wenn man das Kirchenschiff betritt!", sagt er. Er weiß, wovon er spricht, denn er und seine Musiker haben schon in rund 600 Kirchen gespielt.

Besonderer Beifall wird an diesem Abend einem Mann zuteil, der diesen einmaligen Kunstgenuss maßgeblich ermöglicht hat - Udo Zange, der Vorsitzende des Kirchbaufördervereins. "Ich habe im Urlaub in Thüringen Jay Alexander gehört", erzählt Zange der RUNDSCHAU den Beginn der Geschichte, wie es zum Kontakt mit dem Star-Tenor kam. Dann habe er ihn einfach angerufen. Diese Episode gibt der Künstler den Besuchern selbst zum Besten. "Hier Zange aus Rietschen. Wir wollen Sie haben, hat er am Telefon gesagt. Da habe ich gerade auf meinem Weinberg gearbeitet und hatte die Rebschere in der Hand", erinnert sich Alexander an dieses kuriose Gespräch und bringt damit die Kirchenbesucher zum Schmunzeln. Jedenfalls ist es dem Fördervereins-Chef in seiner unnachahmlichen Art gelungen, den Künstler nach Rietschen zu holen.

Die Festtage anlässlich des Kirchjubiläums sind am Sonntag zu Ende gegangen. Sowohl Pfarrer Andreas Deckstrom als auch Udo Zange sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Sie erinnern noch einmal im Gespräch mit der Heimatzeitung an das vielfältige Programm, dass Kirchengemeinde und Kirchbauförderverein vom 6. bis 10. Juli auf die Beine gestellt haben. "Eindrucksvoll war beispielsweise die Feierstunde am Mittwoch mit Superintendent Dr. Thomas Koppehl und vielen weiteren Gästen gewesen. Besonders stolz waren wir darauf, dass die drei Enkel des damaligen Architekten und Erbauers unseres Gotteshauses, des Rietschener Unternehmers Robert Schaller, und ein Enkel des ersten Pfarrers Ernst Waltsgott daran teilnahmen", so Udo Zange. Bilder seien gezeigt und die Chronik der Kirche vorgestellt worden.

Am Donnerstag habe sich das Gotteshaus für jedermann geöffnet. Eine Ausstellung und die Glocken konnten besichtigt werden. Vor allem für Fotografen sei laut Zange die Besteigung des Turms und die Sicht aus fast 39 Metern Höhe ein Erlebnis gewesen, dass am Sonnabend noch einmal geboten wurde. Ebenfalls am Donnerstag sei die Veranstaltung "Rietschen damals und heute" im Kinosaal auf großes Interesse gestoßen. Theodor Fischer las aus seinem neuesten Buch über Rietschen-Werda und Lothar Müller hat einen Film über die heutige Gemeinde gezeigt.

Alles in allem: ein gelungenes Festprogramm. Udo Zange ist es ein persönliches Bedürfnis, dafür dem 34-jährigen Andreas Deckstrom zu danken: "Er ist erst seit Januar 2015 unser Pfarrer. Alle Achtung, was er in dieser kurzen Zeit geschafft hat."

Ingolf Tschätsch / igt1

Lausitzer Rundschau vom 11. Juli 2016

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